Ein Dorf setzt aufs «Vreneli»

Guggisberg

Die Gemeinde will zum Vreneli-Dorf werden und lud die Bevölkerung zu einem Workshop ein. An die 90 Personen kamen und machten Vorschläge, wie dies zu bewerkstelligen wäre.

Im Zentrum von Guggisberg ist der Vreneli-Brunnen mit einer Skulptur des legendären Mädchens.

Im Zentrum von Guggisberg ist der Vreneli-Brunnen mit einer Skulptur des legendären Mädchens.

(Bild: Urs Baumann)

Wer kennt es nicht, das traurige Lied «Vreneli abem Guggisbärg»? Unzählige Versionen davon sind im Laufe der Zeit entstanden. Stephan Eicher singt eine, AC/DC eine andere. Eine weitere singt der Jodlerklub Flüeh­blüem­li im Saal des Sternen in Guggisberg.

Das zahlreiche Publikum hört mucksmäuschenstill zu. Hier und dort glänzt gar eine still verdrückte Träne, vielleicht bei der Erinnerung an eine eigene, traurige Liebesgeschichte.

Aber es gibt keine Zweifel, das Vreneli ist untrennbar mit Guggisberg verbunden, viel mehr als sein Schwarm, der Hans-Joggeli, der ennet dem Berg gewohnt haben soll. Im Dorf gibt es ein Vreneli-Museum, einen Vreneli-Weg, einen Vreneli-Brunnen mit einer Skulptur, und nun soll das Meitschi dafür sorgen, dass mehr Touristen das höchste Dorf des Naturparks besuchen (siehe Infobox). Das Museum ist schon heute ein Anziehungspunkt für 2000 Personen pro Jahr.

Konzept vorhanden

Nun will Guggisberg also ein Vreneli-Dorf werden. Dafür wurde bereits ein Verein gegründet, den Gemeindepräsident Hans-Peter Schneiter (SVP) präsidiert. Ein Konzept ist nicht nur vorhanden, sondern sogar schon von der ­Berner Wirtschaft (Beco) bewilligt. Sie hat schon die Hälfte der budgetierten Kosten von 700'000 Franken zugesichert, à fonds ­perdu.

Roland Lymann vom Institut für Tourismuswirtschaft der Hochschule Luzern hat das Konzept geschaffen. Er hofft, dass in Zukunft zahlreiche Besucher die «echte Welt von Guggisberg einem Kindergeburtstag im McDonald’s vorziehen». Deshalb setze sein Konzept vor allem auf Familien mit Kindern.

Wie diese sich im Vreneli-Dorf vergnügen könnten, dafür gibt es kreative Ideen. Diese notieren die Frauen und Männer auf Blätter, die sie an einer Wäscheleine im Saal aufhängen.

Wer die rund 90 vollgeschriebenen Blätter sieht und die Ideen liest, gerät ins Staunen: Ponyreiten, Rösslifahrten und Wanderungen mit Packgeissen sind da unter anderem aufgelistet. Eine CD mit den vielen Versionen des Vreneli-Lieds könnte vermarktet werden. Auf dem Spielplatz im Dorf soll nicht nur eine Plastikrutschbahn stehen.

Jemand möchte einen Streichelzoo mit Hühnern und Kaninchen, die gefüttert werden könnten. Und da der Winter in Guggisberg lang, kalt und windig ist, denkt man auch an ein Schlechtwetterprogramm: Den Kindern an der Wärme Märchen erzählen und mit ihnen Guezli backen.

Mithilfe von allen

Gemeindepräsident Hans-Peter Schneiter ist überwältigt von den vielen Ideen und vom Publikumsaufmarsch. «Wir wussten ja nicht, ob bloss zehn Personen kämen, und ich war schon froh, dass der Jodlerklub seine Teilnahme zusagte», erklärt er und betont, wie wichtig ihm sei, dass das Projekt Vreneli-Dorf von der Bevölkerung mitgetragen werde.

«Deshalb müssen auch alle ihre Ideen beisteuern. Ein Konzept allein kann nicht funktionieren.» Im Verein für ein Vreneli-Dorf ist nicht nur die Gemeinde vertreten, sondern auch Guggisberg Tourismus und der Naturpark Gantrisch.

Die Projektverantwortlichen sammeln die Blätter ein, und man geht mit einem Glas Wein zum gemütlichen Teil über. Es ist zwar spät geworden. Aber die melancholische Stimmung beim Start mit dem Vreneli-Lied weicht jetzt aufgeräumter Vorfreude.

Der Jodlerklub Flüehblüemli singt noch ein paar Lieder. Das Publikum kann nicht genug kriegen und will Zugaben. So ähnlich ging es wohl auch im Guggisberg des 17. Jahrhunderts zu, als das Vreneli noch lebte.

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