Belpmoos

Die Vorfreude auf den Vogelflug

Belpmoos Wer im Sommer mit den Vögeln schweben will, muss auch im Winter dranbleiben: Die Segelfluggruppe Bern macht ihre Flugzeuge fit fürs Fliegen.

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Es ist kalt im Hangar der Segelfluggruppe Bern in Belp, später wird es sogar schneien. Trotzdem sind am Samstagmorgen sechs Mechaniker gekommen, um die Segelflieger zu warten und fit für den Sommer zu machen.

Dreizehn Flugzeuge besitzt der Segelflugverein, und der Check auf Herz und Nieren kann schon mal eineinhalb Tage dauern – pro Maschine. Für die angerückten Mechaniker ist das jedoch ein Herzensanliegen. Sie alle sind Profis, Ingenieure, Konstrukteure, doch vor allem verbindet sie die gemeinsame Liebe zu den Flug­zeugen und zum Segelfliegen.

Till Grossrieder (20) etwa fliegt schon, seit er 16 ist. Der gelernte Flugzeugmechaniker leuchtet gerade mit einer Taschenlampe und einem Spiegel in eine kleine Öffnung in der Schwanzflosse eines Einsitzers. Ein bisschen erinnert das an einen Besuch beim Zahnarzt – doch Grossrieder ist auf der Suche nach kleinen Rissen im Material. «Mich interessiert das Zusammenspiel von Technik, Mensch und Natur», sagt er.

Die Faszination der Technik

Neben Till Grossrieder schraubt Dominic Haldemann (24), der eigentlich LKW-Mechaniker und Busfahrer ist, aber aus Faszination für Flugzeuge und Technik auch die Flugzeugmechaniker­lizenz erworben hat. Obwohl auch er natürlich schon geflogen ist, fasziniert ihn vor allem das Innenleben der Segelflieger.

Der Check-up ist sein Hobby. «Ich interessiere mich für die Technik und die mit der Inspektion verbundene Verantwortung», sagt er, während sein Körper unter dem Rumpf einer Maschine verschwindet.

«Mich interessiert das Zusammenspiel von Technik, Mensch und Natur.»Till Grossrieder

Die Segelfluggruppe Bern gibt es als Verein seit fünfzig Jahren. Sie zählt 75 aktive Pilotinnen und Piloten und circa 150 Passivmitglieder. Christoph Schläppi ist Fluglehrer und zeigt auf seinem Computer die Simulation eines Fluges, wie er von der Segelfluggruppe Bern durchgeführt wurde.

Die kleine Maschine auf dem Bildschirm startet in Bern auf moderater Höhe, doch dann wird sie von der Thermik erfasst und schraubt sich höher, immer höher. Getragen von den Winden, gleitet sie dann mitten durch alle Berge der Schweiz, vorbei an den grossen Viertausendern, umrundet schliesslich das Matterhorn und fliegt dann über die Berggipfel ­zurück nach Bern.

«So sieht man die Berge sonst nie!», freut sich Schläppi. Seine Augen funkeln, als er sagt: «Wir fliegen nach dem gleichen Prinzip wie die Vögel. Oft sind sogar Vögel mit uns zusammen in den Aufwinden!»

Angehende Profipiloten

Schläppi ist im Berner Oberland geboren und hat als Kind immer den Segelfliegern und Militär­maschinen zugesehen.«Es gibt Leute, die mit Sehnsucht darauf reagieren. Auf das Abenteuer, das Wegfliegen über den Horizont», sagt er. Mit 40 Jahren hat er an­gefangen zu fliegen. Seitdem ist es ihm wichtig, die Begeisterung für das Fliegen weiterzugeben.

«Wir fliegen nach dem gleichen Prinzip wie die Vögel. Oft sind sogar Vögel mit uns zusammen in den Aufwinden!»Christoph Schläppi

Hier leistet die Segelflug­gruppe Bern wichtige Jugendarbeit, denn nicht wenige Piloten machen ihr Hobby später zum Beruf. Und auch wer später Hobbypilot bleiben möchte, profitiert: «Wir vertrauen unseren Jungpiloten Flugzeuge in der Preisklasse eines hochwertigen Sportwagens an. Besonnenheit, Weitsicht, vorausschauendes Denken und Entscheidungsfähigkeit sind Eigenschaften, die in der Segelflugausbildung ge­fördert werden», sagt Samuel Indermühle, Präsident der Segelfluggruppe Bern.

Die Winterwartung der Flugzeuge erfordere strukturiertes Arbeiten, Gewissenhaftigkeit, Präzision und Zuverlässigkeit – Eigenschaften, die auch im Berufsleben wichtig seien, so Indermühle.

Kein Interesse der Investoren

Doch der Ausbau des Flughafens bringt Unsicherheiten für die ­Segelfluggruppe mit sich. Denn die Gruppe ist im Weg und muss sich nach einer anderen Startbahn umsehen. «Wir sind eine Nische», sagt dazu Schläppi, der Fluglehrer. «Wir sind eine Flugschule, aber ehrenamtlich und nicht kommerziell. Zur Direktion des Berner Flughafens besteht ein sehr guter Kontakt, aber die Investoren interessieren sich leider nicht für uns.»

So bleibt abzuwarten, wo die Segelflugzeuge in Zukunft starten werden. Doch starten wollen die Piloten unbedingt. Schläppi fasst zusammen: «Schon Leonardo da Vinci hat einen Segelflieger entworfen. Wenn er sehen könnte, was wir hier machen – wahrscheinlich würde es ihn interessieren.» Die Segelfluggruppe bietet auch Rundflüge für Passagiere an. (Berner Zeitung)

Erstellt: 12.02.2018, 13:52 Uhr

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