Bern

Ein Dämpfer für die grüne Einheit

BernGegenüber den Stadtratswahlen 2016 haben die Berner Grünen fast 5 Prozentpunkte verloren. Was GB-Präsidentin Stéphanie Penher dazu sagt.

«Kantonal haben wir kaum Unterschiede», findet GB-Präsidentin Stéphanie Penher (Archivbild/Andreas Blatter)

«Kantonal haben wir kaum Unterschiede», findet GB-Präsidentin Stéphanie Penher (Archivbild/Andreas Blatter)

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Die Grünen waren auch schon mal präziser: «Gewählt sind ­Natalie Imboden, Hasim Sancar, Anna-Magdalena Linder und ­Daniel Klauser», teilten sie mit. Vier Bisherige also, schön hälftig auf­geteilt in Grünes Bündnis (GB) und Grüne Freie Liste (GFL), die sich in der Stadt Bern erstmals für eine gemein­same Liste entschieden hatten.

Doch die Darstellung ist zumindest verkürzt. Richtig ist: GFL-Mann Klauser wurde am Sonntag abgewählt, von der GFL konnte nur Linder ihren Sitz ­halten. Beim GB dagegen verteidigten nicht nur Imboden und Sancar ihre Sitze – unmittelbar hinter den beiden landete Aline Trede bei ihrem Politcomeback auf Rang 3. Nur weil sie im Nationalrat die neu gewählte Regierungs­rätin Christine Häsler ersetzt und das kantonale Mandat nicht annimmt, bleibt Klauser durchgehend Grossrat.

Linksrutsch ohne die Grünen

Es ist nicht die einzige Ungenauigkeit. «Der Verlust des fünften Sitzes ist darauf zurückzuführen, dass ein langjähriger und bekannter Politiker nicht wieder angetreten ist», schreiben die Grünen mit Blick auf Blaise Kropf, der als neuer General­sekretär der städtischen Präsidialdirektion nicht mehr kandidierte.

Zwar mag es sein, dass Kropf zusätzliche Stimmen mobilisiert hätte. Wahr ist aber auch, dass seine Stadtpartei, das GB, den dritten Sitz ja eben mit Trede verteidigt hat. Eigentlich verloren hat ihn die GFL, deren Personal generell schlechter abschnitt als jenes des GB: Hinter Linder auf Rang 4 und Klauser auf Rang 5 folgen vier GB-Kandidatinnen, alle gestandene Stadt­­rät­innen.

Ob das GB einfach die besseren Köpfe als die GFL zu bieten hatte oder nicht – unter dem Strich ist die gemeinsame Liste krachend gescheitert: Minus ein Sitz für die Grünen, während die SP und die Alternative Linke (AL) mächtig zulegten und je einen Sitz vorwärtsmachten. Im Vergleich zu den Stadtratswahlen vor anderthalb Jahren, als man getrennt antrat, verloren die Grünen 4,8 Prozentpunkte.

Der «kleine Linksrutsch», der vor allem innerhalb der Linken stattgefunden hat, erfolgte also auf Kosten der Grünen. Urbaner Anti-Schnegg-Effekt? Nicht für sie. Die These, die sich aufdrängt: Linke mit grüner Ader goutierten die grüne Links-Mitte-Liste nicht; wer links wählen wollte, wählte SP oder Linksaussen. Umgekehrt dürften Linksaus­lege­rinnen auf der Einheitsliste potenzielle Grünen-Stimmen von Mitte-Rechts gekostet haben. Allerdings konnten die Grünliberalen, die davon am ehesten hätten profitieren müssen, in der Stadt nur marginal zulegen.

Für die Präsidentinnen der grünen Stadtparteien, die am Wochenende gemeinsam angetreten sind, ist es zu früh für eine vertiefte Analyse. Stéphanie Penher (GB) und Brigitte Hilty Haller (GFL) wollen insbesondere die Panachierstatistiken abwarten. Der fünfte Sitz der Grünen sei «ein Wackelsitz» gewesen, sagen beide – allerdings war 2014 der knappste Sitz in der Stadt an die SP gegangen.

Nein zu Geschlechtertrennung

«Im Nachhinein wären insbesondere angesichts der tiefen Wahlbeteiligung mehrere Listen vielleicht einträglicher gewesen», räumt Penher ein. Nach Geschlechtern getrennte Listen wie bei der SP kämen für die Grünen aber nicht infrage. Ohnehin fragt sich Penher, wie sich das GB und die GFL in einem getrennten Wahlkampf stärker hätten profilieren können. «Kantonal haben wir ja kaum Unterschiede.»

Hilty Haller glaubt nicht, dass das enttäuschende Abschneiden der Grünen an der gemeinsamen Liste lag. «Die SP hat einfach sehr gut mobilisiert. Ich glaube nicht, dass wir das mit getrennten Listen hätten verhindern können», sagt sie. Dazu, dass die Kandidatinnen und Kandidaten der GFL von jenen des GB fast erdrückt wurden, sagt Hilty Haller: «Die starken Kandidatinnen des GB waren für uns ein gewisses Risiko. Am wichtigsten ist mir aber, dass die Grünen im Grossen Rat möglichst gut vertreten sind.»

Nächste Baustelle wartet

Sind nun die Gegner der gemeinsamen Liste, die es im GB und bei der GFL gegeben hatte, gestärkt worden? Auch dies müsse man diskutieren, wenn genauere Zahlen vorlägen, sagt Hilty Haller. «Es ist grundsätzlich erfreulich, dass GB und GFL einen gemeinsamen Wahlkampf auf die Beine gestellt haben.» Penher will nicht darüber spekulieren, wie es mit GB und GFL in der Stadt Bern nun weitergeht. «Alle weiteren Schritte werden wir zu gegebener Zeit besprechen», so Penher.

Im Stadtrat könnte die grün-grüne Liaison in den nächsten Monaten zusätzlich unter Druck kommen: In der Direktion von GB-Gemeinderätin Franziska Teuscher ist der grösste Stellenausbau geplant. Prominente Kritikerin: die GFL. (Berner Zeitung)

Erstellt: 26.03.2018, 20:18 Uhr

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