Ein Grüessech für den dörflichen Respekt

In Ostermundigen sollen sich die Leute wieder grüssen, sagt Gemeindepräsident Thomas Iten. Mit seiner Aktion «Säg Grüessech» will er Respekt und Höflichkeit ins Bewusstsein rufen.

«Grüessech», sagt Gemeinde- präsident Thomas Iten.

«Grüessech», sagt Gemeinde- präsident Thomas Iten.

(Bild: Andreas Blatter)

Mit über 17'000 Einwohnern könnte sich Ostermundigen längst «Stadt» nennen. Doch die Agglomerationsgemeinde Berns ist keine Stadt, eher eine gesichtslose Siedlung mit mehreren Kleinzentren, gehobenen und anspruchsloseren Wohnquartieren und mit Menschen, die oft in die Stadt pendeln – zur Arbeit, für Einkäufe, für den Ausgang. Viele leben anonym und kümmern sich kaum um andere.

Das soll sich nun ändern. Am Donnerstagabend hat Gemeindepräsident Thomas Iten (parteilos) im Mundiger Parlament eine Aktion lanciert. Sie könnte Ostermundigen in die Zeit zurückkatapultieren, als es noch ein kleines Dorf war. In seiner Rede zur Eröffnung der neuen Legislatur predigte Iten Respekt und Höflichkeit. «Denn auch bei uns stellt man Respektlosigkeit gegenüber andern fest», sagte er.

Gegensteuer geben sollen nun zwei simple Worte: «Säg Grüess­ech». So lautet der Slogan der Mundiger Höflichkeitsaktion. Jeder der 40 Parlamentarier hat 15 Karten mit der Aufforderung zum Gruss erhalten. Rund um dieses Logo ist in 44 Sprachen «Willkommen» zu lesen. Ganz ähnlich den Karten, die auch in Kindergärten verteilt werden.

Geht es nach Iten, sollen die Parlamentarier die Karten weitergeben und so eine kleine Lawine auslösen. Und wer die Höflichkeitspost bis Ende März einschickt oder auf die Gemeindeverwaltung bringt, nimmt an einer Verlosung teil. Gewinn: ein Znacht mit dem Gemeindepräsi.

Auf diese Weise möchte Thomas Iten gegen Respektlosigkeit vorgehen. Gegenseitige Achtung sei im Zusammenleben wichtig, mahnte er. Im kleinen Rahmen könne dies gefördert werden; «Säg Grüessech» soll der Anfang sein, «ein kleiner Setzling, aus dem ein Baum wird, der später Früchte trägt», so Iten. Wer sich die vergangenen politischen Querelen in Ostermundigen und die Kritik an Iten in Erinnerung ruft, wird den Eindruck nicht los, dass dessen Kartenkampagne auch damit zu tun haben könnte.

Im Parlament führte die Aktion nicht zu Begeisterungsstürmen, doch Goodwill war bei etlichen Mitgliedern durchaus zu hören. «Sympathisch» sei die Kampagne. Schliesslich grüssten sich Bergwanderer und Sportler auch. «Ich grüsse ohnehin je­den», sagte eine Parlamentarierin, «und wer nicht zurückgrüsst, dem gebe ich künftig eine solche Karte.»

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