Ein Bild, das Bände spricht

Bern

Ein Werbeplakat der diesjährigen BEA wirft doch einige Fragen auf.

Die BEA wirbt dieses Jahr mit Kuh und Mädchen.

Die BEA wirbt dieses Jahr mit Kuh und Mädchen.

(Bild: zvg)

Tina Uhlmann

Es ist nicht das erste Bauernmädchen, das ein Plakat der Berner BEA ziert. Aber es ist das erste, das einem Filmlabor für Animationsfiguren entsprungen scheint, wie auch die Kuh, mit der es auf Shoppingtour ist. Oder hatten die beiden reale Vorbilder, die dank Photoshop zu diesen gummiartigen, irgendwie irräugigen Karikaturen ihrer selbst geworden sind?

Im Grunde spielt es keine Rolle, sie erreichen, was sie erreichen sollen: Aufmerksamkeit. Bloss: Was haben das Swarovski-Halsband der Kuh und die fünf Designer-Papiertüten, die das Mädchen nebst einem damenhaften Handtäschchen schwingt, mit der Berner Ausstellung für Landwirtschaft, Gewerbe und Industrie zu tun?

Zugegeben: Die grösste Frühlingsmesse der Schweiz mit rund 950 Ausstellerinnen und Ausstellern, 600 Tieren und 300'000 Gästen war noch nie besonders geschmackssicher, was ihr Erscheinungsbild betrifft. Mit diesem Bild haben ihre Marketingmenschen die Quadratur des Kreises versucht, was gründlich misslungen ist. Shoppen wie in Paris, London oder New York soll man an der BEA können, das will das Bild wohl sagen. Nur: Was macht eine Kuh dort? Und warum trägt das Mädchen ein Hirtenhemd – notabene zu Föhnfrisur Marke 1980er-Jahre und hochgeschobener Sonnenbrille?

Weltgewandt und hip will man sein und doch das bodenständige Publikum bedienen, das die heimische Scholle beackert. Zusammen geht das schlecht, wie man sieht. Zudem scheint das breitflächig plakatierte BEA-Mädchen einer irritierenden Fantasie entsprungen: Es soll in Personalunion Kind (Natürlichkeit!) und Frau (Schönheit!) sein – und in beiden Rollen so konsumfreudig, wie angeblich nur weibliche Wesen sind.

Apropos: Die Kuh ist ja auch ein weibliches Wesen. Hat sie deshalb eine knallrosa Nase? Ist hier der Lippenstift ausgerutscht oder der Sättigungsregler im Photoshop? Immerhin: Madame trägt wieder Hörner. Gut, haben die Bildgestalter da nicht noch mehr Tüten drangehängt. Das ist aber auch das Einzige, was sie richtig gemacht haben.

BEA 2019: 26. April bis 5. Mai

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt