Die Wassermänner vom Gurten

Seit 16 Jahren ist er Herr über Spülungen, Ringleitungen, Pumpen und Schläuche: Martin Frauchiger und sein Sanitärteam sorgen für das Wasser am Gurtenfestival.

Rohre sind ihr Gebiet: Martin Frauchiger (links) und Mitarbeiter Philip Waldman auf dem Gurten.

Rohre sind ihr Gebiet: Martin Frauchiger (links) und Mitarbeiter Philip Waldman auf dem Gurten.

(Bild: Iris Andermatt)

Michael Feller@mikefelloni

Normalerweise versenkt er auf Baustellen Rohre im Rohbau. Doch rund einen Monat pro Jahr arbeitet Martin Frauchiger draussen. Der Auf- und Abbau der Wasserversorgung für das Gur­tenfestival ist seit 2000 die sommerliche Abwechslung für den 58-jährigen Thuner Sanitärinstallateur.

Sechs bis acht Mitarbeiter unterstützen ihn auf dem Berner Hausberg, wenn es gilt, für die vier Festivaltage vier Kilometer Leitungen zu verlegen, damit es Wasser hat, wo es Wasser braucht. Und: damit es auch wieder weggebracht wird.

Bei den Aufbauarbeiten ist die Stimmung toll: «Auf dem Gurten sind gute Leute am Werk. Hier wird richtig zusammengearbeitet.» Frauchiger ist sich anderes gewohnt. Auf Grossbaustellen mauert der eine Handwerker dem andern auch einmal ein Hindernis in den Weg, weil man zu wenig miteinander spricht.

Wasser ist schon da

Wie kommt bloss all das Wasser auf den Berg, ist man zu fragen geneigt. Die banale Antwort: Es ist schon da. Hinter dem Hotel Gurten Kulm betreibt die Gemeinde Köniz ein Wasserreservoir. Wegen des geringen Niveau-Unterschieds zum Festival reicht aber der Druck nicht aus.

Abhilfe schafft eine Druckerhöhungsanlage. Eine von zwei Pumpen führt das Wasser auf das Gelände. Ein Teil der Leitungen ist fix im Boden verlegt. Eine Ringleitung rund um das Festivalgelände ermöglicht die Versorgung der 260 Toiletten, 65 Pissoirs, eine IV-Toilette, 21 Pissoirrinnen und 82 Duschen. Aber auch die Food­stände sind erschlossen. Das Lebensmittelgesetz schreibt vor, dass jeder Stand ans Wassernetz angeschlossen sein muss.

Auch während des Festivals sind Frauchiger und seine Leute im Einsatz. Jeweils zwei Mitarbeiter sind auf Pikett. Doch bis anhin hatte die Sanitärcrew Glück, grosse Schäden im Wassernetz blieben aus. «Eine gute Vorbereitung ist alles», sagt Frauchiger. Dazu gehört es, die frei verlegten Leitungen vor Vandalismus zu schützen. Auch dies hat die erfahrene Crew im Griff. «Die Jugendlichen sind ja auch viel besser als ihr Ruf.»

Wenn einmal ein Ablauf verstopft ist, ist Frauchigers Team zur Stelle. «Aber oft hat schon die Reinigungscrew das Problem behoben, wenn wir eintreffen.» Auch hier lobt Frauchiger die Zusammenarbeit. So hat auch er Zeit, unbeschwert das eine oder andere Konzert zu geniessen. Frauchiger freut sich besonders auf die Auftritte von Frost & Fog und den Tequila Boys.

Wenn die Zeltstadt erwacht

Am meisten Wasser fliesst zwischen 10 und 12 Uhr, wenn die Zeltstadt erwacht und die Duschen im Dauerbetrieb sind. Wie viel Wasser am Gurtenfestival insgesamt gebraucht wird, weiss der Sanitärinstallateur nicht. Aber er kennt die Leistung der beiden Pumpen, die das Herzstück dieses Wasserorganismus bilden. 600 Liter pro Minute schiessen sie in die Leitungen.

Um beim Körper zu bleiben: Auch beim Festival ist es mit den Arterien nicht gemacht, die die Organe versorgen, er braucht auch die Venen. Ein zweites System führt das Abwasser zum tiefsten Punkt des Geländes. Dort kommt die zweite Pumpe ins Spiel. Sie führt die Brühe in die Rohre, wo sie nach Wabern runterschiesst.

Was wäre der Worst Case für die Wassercrew? Wenn eine Pumpe ausfällt, kann die andere einspringen, während die erste repariert wird. Selbst ein Stromausfall auf dem Gelände könnte Frauchigers Wassernetz nicht zum Erliegen bringen. Für diesen Fall gibt es ein Notstromszenario.

Berner Zeitung

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