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Dieser Hooligan-Besuch wird teuer

Beim Europa-League-Spiel YB - Feyenoord behielt die Polizei die Lage in der Stadt Bern im Griff – allerdings nur dank eines teuren Grossaufgebots. Die Rechnung folgt in den nächsten Tagen.

Grosseinsatz in Bern: Die Feyenoord-Hooligans brachten die Kantonspolizei an ihre Leistungsgrenzen.
Grosseinsatz in Bern: Die Feyenoord-Hooligans brachten die Kantonspolizei an ihre Leistungsgrenzen.
Nicole Philipp

Das Europa-League-Spiel YB gegen Feyenoord Rotterdam ist für Bern nicht nur aus sportlicher Sicht gut ausgegangen. Auch die Stadt hat den teils mit Besorgnis erwarteten Fussballdonnerstag mit nur leichten Schrammen überstanden.

Zwar kam es vereinzelt zu Aus­schreitungen zwischen den Fans (siehe Box unten). Doch im Grossenund Ganzen konnten die wegen ihrer Gewalttätigkeit gefürchteten Feyenoord-Hooligans von den Einsatzkräften der Polizei weitgehend in Schach gehalten werden.

Bloss: Damit dieses – angesichts der langen Rotterdamer Gewaltakte nennenswerte – Kunststück gelingen konnte, war ein rekordverdächtiges Polizeiaufgebot nötig. Eines, welches den Rest des Kantons nahezu unbewacht zurückliess: Wie von der Kantonspolizei Bern angekündigt waren am Spieltag und am Freitag von den 54 Polizeiwachen gerade einmal 5 geöffnet.

Und weil die zusammengezogenen Einsatzkräfte trotzdem nicht ausreichten, wurde die Kapo Bern von Polizeikräften aus den Kantonen Baselland und -Stadt sowie aus Solothurn und Aargau unterstützt. «Ebenso waren Szenekenner der holländischen Polizei in Bern», sagt Kapo-Sprecher Christoph Gnägi.

Angesichts dieses Grossaufgebots stellt sich die Frage: Ist dies der Preis des Erfolgs, den die Stadt Bern für ihren international spielenden Fussballklub nun zahlen muss? «Massgeblich für das Polizeiaufgebot ist nicht primär die Art der Veranstaltung oder des Spiels, sondern das Verhalten der Anhänger», sagt Polizeisprecher Gnägi.

Darüber hinaus bemesse sich die Grösse des Polizeiaufgebots an verschiedenen Faktoren, darunter ver­gangene Ereignisse – auch aus dem Ausland. Eines aber müsse klar gesagt werden, so Gnägi: «Ein solch grosses und lange dauerndes Aufgebot wie am Donnerstag für eine einzige Fussballveranstaltung können wir nicht jedes Mal leisten. Dessen Notwendigkeit stimmt uns denn auch nachdenklich.»

Bis weit nach Mitternacht versammelten sich Feyenoord-Anhänger auf dem Kornhausplatz.
Bis weit nach Mitternacht versammelten sich Feyenoord-Anhänger auf dem Kornhausplatz.
Jürg Spori
Auch Polizisten aus Basel-Stadt waren bis gegen Mitternacht in der Berner Altstadt im Einsatz.
Auch Polizisten aus Basel-Stadt waren bis gegen Mitternacht in der Berner Altstadt im Einsatz.
Jürg Spori
Feyenoord-Hooligans wüteten 2015 in Rom. Dabei gab es 18 Verletzte und 28 Festnahmen.
Feyenoord-Hooligans wüteten 2015 in Rom. Dabei gab es 18 Verletzte und 28 Festnahmen.
Reuters
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Teure Grosseinsätze

Nebst dem, dass Grosseinsätze wie am Donnerstag die Polizei ans Limit bringen, sind sie vor allem eines: enorm teuer. Treffen dürfte dies primär YB. «Die Kosten für solche Einsätze in Bern sind pauschal im Ressourcenvertrag mit der Stadt Bern geregelt», sagt der Polizeisprecher.

Die Stadt hat ihrerseits eine Vereinbarung mit den Klubs YB und SCB über die Beteiligung an den Sicherheitskosten geschlossen. Diese läuft bis 2022 und besagt, dass die Polizei die Grundver­sorgung von durchschnittlich 200 Einsatzstunden pro Spiel übernimmt. An den Mehrkosten, die darüber hinaus entstehen, müssen sich die Klubs beteiligen – mit bis zu 60 Prozent.

Eine Auswertung dieser Zeitung für die Saisons 2014 bis 2017 hat ergeben, dass die 76 YB-Heimspiele Polizeikosten von 4,65 Millionen Franken verursachten. Im Schnitt stand die Polizei pro Heimspiel 612 Stunden im Einsatz.

Wie hoch die Kosten im Fall des Feyenoord-Spiels ausfallen, sei noch offen, da die Abrechnung nicht abgeschlossen sei, sagt Polizeisprecher Gnägi. «Aber wie nur schon optisch in der Stadt festgestellt werden konnte, bewegt sich ein Aufgebot wie jenes von gestern sicher über dem Schnitt von612 Stunden.»

Nur milde Strafen der Uefa

Bleibt die Frage, ob es für die Stadt Bern überhaupt eine Alternative zum teuren Polizeigrossaufgebot gäbe. Die auch am Donnerstag hie und da aufblitzende enorme Gewaltbereitschaft der Feyenoord-Hooligans legt den Schluss nahe: nicht, wenn der europäische Fussballverband Uefa solche Anhänger weiterhin an Auswärtsspielen ihrer Mannschaft teilnehmen lässt.

Auf Anfrage verweist die Uefa zwar auf die zahlreichen Sanktionen, mit denen sie Vereine bei unangemessenem Verhalten ihrer Fans bestrafen kann; explizit auch auf die Möglichkeit, den Klubs den Verkauf von Auswärtstickets an ihre Fans zu verbieten. Doch Fakt ist, dass sie kaum jemals davon Gebrauch macht.

Zur Erinnerung: Im Februar 2015 randalierten Feyenoord-Hooligans vor einem Europa-League-Spiel in Rom. Achtzehn Verletzte und Schäden in Millionenhöhe waren die Folge. Die Reaktion der Uefa: Sie belegte den Klub mit einer Busse von 100'000 Euro und einem einzigen Spiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

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