Dünnhäutige Dickhäuter stehen im Zentrum

Bern

Vor 150 Jahren wurde in Murten ein Elefant vom Militär erschossen. Das Skelett befindet sich im Naturhistorischen Museum, das einen starken Bezug zu Dickhäutern hat. Deshalb ist 2016 mit diversen Veranstaltungen den Elefanten gewidmet.

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Im Juni 1866 gastiert in Murten der amerikanische Wanderzirkus Bell & Myers. Was der Tross mitbringt, haben die Murtener noch nie zuvor gesehen: zwei asiatische Elefanten. Die Bevölkerung ist ob den Kunststückchen, die die Exoten vollbringen müssen, entzückt. Dass die Tiere meist auf engstem Raum angekettet und misshandelt werden, ist kein Thema.

Am 27. Juni ist fertig lustig. Auf die Begeisterung folgt das Entsetzen. Einer der Elefantenbullen wirft seinen Bändiger und Peiniger zuerst in die Luft und zerstampft ihn schliesslich am Boden, vor den Stallungen des Gasthofes zum Weissen Kreuz. Dann rennt der rasende Bulle durch Murten, zertrümmert Fensterscheiben, Fässer und einen Einspänner. In Murten ist man geschockt. Wie bändigt man einen wild gewordenen Elefanten?

Mit Kanonen auf Elefanten

Der Murtener Gemeinderat fordert Militär und Kanonen an, was auch geschieht. Schliesslich wird der Dickhäuter in die Enge getrieben und von der Artillerie mit einer Kanone zerfetzt. Ein Metzger häutet den Kadaver, das Fleisch wird für 20 Centimes pro Pfund an die Bevölkerung verhökert. Ein Jahr später, 1867, wird das Skelett für 3000 Franken an das Naturhistorische Museum der Burgergemeinde Bern verkauft. Dort befindet es sich heute noch.

Elefantenrunde mit Experten

Das Drama von Murten jährt sich dieses Jahr zum 150. Mal. Deshalb hat das Naturhistorische Museum Bern 2016 zum «Elefantenjahr» deklariert. An der gestrigen Medienorientierung wurde das Programm vorgestellt. Der Elefant von Murten dreht derzeit auf dem Karussell in der Skeletthalle des Museums seine Runden. Gezeigt wird auch ein Werk des Berner Plastikers Bernhard Luginbühl – der Plan für ein Elefantengrab. Dessen Sohn Iwan wird vom Museum das ältere Elefantenpräparat «Jenny» zur Verfügung gestellt. Die Skulptur, die der Künstler damit erschafft, wird am 22. September prä­sentiert.

Auch die Museumsnacht am 18. März steht ganz im Zeichen der grössten Landlebewesen, mit der Geschichte von «Babar», dem kleinen Elefanten; vorgetragen von Schauspieler Uwe Schönbeck. Am 22. März ist die «Elefantenrunde» angesagt: Eine Podiumsdiskussion mit Elefantenexperten. Das Naturhistorische Museum Bern weist seit Jahrzehnten zahlreiche Bezüge zu den dünnhäutigen Dickhäutern auf.

Das wohl eindrücklichste Präparat in der Ausstellung ist der «Von-Wattenwyl-Elefant», ein kolossaler Bulle aus Ostafrika, den Bernhard von Wattenwyl in den 1920er-Jahren erlegt hatte. Beschlossen wird das «Elefantenjahr» am 13. November mit einem grossen Elefantenfamilientag mit zahlreichen Überraschungen.

Erneut über 100'000 Eintritte

Museumsdirektor Christoph Beer schaute gestern auch auf das vergangene Jahr zurück. Unter anderem mit der Ausstellung Rock Fossils habe das Haus «ein denkwürdiges Jahr» erlebt. Zum Schluss der Ausstellung habe es sogar noch eine Überraschung gegeben. «Lemmy Kilmister himself, der kürzlich verstorbene Frontmann der Motörhead, liess uns ein Bild zukommen – mit dem T-Shirt der Ausstellung.» Lemmy sei in der Ausstellung als fossiler Borstenwurm verewigt.

Erfreuliches auch punkto Besucherzahl. «Zum fünften Mal in Folge wurde 2015 die Grenze von 100'000 Eintritten überschritten», sagte Beer.

Berner Zeitung

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