Drei Zimmerleute und ein Open Air

Rüschegg

Aus einer Bieridee wird ein Festival für die ganze Region: Das Holzacker-Open-Air findet dieses Wochenende zum ersten Mal in Rüschegg statt.

Benjamin Hostettler, Dominic Corpataux und Florian Luginbühl werden Festivalorganisatoren.

Benjamin Hostettler, Dominic Corpataux und Florian Luginbühl werden Festivalorganisatoren.

(Bild: Raphael Moser)

Sheila Matti

Am Anfang des Gantrischgebiets, etwa zehn Fahrminuten von Schwarzenburg entfernt, umgeben von einem dichten Wäldchen, findet sich der Holzacker. Es ist ein ruhiges Fleckchen Erde; steht man auf der grünen Wiese unter den Obstbäumen, hört man lediglich ein paar Vögel zwitschern und vielleicht irgendwo in der Ferne einen Traktor brummen.

Das grosse Holzhaus, das mitten auf der Lichtung steht, wird von drei jungen Männern bewohnt. Dominic Corpataux, Florian Luginbühl und Benjamin Hostettler. 25, 22 und 21 Jahre alt. Alle sind in der Nähe von Schwarzenburg aufgewachsen, alle tief mit der Region verwurzelt. Und seit einem Jahr leben sie hier in einer Wohngemeinschaft im oberen Stock des Hauses, unten wird der Platz von einer grossen Holzwerkstatt eingenommen.

Mit Säge, Schleifmaschine und Hobel kennen sich die drei aus: Alle haben als ersten Beruf Zimmermann gelernt. Mit den Händen arbeiten sei also kein Problem – telefonieren, kalkulieren, organisieren und planen dagegen sei schon eher eine Herausforderung. Genau diese Schreibtischtätigkeiten mussten die drei im letzten Jahr aber en masse erledigen. Im November fassten sie die Bieridee, ein Festival auf ihrem Grundstück zu veranstalten. Das sogenannte Holzacker-Open-Air findet dieses Wochenende statt.

Viel Überwindung

Von der groben Idee bis zum fertigen Festival war einiges nötig. «Wir verbrachten etliche Stunden an unserem Esstisch, sammelten Ideen und erstellten To-do-Listen», erzählt Benjamin Hostettler. Zeit, welche die drei Wohnpartner, die sich vor ihrem Zusammenzug nur vom Sehen her kannten, zusammengeschweisst hat. Schnell sei aber klar gewesen: Das Festival soll mehr werden als nur eine riesige Homeparty für Freunde und Familie. «Für uns war es natürlich sehr wichtig, etwas zu organisieren, von dem die ganze Region profitieren kann», so Hostettler.

«Uns war es sehr wichtig, etwas zu organisieren, von dem die ganzeRegion profitieren kann.»Benjamin Hostettler Mitorganisator des ersten Holzacker-Open-Airs

Immer wieder stiessen die drei während der Planung auf Herausforderungen.  Besonders viel Überwindung brauchte es, um die Sponsoren für das Festival zu finden. «Als normaler Arbeiter vor Geschäftsmännern im Anzug zu stehen und dann zu versuchen, das eigene Anliegen positiv darzustellen – das war am Anfang schon ziemlich schwer», erzählt Florian Luginbühl. «Aber je mehr Telefonate wir führten und je mehr Leuten wir anfragten, desto einfacher wurde es.» Die Reaktionen seien fast ausschliesslich positiv gewesen, nur ein paar wenige Absagen kassierten die drei.

Heute präsentiert sich das Holzacker-Open-Air als Gemeinschaftswerk der ganzen Region. Beinahe 30 grössere und kleinere Unternehmen stehen auf der Sponsorenliste. Einige unterstützen die Holzacker-Jungs mit finanziellen Beiträgen, andere stellen das Holz für die Bühne, die Toilettenhäuschen oder die Kabel für Tontechnik und Beleuchtung zur Verfügung. Auch die rund 70 Freiwilligen seien schnell gefunden gewesen. Von jüngeren Geschwistern über Eltern, Freunde und Bekannte bis hin zu Dominic Corpataux’ Grossmutter – alle tragen ihren Teil bei. Letztere etwa nähte Festivalbändchen aus alten Küchentüchern und Schürzen.

Rund ums Holz

Entstanden ist ein bodenständiges und familienfreundliches Festival. Insbesondere Familien sollten auf ihre Kosten kommen: Neben drei Bands, die am Samstagabend spielen, kann man auch grillieren, im Wald schaukeln, dem Profi beim Drechseln zuschauen, das Schnitzen mit dem Sackmesser lernen, am Marterpfahl mitarbeiten oder ein Bier an der Bar geniessen.

Dass sich das Thema Holz durch das ganze Holzacker-Open-Air zieht, kommt nicht von ungefähr. Im Zentrum steht nämlich auch ein wenig die Eröffnung von Dominic Corpataux’ Atelier. Letztes Jahr beendete dieser die Ausbildung an der Holzbildhauerschule in Brienz, heute arbeitet er vor allem auf Auftrag. Seine Spezialität sind filigrane Figuren: auf einer Slackline balancierende Kinder, Mundharmonika spielende Seemänner, ein hinunterhängender Büstenhalter.

«Ich möchte aber nicht, dass sich am Wochenende alles nur um mich dreht», betont Dominic Corpataux erneut, «es soll wirklich ein Anlass für alle werden.» Und vor allem möchten sie diesen idyllischen Ort, die Wiese mitten im Wald, mit den Besuchern teilen.

Auf dem Programm steht unter anderen mit Thirty-Thr33 auch eine Band aus Schwarzenburg auf der Bühne. Mehr Infos: holzackeropenair.ch

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