Ein Ja zum Tram kommt am günstigsten

Ostermundigen

Ein Kommentar von BZ-Redaktor Markus Zahno  zur Ostermundiger Abstimmung vom 3. April.

Zwängerei. Missachtung des Volkswillens. Immer wieder sind diese Worte in Ostermundigen zu hören, und sie kommen nicht von ungefähr. Schliesslich hat die Mehrheit Nein gesagt zum Tram Region Bern (TRB). Nicht einmal 19 Monate später bekommt das Volk nun zwei Vorlagen vorgesetzt, die dem TRB stark ähneln.

Der Unterschied zu damals ist die Rüti. Gemäss TRB-Projekt hätte das Quartier mit einem 30 bis 35 Millionen Franken teuren Kehrtunnel erschlossen werden sollen. «Viel zu teuer», fanden das Gegnerkomitee und auch viele Stimmbürgerinnen und Stimmbürger. Deshalb ist der Kehrtunnel in den neuen Abstimmungsvorlagen nicht mehr dabei.

Trotzdem ist die Erschliessung der Rüti auch diesmal der Knackpunkt. Sowohl die Volksinitiative wie auch der gemeinderätliche Gegenvorschlag sehen vor, das Tram irgendwo im Bereich Oberfeld wenden zu lassen und das Rütiquartier mit einem Shuttlebus zu erschliessen. Zwar setzt sich der Ostermundiger Gemeinderat dafür ein, dass die neue Buslinie Bern- Nord–Ostermundigen–Oberfeld–Deisswil dereinst über die Rüti fährt. Ob diese Idee Tatsache wird, steht aber in den Sternen. Im Moment ist also davon auszugehen: Sollte die neue Tramvorlage angenommen werden, ist die umsteigefreie Verbindung von der Rüti in Richtung Zentrum Geschichte. Dafür würde der Shuttlebus neu auch den oberen Teil der Rüti erschliessen.

Viel wird in Ostermundigen darüber gestritten,wie das Kapazitätsproblem des 10er-Busses zu lösen sei. Muss es wirklich ein Tram sein? Ginge es nicht auch mit Doppelgelenkbussen? Als unvoreingenommener Laie verlässt man sich im Zweifelsfall auf die Fachleute, und diese haben laut eigenen Angaben über 20 Varianten geprüft. Fazit: Das Tram ist die nachhaltigere Lösung für die Linie 10.

Der beste Trumpf der Trambefürworter ist aber das Geld. Auch bei einem Ja am 3. April kommt das Tram nur dann, wenn Ostermundigen maximal 28 Millionen Franken zahlen muss. Die Hauptlast tragen ohnehin Bund, Kanton und Stadt. Der Bundesbeitrag ist nach wie vor zugesichert. Und falls den Kantonspolitikern sowie der Stadtbevölkerung wirklich etwas am Tram liegt, werden sie rasch Ja zu ihren Beiträgen sagen. So käme Ostermundigen zu einem wahren Schnäppchen. Denn im Trampaket ist auch die ­Sanierung der Bernstrasse und der alten Werkleitungen sowie der Ausbau des Bahnhofs inbegriffen. Gegenwert des ­Pakets: etwa 100 Millionen Franken. Das haben die Befürworter dem Volk vor der TRB-Abstimmung zu wenig gut verkauft. Viel zu wenig gut.

Diesmal verkaufen es die Befürworter zwar besser. Doch womöglich kommt ihre Einsicht zu spät. Die Fronten haben sich in der ersten Abstimmung so sehr verhärtet, dass sie jetzt fast nicht mehr aufzuweichen sind.

Auch wenn die neuerliche Tramvorlage nicht ohne Makel ist,so sprechen doch mehr Gründe für ein Ja. Man kann das als Zwängerei sehen. Aber sowohl die AHV wie auch das Frauenstimmrecht wurden zuerst abgelehnt. Erst im x-ten Anlauf kamen sie durch. Und möchten wir heute auf die AHV oder auf das Frauenstimmrecht verzichten?

markus.zahno@bernerzeitung.ch

maz

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