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Echt oder virtuell?

FREUNDE: Warum ist es Jugendlichen wichtig, möglichst viele Freunde auf einer öffentlichen Plattform zu haben? Geht es um Freundschaft? Wir haben Jugendliche und einen Experten gefragt.

Echte Freundinnen: Jael Spring und Alyssa Gasser.
Echte Freundinnen: Jael Spring und Alyssa Gasser.
Joy Wetzel

Berner Jugendliche, die auf Instagram oder Facebook angemeldet sind, haben oftmals zwischen vier- und achthundert Follower. Die meisten kennen nicht einmal die Hälfte ihrer Follower. Es geht ihnen nicht darum, Freundschaften zu pflegen, sondern darum, ihre Beliebtheit zu steigern.

Manchmal kommt es sogar so weit, dass man Likes in Onlineshops kauft. Das heisst: Wenn man mit der Anzahl seiner Follower auf Instagram nicht zufrieden ist, kann man einen Dienst beauftragen, die Menge der Follower zu erhöhen. «Ich würde für den Anfang nur etwa hundert Follower kaufen – da ist es dann nicht so tragisch, wenn diese 10 oder 20 Franken in den Sand gesetzt sind», erklärt Tim*. Er ergänzt: «Ich will damit sagen, dass man sich der Gefahren bewusst sein muss. Es gibt viele Anbieter, die nur das Geld einziehen und einem die Follower gar nicht geben.»

«Wichtige virtuelle Freunde»

Viele Erwachsene denken, dass virtuelle Freunde unecht und somit nicht nötig sind. Doch Laurent Sédano, Verantwortlicher Medienkompetenz bei Pro Juventute, meint, dass auch virtuelle Freunde, beziehungsweise Follower, echt und wichtig sein können: «Es geht vielmehr darum, ob man mit einer Person persönlich befreundet ist, sei das online oder offline.» Je älter die Jugendlichen würden, umso wichtiger werde es, reine Bekanntschaften zu haben, auch im Onlineraum. Solche Bekanntschaften, ob offline oder online als Follower oder beides, seien vielen Jugendlichen wichtig. Sédano sagt: «Denn jeder Mensch ist auf Anerkennung und Aufmerksamkeit angewiesen, egal, wie alt. Follower zu haben, macht daher zufrieden. Man fühlt sich bestätigt.»

Auch wir haben uns gefragt, ob wir in unserem Alltag mehr Zeit mit unseren virtuellen Freunden verbringen als mit unseren persönlichen Freunden aus dem Offlineraum. Wir dachten, dass es so sei, waren uns aber nicht sicher. Deshalb haben wir den Experten gefragt. Sédano hat das differenziert: «Oftmals sind die Freunde, mit denen Jugendliche online kommunizieren, auch die Freunde, mit denen sie ihre Freizeit verbringen», so seine Aussage. Er fügte an: «Ich finde diese Entwicklung nicht gefährlich, wir müssen einfach lernen, damit umzugehen.»

«Genügend Zeit»

Laut Sédano gibt es keinen Unterschied zwischen Online- und Offlinefreunden. Die unterschiedlichen Arten von Freundschaften und Kommunikationsarten sind für etliche Erwachsene schwierig. Sie kennen das noch nicht so lange, denn aufgewachsen sind sie ohne das «Online». Sédano rät: «Damit Jugendliche genügend Zeit mit echten Freunden verbringen können, sei dies offline oder online, braucht es Bestärkung in ihrem ganzen Selbstwertgefühl. Der Freundeskreis der Jugendlichen ist vielleicht heutzutage grösser geworden, aber die Anzahl von wahren Freunden ist gleich geblieben.»

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