Köniz

Köniz will günstiger wohnen

KönizSogar die ­Linken waren überrascht vom Erfolg: Die Light-Version der Könizer Wohninitiative wurde an der Urne deutlich ­angenommen. Wer künftig in den städtischen Quartieren baut, muss auch preisgünstigen Wohnraum schaffen.

Vor der Kulisse der alten Siedlung am Thomasweg, die bald Neubauten weichen wird: Die Befürworter mit Christian Roth (Vierter von links) und Katrin Sedlmayer (ganz rechts) freuen sich über das deutliche Ja zur Wohninitiative light in Köniz.

Vor der Kulisse der alten Siedlung am Thomasweg, die bald Neubauten weichen wird: Die Befürworter mit Christian Roth (Vierter von links) und Katrin Sedlmayer (ganz rechts) freuen sich über das deutliche Ja zur Wohninitiative light in Köniz. Bild: Raphael Moser

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Preisgünstigen Wohnraum zu schaffen, wird auch in der Gemeinde Köniz Pflicht. Zumindest bei Projekten ab 4000 Quadratmetern neuer Fläche in den städtischen Quartieren – so will es der gemeinderätliche Gegenvorschlag zur linken Könizer Wohninitiative, der am Wochenende an der Urne überraschend hohen Zuspruch erfahren hat.

Mit einer Ja-Mehrheit von 56,5 Prozent konnte diese Wohninitiative light zwar nicht ganz das Glanzresultat von 71,6 Prozent anknüpfen, mit dem 2014 ein ähnliches Begehren in der Stadt Bern angenommen wurde. In seiner Deutlichkeit überraschte das Ergebnis in Köniz aber doch Gegner wie Befürworter.

Erbitterter Widerstand

Letztere fühlten sich am Sonntag – wen wunderts – in ihrer Haltung voll und ganz bestätigt. «Der Ausgang der Abstimmung zeigt, dass es auch in Köniz zum Problem ­geworden ist, eine preisgünstige Wohnung zu finden», freute sich in ihrem Namen Christian Roth.

Der SP-Parlamentarier hatte seit je an vorderster Front für das Anliegen gekämpft, und er hielt nun fest: Dass so viele ein Ja eingelegt hätten, deute darauf hin, dass die hohen Mieten nicht nur im stadtnahen und entsprechend teuren Gemeindeteil ein Thema seien. Sondern genauso auch im günstigeren ländlichen Teil.

Da habe auch die geschlossene Gegenfront der bürgerlichen Parteien nicht mehr viel ausrichten können. Ja, letztlich sei der Entscheid jenseits des politischen Links-rechts-Schemas gefallen.

Gegner warnen vor Folgen

Natürlich hätte auch die andere Seite gerne gejubelt. Allerdings waren SVP, FDP und BDP schon vor dem Wochenende davon ausgegangen, dass sie als Verlierer aus dem Kampf hervorgehen würden. «Es ist schwierig, gegen das Schlagwort ‹billiger wohnen› anzukämpfen», reagierte SVP-Präsident Christian Burren auf das Verdikt. Derweil BDP-Sprecher Thomas Schneiter erneut vor den Folgen für die Könizer Finanzen warnte – weil gemeindeeigenes Bauland künftig weniger abwerfe.

FDP-Fraktionschef Hans-Peter Kohler fragte sich seinerseits, inwiefern sich die Wohninitiative light werde umsetzen lassen Er tat dies mit Blick darauf, dass die Hauseigentümer mit ihrem Gang durch die Instanzen die Stadtberner Wohninitiative blockieren. Und dass sie auch gegen die Vorlage in Köniz vorgehen.

Es werde also noch länger dauern, bis juristisch geklärt sei, inwieweit man private Eigentümer überhaupt zum Bau günstiger Wohnungen verpflichten könne, so Kohler. Bis es so weit sei, bliebe unklar, was längerfristig möglich sei. Diese Unsicherheit schrecke potenzielle Investoren ab.

Weiterhin das Gespräch

Tatsächlich? Gemeinderätin Ka­trin Sedlmayer (SP) erinnerte daran, dass der Gemeinderat schon bisher auf den Bau günstiger Wohnungen drängte. Allem voran bei den Plänen für die verdichtete neue Siedlung am Thomasweg, wo er sein Ziel über Verhandlungen mit den Eigen­tümern erreichte. Sie denke, so Sedlmayer weiter, dass man diesen Weg auch weitergehen könne, bis Klarheit herrsche.

Mit dem Ja aus der Abstimmung im Rücken wird der Gemeinderat die noch auf Freiwilligkeit basierenden Gespräche nun mit umso mehr Nachdruck führen können. Stephan Künzi

Resultat: 7315 Ja (56,5%), 5637 Nein (43,5%), Stimm­be­teili­gung: 51,1% (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 12.02.2017, 15:23 Uhr

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