Belp

«Ein Dirndl passt zu jeder Frau»

BelpDaniel Kobel (55) verkauft und vermietet Dirndl und Lederhosen. Nun hat er sein Geschäft «Dirndl4you» von Kiesen an die Bahnhofstrasse in Belp gezügelt.

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Herr Kobel, wie kamen Sie auf Dirndl?
Daniel Kobel: Durch die Faszination für Oktoberfeste. Vor zehn Jahren habe ich in Steffisburg die ersten Oktoberfeste organisiert, deshalb brauchte ich für das Personal Dirndl. So begann ich mit der Vermietung von Dirndln für verschiedene Events. Seither ist das Geschäft gewachsen.

Haben Sie rasch gemerkt, dass Sie damit ein Geschäft machen können?
Am Anfang war es einfach ein Hobby. Ich war mir nicht bewusst, dass ich damit Geld ver­dienen kann. Es hat mir einfach Freude gemacht. Ich habe daneben auch immer noch gearbeitet. Erst jetzt setze ich voll auf die Karte Dirndl.

Gehen Sie ein grosses Risiko ein?
Es ist ein Risiko, aber ein kalkulierbares. Immerhin funktioniert es jetzt schon seit fünf Jahren. Es ist ein sehr saisonales Geschäft, Hauptsaison ist im September und im Oktober. Aber es gibt immer mehr auch Hochzeiten, für die Frauen ein Dirndl brauchen. Und es wollen sich auch immer mehr Mädchen im Dirndl konfirmieren lassen.

Können Sie eine kurze Geschichte des Dirndls erzählen?
Es gibt verschiedene Geschichten darüber. Nach dem Ersten Weltkrieg konnten sich die Deutschen wieder Ferien in den Bergen leisten. Also fuhren sie nach Garmisch-Partenkirchen oder Kitzbühel. In Garmisch machten zwei Schneiderinnen Trachten für Städter, die leichter und einfacher zum Anziehen waren. So entstand das Dirndl. Es ist ein ­Lifestyleprodukt.

Nun eröffnen Sie in Belp ein grosses Geschäft. Hoffentlich nicht wegen einer Flugverbindung nach München?
Nicht wirklich. Ich habe verschiedene Läden angeschaut, es sind derzeit ja viele OVS-Läden auf dem Markt. In Belp war mir der Vermieter sehr sympathisch, er hat sich um mich bemüht. Belp ist gut gelegen, auch die Lage unseres Geschäfts ist gut. Aber ich hätte mein Geschäft auch in Heimberg oder Kiesen, Thun oder Bern eröffnen können. Am Oktoberfest in München war ich schon lange nicht mehr.

Müssen Sie sich nicht die ­neuesten Trends anschauen? Oder gibts die gar nicht?
Doch, die gibt es. Es gibt Messen für Wiederverkäufer. Aber dafür habe ich leider keine Zeit mehr, ich betreibe den Laden selber mit Teilzeitangestellten. Hier bin ich an der Front. Ich weiss, was die Schweizer Frauen wollen – nicht das Gleiche wie die deutschen. Was in Deutschland in ist, schwappt erst nach zwei, drei Jahren in die Schweiz.

Zum Beispiel?
Bei den Lederhosen, die ich auch verkaufe, tragen die Schweizer noch immer Modelle mit einem H-Hosenträger, also mit einem Balken. Das wird in Deutschland seit Jahren nicht mehr getragen, die Männer tragen dort lieber gezierte Hemden. Dieser Trend kommt nun auch langsam zu uns in die Schweiz.

Ihre Konkurrenten dürften Aldi und Lidl sein.
Konkurrenz belebt das Geschäft. Der Dirndl-Boom ist sicher darauf zurückzuführen, dass man es überall bekommt. Aber wer mal bei mir gewesen ist, kauft kein Billigdirndl mehr. Bei uns gibt es auch Beratung, und die braucht es. Ich sehe, wenn eine Frau ein Dirndl trägt, die keine Ahnung hat.

Sie haben auch eine eigene ­Kollektion. Wie kams dazu?
Für eine Konfirmation wollten junge Mädchen eine Tracht, nur leichter und moderner. Die Schweizer Tracht ist zu teuer, zu verschlossen. Also haben wird einen Prototyp entworfen, der auch gleich einschlug. So haben wir unser Modelabel Urchig aufgebaut. Unsere Kleider sehen aus wie Berner Trachten, aber sie sind leichter zu tragen. Mit Trachten haben sie aber nur entfernt zu tun. Trachten sind traditionell, unsere Dirndl ein Modeartikel.

Wer kauft bei Ihnen ein oder mietet Dirndl?
Alle zwischen 2 und 80 Jahren. Niemand ist gegen das Virus gefeit. Ein Dirndl passt einfach zu jeder Frau. Die Leute sehen darin ganz anders aus.

Und Sie, tragen Sie gerne Lederhosen?
Ja. Hier im Laden zwar nicht. Aber am Wochenende, bei Anlässen, trage ich meistens eine Lederhose. (Berner Zeitung)

Erstellt: 08.09.2018, 21:40 Uhr

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