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Ein Dorf feiert seine Geschichte

In einem Buch erinnern sich die Einwohner an das Leben der letzten 100 Jahre. Die Anfänge des Dorfs reichen noch viel weiter zurück.

Geschichtsträchtiges Haus: Gemeinderat Klaus Budmiger (l.) und Gemeindepräsident Renato Krähenbühl vor dem Restaurant «Hüsi».
Geschichtsträchtiges Haus: Gemeinderat Klaus Budmiger (l.) und Gemeindepräsident Renato Krähenbühl vor dem Restaurant «Hüsi».
Nicole Philipp

Byron Schmid ist der Urgrossenkel einer Frau, die 1889 mit ihren Kindern von Rubigen in die USA auswanderte. Aufgewachsen ist er in Wisconsin, und vor etwa dreissig Jahren begann er sich mit der Geschichte seiner Familie zu befassen. Erst da erfuhr er von seinen Wurzeln in der Schweiz. Darauf ist er stolz, und viele Male reiste er seither nach Rubigen. «Mein Urgrossvater Bendicht Schmid war fast 40 Jahre lang ­Gemeindeschreiber, und sein ­Lebensmittelladen, der heute die Drogerie ist, ist mir ein wichtiger Ort zum Besuchen.»

Nie eine heile Welt

Der Amerikaner Schmid ist einer von fast 50 Menschen, die in einem neuen Buch über Rubigen zu Wort kommen. Gemeinderat Klaus Budmiger und drei weitere Personen haben sich in den letzten Wochen und Monaten bei Einwohnern umgehört und Geschichten gesammelt. «Zeitbilder aus 100 Jahren», heisst das Werk, das pünktlich zum grossen 750-Jahr-Dorffest (siehe Kasten) erscheint. Auch Schmid wird ­extra für dieses Fest wieder aus den USA anreisen.

Im Buch sind kleine, persönliche, oft unspektakuläre, manchmal lustige Geschichten versammelt. Zusammen vermitteln sie ein Bild des Zusammenlebens im Dorf. «Rubigen war nie eine heile Welt», sagt Gemeindepräsident Renato Krähenbühl, «aber früher sicher eine andere.» Heute sei sicher kaum mehr möglich, was sich der Bahnhofsvorstand einst ausdachte: Er liess die Zugstrecke bis Gümligen nur deshalb sperren, damit er den Lehrlingen einen Streich spielen konnte – er schickte sie los, um die Schwellen zu zählen.

Einfaches Leben

Autor Budmiger, der seit elf Jahren in Rubigen wohnt, hat das Dorf durch die Gespräche besser kennen gelernt. «Die älteren Leute berichten von einem Leben, von dem ich kaum eine Ahnung hatte.» Es sei erst gut eine Generation her, dass die Leute noch sehr einfach gelebt hätten. Aber auch wenn das Leben früher härter war, so schauten alle positiv darauf zurück.

Etwas vor allem ist Budmiger aufgefallen: die vielen Häuser, die abgebrannt sind. Tatsächlich berichten viele Menschen im Buch von solchen einschneidenden ­Ereignissen. Im Jahr 1946 etwa brannten zwei Bauernhäuser ab. «Die Gefahr eines Dorfbrandes war so gross, dass sogar die ­Feuerwehr von Bern zu Hilfe gerufen wurde», erzählt eine Frau. «Überall war es glühend heiss, doch – Glück im Unglück – ein Flächenbrand konnte verhindert werden.»

Erinnerung an die Jugend

Ausserhalb Rubigens ist die Gemeinde heute vor allem für die Mühle Hunziken bekannt. Die Anfänge des Musikclubs liegen lange zurück. Eine Frau aus dem Weiler Kleinhöchstetten erinnert sich daran: «Was für ein Spektakel war der Kinderzirkus für die Kinder der Umgebung, den Mühli-Pesche Peter Burkhart mit seiner Mühli-WG ins Leben rief.» Gerade solche Erlebnisse aus der Jugendzeit sind es, die Krähenbühl besonders faszinieren. «Es ist schön, wenn die Erinnerungen daran wachgehalten werden», sagt er.

Auch die ehemalige Rössli-Wirtin schaut in ihre Kindheit zurück: Als am 8. Mai 1945 der Zweite Weltkrieg beendet wurde, holte ihr Vater «zur Feier dieses Ereignisses um Mitternacht mit dem Karabiner die Wanduhr in der Gaststube runter». Seither habe es im «Hüsi», so wird das Rössli genannt, nie mehr eine Schiesserei, nur noch manche Rauferei gegeben. «Das ‹Hüsi› spielte immer eine wichtige Rolle im Dorf», sagt Budmiger. «Da sind viele Leute ein- und ausgegangen.» Jetzt ist es geschlossen.

Schweizer Pass für Schmid

Die jüngste Geschichte im Buch erzählt Byron Schmid. Erst im Juli erfüllte sich nämlich ein lang gehegter Wunsch des Amerikaners. Sein Antrag auf das Schweizer Bürgerrecht wurde gutgeheissen. «Ich habe immer noch Freudentränen in den Augen», berichtet er. «Und die Schweizer Flagge weht nun im Wind draussen vor dem Eingang meines Hauses.»

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