Rüeggisberg

Ein Dorf macht Theater

Rüeggisberg Der Männerchor hat am Wochenende zu seinem Konzert und Theater eingeladen. Das bedeutet nicht nur für die Vereinsmitglieder viel Arbeit. Beteiligt sind viele Freiwillige.

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Zwei Männer weisen die heranfahrenden Autos ein. Rasch füllt sich der Parkplatz neben der Turnhalle in Rüeggisberg. Weitere Fahrzeuge parkieren entlang der Strasse. Männer, Frauen und Kinder steigen aus und drängen zur Turnhalle, wo der Männerchor an diesem Abend zu seinem alljährlichen Konzert und Theater einlädt.

An der Kasse am Eingang sitzt Karl Tschirren. So wie die anderen Mitglieder des Chors hat auch er mehrere Aufgaben: Er verkauft die Eintritte, singt im Chor und führt Regie beim Theater. Vor sich hat er eine Kartei mit den Reservierungen. Man kennt sich: Ohne nach dem Namen fragen zu müssen, verteilt er die Eintrittskarten.

In der Turnhalle stehen lange Tische bereit. Frauen mit Serviertabletts gehen zwischen den Reihen zügig auf und ab. Sie bringen Bier, Most und Rivella. Es riecht nach Pastetli, die vor dem Theater eiligst serviert werden.

Hamme-Sandwich

Emsiges Treiben herrscht auch im Geräteraum. Auf einem Tisch sind Getränke aufgereiht. Neben einer Kaffeemaschine stehen die Gläser für Kaffee fertig bereit. Dahinter befindet sich eine behelfsmässige Küche. Frauen waschen Teller ab und rühren in grossen Töpfen. Madeleine Tschirren schaut zum Rechten. «Stress?» Das kenne sie nicht. «Es ist doch schön, wenn etwas läuft», erzählt sie, während sie Brätkugeln in ein Sieb gibt. Seit Mittag stehe sie mit den anderen Frauen in der Küche, damit die Pastetli, Würste und gemischten Salate nun serviert werden können. Und natürlich die Hamme-Sandwichs – mit selbst gebackenem Zopf versteht sich.

Schon seit vielen Jahren helfe sie in der Küche mit, erzählt Madeleine Tschirren weiter. Meist seien es beim Servieren und Kochen jedes Jahr dieselben Frauen. «Wir sind alle verwandt oder befreundet mit den Sängern und Theaterleuten.»

Weibliche Unterstützung

Das Publikum hat gegessen und ist mit Getränken versorgt. Die Turnhalle ist bis zum hintersten Platz besetzt – rund 220 Zuschauer sind gekommen. Auf der Bühne stellt sich der Männerchor auf und stimmt das erste Lied an, «Freude am Leben». Was auffällt: Auf der Bühne stehen auch mehrere Frauen.

«Wir kämpfen mit Nachwuchsproblemen», erzählt Vereinspräsident Hans-Rudolf Hachen. Besonders der erste Tenor sei schwierig zu besetzen. Abhilfe schafft der Verein durch weibliche Unterstützung: «Wir fragen dazu in unserem Verwandten- und Bekanntenkreis nach Frauen, die uns aushelfen möchten.» Weniger schwierig sei es beim Theater. Dafür würden sich immer mehr als genug Freiwillige melden.

«Wir kämpfen mit Nachwuchsproblemen.»Vereinspräsident Hans-Rudolf Hachen

Die Theatergruppe ist mittlerweile in ihrem Element. Auf der Bühne spielt Fritz Egli den ledigen und vermögenden Bauern Gottfried. Dessen rabiate Schwester Helen, gespielt von Sandra Zwahlen, will um jeden Preis an sein Erbe kommen. Verzweifelt versucht Gottfried, seine Schwester loszuwerden.

Dreimal in der Woche Probe

Seit letzten Herbst probten die Theaterleute für ihren grossen Auftritt. Anfangs noch einmal wöchentlich, dann zweimal pro Woche. «Für uns, die auch noch singen, ist das sehr zeitaufwendig», sagt Fritz Egli, der seit über 40 Jahren im Männerchor ist. Drei Abende seien fürs Singen und Theaterspielen reserviert. Hinzu komme das Auswendiglernen zu Hause. Mit Erfolg: Der Text sitzt. Ohne einen Patzer spielt Egli bis zum Ende durch. Der Vorhang fällt, das Publikum applaudiert. So viel sei verraten: Seine Schwester wird nichts erben.

Viele Freiwillige

Nach dem Theater bleibt für die Mitglieder des Männerchors kaum eine Verschnaufpause. Das Unterhaltungsduo für den Tanz steht schon bereit. Die Requisiten müssen aus dem Weg geräumt werden. Sowieso: Solche Anlässe sind für einen Verein immer mit viel Arbeit verbunden: Proben, Bühne, Requisiten, Tombola, Vorverkauf. «Das sind etliche Stunden Arbeit», sagt Präsident Hans-Rudolf Hachen.

Nicht zu vergessen das Engagement der vielen Freiwilligen. «Wir sind froh über die Unterstützung im Service, für den Verkehrsdienst oder in der Küche.» Über 30 Freiwillige helfen dem Verein jedes Jahr.

Weitere Vorstellungen:Freitag, 16., Samstag, 17. Februar, 20.15 Uhr. (Berner Zeitung)

Erstellt: 13.02.2018, 07:52 Uhr

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