Drei Brüder und eine Beerdigung

Das Theater Matte präsentiert mit «Unter falschen Brüdern» ein Stück über Familienbande.

Haben abgesehen von den Genen wenig gemein: Die Brüder Oliver, Christof, Ueli. Foto: PD / Lea Moser

Haben abgesehen von den Genen wenig gemein: Die Brüder Oliver, Christof, Ueli. Foto: PD / Lea Moser

Helen Lagger@FuxHelen

Christof (Res Aebi) betritt abgekämpft eine Wohnung voller moderner Kunstwerke. Er hängt seine Jacke über eine abstrakte Skulptur, berührt ketzerisch das eine oder andere Werk. Das sorgt für erste Lacher – der Typ ist offensichtlich ein Ignorant.

So beginnt «Unter falschen Brüder» von Peter Buchholz. Das Theater Matte präsentiert die Dialektfassung (Corinne Thalmann) zum Saisonschluss als Schweizer Erstaufführung. Der Autor Peter Buchholz sitzt an der Premiere, extra aus Hamburg angereist, im Publikum. Der 1954 geborene Deutsche ist Schauspieler und Drehbuch- sowie Theaterautor.

In «unter falschen Brüdern» treffen drei Typen aufeinander, die abgesehen von den Genen nicht viel gemeinsam haben. Grund des Treffens ist der Tod des Vaters. Die beiden älteren Brüder hatten keinen Kontakt mit dem Tyrannen mehr. Oliver (Michael Schoch) hingegen hat gemeinsam mit dem Vater ein Antiquitätengeschäft geführt und behauptet, ihm bis zum Tod nahegestanden zu haben.

Die unterhaltsamste Figur ist Bruder Ulrich – in der Dialektfassung natürlich Ueli genannt –, ein abgehalfterter Anwalt, Trinker und Frauenheld. Adrian Schmid spielt die Figur, ohne sie der Lächerlichkeit preiszugeben.

Unter Regie von Richard Henschel findet ein ebenso witziger wie abgründiger Schlagabtausch statt. Es ist der Abend vor der Testamentseröffnung. Weiss der Jüngste vielleicht mehr, als er zugibt? Christof, der eine Arztpraxis führt und unter seiner dominanten Frau und einem schwachen Herzen leidet, misstraut «em Chline», wie sie Oliver nennen.

Hinter einem Gemälde des berühmten Künstlers Laplace versteckt sich ein Tresor, den die Brüder nicht knacken können. Das Bild von Laplace spielt im Laufe des Stückes eine schicksalsträchtige Rolle. Ist es echt oder eine Fälschung? Davon hängt für die Brüder einiges ab.

Effektvolles Bühnenbild

Fredi Stettler, den regelmässige Besucher des Theaters auch als Schauspieler kennen, ist mit dem Bühnenbild ein Coup gelungen. Es ist eine beissende Parodie auf die moderne Kunst. Ein angeschwärztes Schwemmholz hängt in einem Rahmen, eine Serie im Stil des abstrakten Expressionismus an der Wand, und eine an ein Ufo erinnernde Plastik lässt Musik erschallen, wenn man an ihr reibt.

Die Musik wird meist nach Gefühlsausbrüchen von einem der Brüder eingespielt und untermalt oder konterkariert das Geschehen. Das Spektrum reicht von «Dream a Little Dream of Me» von The Mamas & The Papas bis zu Rap der Lausanner Band Sens Unik.

In brechtscher Manier wenden sich die Figuren die Handlung unterbrechend ans Publikum und verraten ihre Gedanken und Erinnerungen. Ueli säuft den Wein des Alten, während Christof immer paranoider wird. Nur Oliver bleibt gelassen bis zum überraschenden Ende.

Nächste Vorstellung: Mi, 24.4.,20 Uhr im Theater Matte. www.theatermatte.ch

Berner Zeitung

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