Ein haushohes Ja zum höchsten Haus im Kanton

Ostermundigen

Die Befürworter liegen sich in den Armen: Über 64 Prozent der Ostermundigerinnen und Ostermundiger sagen Ja zum Bären-Hochhaus. Damit hat das Projekt die schwierigste Hürde geschafft – aber noch nicht die letzte.

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Eine illustre Schar hat sich am Sonntagmittag in Stef’s Kulturbistro versammelt. Grossrats­mitglieder. Fast der gesamte ­Gemeinderat. Die Leute vom Pro-Komitee und so weiter. Alle warten sie auf das Ergebnis der Abstimmung über das Bären-Hochhaus.

Im Minutentakt kontrollieren sie ihre Handys auf neue Nachrichten, bis eine Frauenstimme plötzlich begeistert verkündet: «Es ist offiziell, wir haben es geschafft!» Mit 64,13 Prozent sagt Ostermundigens Stimmvolk Ja zum Hochhaus auf dem Bären-Areal. Applaus brandet auf, und noch bevor er endet, knallt der erste Champagnerkorken.

Die Frauenstimme gehört Sandra Wetzel. Die Kommunikationsleiterin der Halter AG, welche das Projekt Zentrum Bären entwickelt hat und bauen will, ist sichtbar erleichtert. Als die Umarmungen vorbei sind und ein erster Schluck Champagner getrunken ist, steht sie den Medien Red und Antwort. Sie spricht von einem «zukunftsweisenden Projekt» und von einem «wichtigen Tag für die Region».

Faire Verlierer

Die Anwesenden sind zufrieden bis euphorisch. Aber auch überrascht über das klare Resultat. Und froh über die Stimmbeteiligung von 46,6 Prozent – was für Ostermundingen ausserordentlich hoch ist, zumal gestern weder eidgenössische noch kantonale Abstimmungen stattfanden. Das breit abgestützte, deutliche Ja sei gut für den weiteren Verlauf des Projekts: Diese Aussage ist dutzendfach zu hören.

Auch Melchior Dodel schaut in der Höhle des Löwen vorbei. Der Präsident des Quartiervereins Burgfeld, der sich gegen das Hochhaus engagiert hat, zeigt Grösse und gratuliert Gemeindepräsident Thomas Iten zum Sieg. «Für mich ist das klare Ja keine Überraschung», sagt Dodel. «Das Hochhaus steht neben der Gemeindegrenze. Viele Ostermundiger sind nur am Rand betroffen.» Für sie hätten die Vorteile offensichtlich überwogen.

«Es ist uns ernst»

Mit dem gestrigen Ja zur Überbauungsordnung (ÜO) ist das Hochhaus noch nicht Tatsache. Gegen die ÜO sind auch noch drei Einsprachen hängig, über die nun der Kanton entscheiden muss. Werden sie abgewiesen und nicht weitergezogen, beginnt das Baubewilligungsverfahren. Wie sehr sich der Quartierverein Burgfeld mit weiteren Einsprachen gegen das Hochhaus wehren wird, haben Vorstand und Mitglieder noch nicht beschlossen. Präsident Melchior Dodel persönlich geht aber davon aus, «dass wir konstruktiv weiterfahren». Wichtig sei jetzt, dass auch die Anwohner aus dem Burgfeldquartier bei den weiteren Planungsschritten – zum Beispiel bei der Gestaltung des öffentlichen Platzes beim Bären – mitreden könnten.

Die Hochhausverantwortlichen haben vom Ostermundiger Gemeindeparlament die Auflage erhalten, die Bevölkerung bei der Gestaltung des öffentlichen Platzes mitreden zu lassen. «Dieser Auftrag wird ernst genommen. Das sind nicht nur Floskeln», verspricht Roger Schneiter, Präsident des Pro-Komitees.

Bären bleibt offen

Im Zentrum Bären sollen ein Hotel, ein Panoramarestaurant, Läden, Büros sowie Miet- und Eigentumswohnungen für den «gehobenen Mittelstand» entstehen. Bis die Baumaschinen auffahren, wird der heutige Gasthof Bären voraussichtlich offen bleiben, erklärt Bernhard Marti, Präsident der Bären AG. Seine Firma wird das Areal an die Halter AG weiterverkaufen, sobald die Baubewilligung vorliegt. Gemäss Zeitplan soll dies übernächstes Jahr der Fall sein. Ende 2019 soll das 100-Meter-Gebäude, das höchste Haus im Kanton, dann eröffnet werden.

Resultat: 2892 Stimmen Ja (64,1%), 1617 Nein (35,9%). Stimmbeteiligung 46,6 %.

Berner Zeitung

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