Die Zeugen billigen Urwyler fachliche Kompetenz zu – aber ...

Im Verfahren der ehemaligen Oberärztin Natalie Urwyler gegen die Inselgruppe AG kamen gestern Zeugen zu Wort. Alle sprachen von der hohen fachlichen Kompetenz der Ärztin. Und von zwischenmenschlichen Problemen.

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Sie will Gerechtigkeit und ihren Ruf zurück. Und sie verlangt eine Entschädigung in Millionenhöhe. Dafür ist die ehemalige Oberärztin Natalie Urwyler bereit zu kämpfen. Vor der Zivilkammer des Regionalgerichts steht sie mit ihrem Anwalt gegen die Vertreter der Inselgruppe AG und gegen ihren ehemaligen Chef Frank Stüber.

Am vierten Tag der Verhandlung sagten gestern die Zeugen aus. Von verschiedenen Blickwinkeln wurde das Geschehen rund um die Klinik für Anästhesiologie (Kas), um Frank Stüber und Natalie Urwyler beleuchtet. Es sagten Weggefährten in Ausbildung und Forschung aus, aber auch Chefärzte der Neurochirurgie, der Urwyler ab 2012 als Anästhesistin zugeteilt war.

Da war der Kollege aus der Assistentenzeit und aus der gleichen Forschungsgruppe. «Die Zusammenarbeit war normal. Wir haben über vieles geredet und hatten einen guten Kontakt», berichtete er. Er habe mitbekommen, dass seine Kollegin Urwyler immer unzufriedener gewesen sei mit der Situation in der Klinik und mit ihrem Chef Frank Stüber. Man habe darüber geredet, denn Stüber sei ja der Chef von beiden gewesen.

Weniger Zeit für die Forschung

Natalie Urwyler habe sich darüber beschwert, dass sie nicht gleich behandelt werde wie ihre männlichen Kollegen und dass ihr zu wenig Zeit für ihre Forschungsarbeit bleibe. «Aber das ist ein Dauerbrenner. Bei allen, die auch noch in der Forschung arbeiten wollen, kann die versprochene Zeit dafür meist nicht eingehalten werden», berichtete der Kollege.

Auf die Frage, ob er, wie Urwyler, auch ein Klima der Angst, der Unsicherheit und des Misstrauens in der Kas festgestellt habe, antwortete der Zeuge: «Das sind harte Worte, so kann ich das nicht bestätigen.»

Ein anderer Weggefährte von Natalie Urwyler, der mit ihr zusammen die Aus- und Weiterbildung absolviert und gemeinsame Forschungsprojekte verfolgt hatte, beschrieb das frühere Verhältnis mit Natalie Urwyler als «gute und produktive Zusammenarbeit, die in zwei recht erfolgreichen Publikationen mündete».

Nach der Rückkehr von Urwyler aus den USA im Jahr 2012 sei es ihm zunehmend schwerer gefallen, dieses gute Verhältnis wieder aufzunehmen. «Sie hatte sich irgendwie verändert.» Gemäss diesem Zeugen kam es dann zu einem Eklat, der alles veränderte. «Sie kritisierte die Arbeit meines Teams in unzulässiger Art und Weise», erklärte der heutige Professor.

Nicht die Kritik an sich habe ihm zu schaffen gemacht, sondern die Art und Weise, wie Urwyler dabei mit einer seiner Assistentinnen umgegangen sei. «Danach hatten wir nur noch wenig Kontakt.»

Auch die Chefs der Klinik für Neurologie sagten Sätze wie «fachlich ohne Tadel», oder «als Narkoseärztin kann ich mich an nichts Negatives erinnern». Und doch wollten sie schon bald nicht mehr mit Natalie Urwyler zusammenarbeiten. Das kam so: Eine Operation sollte mit einer neuen, in der Schweiz noch nicht bekannten Methode durchgeführt werden.

Vorwurf: Diskriminierung

«Ich habe diese Methode mit dem Leiter der Anästhesie bei uns monatelang vorbereitet und wollte diese Operation so nur mit ihm machen», berichtete der Chefarzt Chirurgie. Doch der Mann war nicht verfügbar. «Also konnte ich diese Methode nicht anwenden.» Nach diesem Entscheid habe er von Natalie Urwyler eine Mail erhalten. Sie habe ihm Diskriminierung von Frauen vorgeworfen, denn sie hätte diese Operation auch hingekriegt, sei in der Mail gestanden.

«Noch niemand zuvor hat mir vorgeworfen, Frauen zu diskriminieren», sagte der Chefarzt. Daraufhin habe er den Wunsch geäussert, nicht mehr mit Doktor Unwyler zusammenarbeiten zu müssen.

Gegen Abend sagte dann der Inselpersonalchef aus, der über den ganzen Tag den Verhandlungen gefolgt war. Als Parteivertreter darf er das. Er habe versucht, die Konflikte zu bereinigen. Doch er sei gescheitert, weil Natalie Urwyler zu keinen Kompromissen bereit gewesen sei und immer wieder die Konfrontation gesucht habe.

Schliesslich seien Klinikleitung, die Ärztliche Direktion der Insel und er zum Schluss gekommen, dass eine Kündigung die einzige Lösung sei. Sie wurde im Juni 2014 ausgesprochen.

Die Verhandlung konnte gestern nicht zu Ende geführt werden. Sie geht im kommenden Juni weiter.

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