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Ein Dorf bringt seine Beiz auf Vordermann

Die Umbauarbeiten im Restaurant Sternen laufen auf Hochtouren. Bis im Oktober sollen sie abgeschlossen sein. Der Zeitplan ist sportlich. Doch die Bauherren können auf viele Freiwillige zählen.

153 Freiwilligenstunden: Der Sternen wird renoviert, das Dorf hilft mit.
153 Freiwilligenstunden: Der Sternen wird renoviert, das Dorf hilft mit.
Jana Tálos/BT

Lautes Hämmern, Stimmengewirr, plötzlich ein dumpfer Schlag. Aus dem Innern des Gasthofs Sternen in Detligen dringen Geräusche, die die Bewohner des kleinen Dorfes oberhalb von Radelfingen schon lange nicht mehr gehört haben.

Gut ein Dutzend Menschen tummeln sich an diesem Morgen im Parterre des Hauses. Es wird ausgemessen, begutachtet, nicht mehr benötigtes Inventar herausgerissen. In der Küche klappert derweil das Geschirr – die ehemaligen ­Wirtsleute packen nach 40 Jahren ihre letzten Habseligkeiten zusammen.

«Alle wollen helfen»

In der Gaststube steht Martin Jaberg, Verwaltungsrat der Sternen Detligen AG. Die AG ist seit dem 7. Juli neue Besitzerin des Gasthofs und wurde auf Initiative der Bevölkerung gegründet, um die letzte Beiz im Dorf zu retten. Beteiligt sind nebst der Gemeinde auch 118 private Aktionäre aus Dorf und Umgebung. «Am Samstag hatten wir grosse ‹Ruumete›», sagt Jaberg. Rund 20 Helfer seien anwesend gewesen.

Überhaupt ist ein Grossteil der Arbeiten im Bauprogramm unter «Eigenleistung» verbucht. 153 Tage leisten die Freiwilligen insgesamt. Professionelle Hilfe zieht man nur hinzu, wenn es nicht anders geht. Etwa bei der Montage neuer Türen oder der sanitären Anlagen.

Die Malerarbeiten führen die Freiwilligen durch. Im Bauprogramm sind dafür 10 Tage vorgesehen, für die anderen Arbeiten ein Aufwand zwischen 1 und maximal vier Tagen. «Das ist sportlich, und wir sind uns dessen bewusst», sagt Jaberg. Sie könnten aber auf grosse Unterstützung aus der Bevölkerung zählen. «Alle wollen irgendwie helfen, sei es beim Umbau, beim Aufräumen oder bei der Planung», sagt er. Es sei überwältigend, wie sich die Menschen im Dorf engagieren. «Viele sagten gleich am Anfang: Ich habe zwar kein Geld, um Aktien zu zeichnen, aber beim Umbau bin ich auf jeden Fall dabei.»

Nicht alles wie geplant

Dank der Freiwilligen kann die Sternen Detligen AG Kosten sparen. Trotzdem musste man gegenüber den ursprünglichen Umbauplänen einige Abstriche machen. Etwa beim grossen Saal mit der Bühne und den knarrenden Holzdielen. «Hier etwa hätte sich beispielsweise die Trachtengruppe einen neuen Boden gewünscht», sagt Jaberg und geht durch den grossen Saal zur Bühne. Der Boden sollte eigentlich ausgetauscht werden. Aber: «Weil wir im Vorfeld nicht ganz so viel Geld zusammenbekommen haben wie erhofft, reicht das Budget dafür nicht aus.»

Auch der Keller wird mehr oder weniger so belassen, wie er im Moment ist. Grau. Einzig die Wände werden gewaschen und neu gestrichen. «Hier möchten wir in Zukunft Apéros für Hochzeiten anbieten oder vielleicht auch eine Bierdegustation», sagt Jaberg.

Die Führung ist geklärt

Die Sternen Detligen AG wird die Pacht der Beiz künftig selbst übernehmen und eine Geschäftsleitung anstellen. Was einst als allerletzte Option galt, ist nun Tatsache. «Das Problem war, dass viele der Bewerber mit ihrem Konzept nicht unseren Vorstellungen entsprochen haben», sagt Jaberg. «Zudem hat die meisten der Mut verlassen, als sie die Grösse des Gasthofs und dessen Aufgabe für das Dorf realisiert haben.»

Die neue Geschäftsleitung hingegen habe ein Konzept, das einen praktisch aus den Socken haue. «Frische Ideen, modern und trotzdem gegenüber den örtlichen Traditionen aufgeschlossen.» Wer die Führung übernimmt, will Jaberg noch nicht verraten, ebenso wenig den Namen des Küchenchefs. «Die betroffenen Personen haben noch nicht gekündigt, weshalb wir erst im August mehr sagen können.» Fest steht aber: Der Betrieb des Sternen ist gesichert. Im Oktober kann es losgehen.

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