Drei Berner wollen Weltmeister werden

In zwei Wochen gilt es ernst: Die Berufsweltmeisterschaften in Brasilien stehen an. Von den vierzig Teilnehmern aus der Schweiz kommen drei aus der Region Bern. Wir stellen sie vor.

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In einer Woche hebt ein Flugzeug in Richtung São Paulo ab. In den Reihen werden vierzig Schweizerinnen und Schweizer sitzen, alle wohl etwas aufgeregt und mit hohen Erwartungen im Gepäck. Es sind die jungen Berufsleute, die sich an den Swiss Skills im Herbst 2014 für die Berufsweltmeisterschaft in Brasilien qualifiziert haben.

Die World Skills finden alle zwei Jahre statt. In diesem Jahr treten zwischen dem 11. und dem 16. August 1230 Berufsleute aus 63 Nationen in mehr als fünfzig Berufen gegeneinander an.

Auch drei junge Männer aus Bern sind mit dabei. Alle drei haben sich in den letzten Monaten intensiv auf die Wettkämpfe vorbereitet ? jeder für sich, aber auch gemeinsam: An fünf Wochenenden bereitete sich die gesamte Schweizer Delegation auf die WM vor, inklusive Medientraining.

Michael Egli, Bern

«Die Werkzeuge haben sich verändert, aber das Prinzip des Steinmetz ist seit viertausend Jahren dasselbe», sagt Michael Egli über seinen exotischen Beruf. Der 22-Jährige arbeitet bei der Carlo Bernasconi AG in Bern. Erst vor einem Monat hat er seine Lehre abgeschlossen, Note: 5,4. In zwei Wochen tritt er in São Paulo gegen elf Kontrahenten aus aller Welt an. Die Doppelbelastung sei aufreibend gewesen, sagt er.

Die eine Aufgabe hat er mit Bravour erfüllt. Jetzt hat er noch die zweite vor sich. Und diese wird keine leichte sein: Aus einem Stück brasilianischem Kalkstein müssen die Wettkämpfer innert zweieinhalb Tagen einen Sockel hauen, der der Form von jenem der Christusstatue in Rio de Janeiro nachempfunden ist.

Angespannt sei er, sagt Egli, aber nervös nicht. Für ihn ist klar: «Ich will gewinnen.» Im letzten halben Jahr hat er beinahe zwei Monate dafür aufgewendet, sich praktisch auf den Wettkampf vorzubereiten. Drei Sockel hat er bis heute gehauen. Nun weiss er, was auf ihn zukommt. Die anfängliche Angst vor der unbekannten Steinart hat sich als unnötig erwiesen. Der brasilianische Kalkstein ist dem Berner Sandstein sehr ähnlich.

Adrian Hubacher, Zäziwil

Bau- und Landmaschinenmechaniker Adrian Hubacher ist ein Spezialfall. Also sein Beruf ist es. Denn das letzte Mal, als Bau? und Landmaschinenmechaniker an den World Skills gegeneinander angetreten sind, ist zwanzig Jahre her. Zu vielfältig und ungleich ist die Branche im weltweiten Vergleich. Und auch in diesem Jahr wird die Konkurrenz nicht allzu gross sein. Mit fünf Kontrahenten wird sich Adrian Hubacher in São Paulo messen müssen. «Ich freue mich, wenn alles vorbei ist», sagt der 22-Jährige eine Woche vor dem Abflug.

Adrian Hubacher arbeitet bei der EB Technik GmbH in Biglen. «Meine tägliche Arbeit ist mein Training», sagt er. Die Herausforderungen, die ihn in Brasilien erwarteten, seien einer Lehrabschlussprüfung in der Schweiz nicht unähnlich, erklärt er. Sechs Posten à zwei Stunden warten auf den jungen Zäziwiler. In den verschiedenen Bereichen wie Mechanik, Hydraulik und Elektronik wird er vor Probleme gestellt, die er zuerst lokalisieren und dann beheben muss.

Als zusätzliche Vorbereitung habe er in den letzten Monaten Kurse besucht, sagt Hubacher. Und obwohl die Aufgaben an der WM in Deutsch gestellt werden, büffelt er derzeit noch technische Ausdrücke in Englisch ? um ganz sicher zu gehen.

Thushjandan Ponnudurai, Boll

Seit Januar zwei Tage pro Woche: Das sind Thushjandan Ponnudurais Trainingseinheiten. Für den Informatiker aus Boll sind die World Skills wichtig. So wichtig, dass er sogar sein Studium unterbrochen hat. Er weiss aber, wieso: Ein gutes Ergebnis an der WM würde den Lebenslauf erheblich aufwerten. Zudem sei an den Wettkämpfen enorm viel Unerwartetes möglich, erklärt der 20-Jährige seine intensiven Vorbereitungen.

Die Herausforderung, der er sich in Brasilien stellen muss, ist anspruchsvoll: Drei IT-Strukturen für ein Kleinunternehmen muss er in den vier Tagen aufbauen. Und danach muss er sich auf die Suche nach einem eingeschleusten Fehler in der IT-Umgebung machen und diesen beheben.

Mit nicht weniger als 34 Gegnern wird er es zu tun haben. Die grösste Sorge bereite ihm jener aus Singapur, sagt Ponnudurai. Dort würden die Teilnehmer der World Skills während eines Jahres auf die Wettkämpfe vorbereitet. Sie seien sehr professionell organisiert.

Ponnudurai arbeitet bei den Informatikdiensten der Universität Bern. Kürzlich hat er ein Informatikstudium an der Hochschule Luzern begonnen. Sein Ziel an der WM: unter die ersten fünf ? mindestens. (Berner Zeitung)

Erstellt: 28.07.2015, 07:41 Uhr

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