Bei der Wirtschaftskraft liegt die Region Bern in den Top 3

Region Bern

Die Region Bern zählt punkto Wirtschaftsleistung pro Kopf zu den Besten. Doch weil ein Grossteil der Wertschöpfung von der Verwaltung kommt, bringt ihr das kaum Steuern ein.

Die Stadt Bern als Pharmastandort: Unternehmen wie CSL Behring im Wankdorfquartier sorgen für eine hohe Wertschöpfung.

Die Stadt Bern als Pharmastandort: Unternehmen wie CSL Behring im Wankdorfquartier sorgen für eine hohe Wertschöpfung.

(Bild: Beat Mathys)

Benjamin Bitoun

Das Bild vom Kanton Bern als Wirtschaftsstandort ist vermeintlich schnell gezeichnet: Hoch sind die Schulden, die Steuern und der Verwaltungsanteil, nicht aber die wirtschaftliche Dynamik. Ein Topranking im schweizweiten Vergleich wird nicht erwartet und aufgrund der strukturellen Schwierigkeiten oft auch nicht für möglich gehalten. Doch wie sieht es mit dem Wirtschaftsraum Bern aus, der sich aus der Hauptstadt und 32 umliegenden Gemeinden zusammensetzt? Die kurze Antwort: Besser – mit viel Luft nach oben. Zu diesem Schluss kommt das Forschungsinstitut BAK Economics, das sich im Auftrag des Wirtschaftsraums Bern mit der Frage auseinandergesetzt hat.

Die positive Überraschung der Studie: Mit einer Wirtschaftsleistung pro Kopf von knapp unter 117000 Franken positionierte sich der Wirtschaftsraum Bern im Jahr 2017 sogar schweizweit unter den Top 3. Nur in den Agglomerationen Zürich und Basel ist die Leistung pro Kopf in derselben Zeitspanne noch höher ausgefallen.

Verwaltung statt Firmen

Im nationalen Steuerwettbewerb kommt der Kanton Bern nicht vom Fleck und nimmt trotz hoher Steuerbelastung nicht so viel Geld ein, wie für eine bessere Positionierung nötig wäre (siehe Ausgabe von gestern). Da stellt sich die Frage: Warum schlägt sich die hohe Wirtschaftsleistung pro Kopf im Wirtschaftsraum Bern nicht auch automatisch in höheren Steuereinnahmen für den Kanton nieder?

Die Antwort darauf liefert die Zusammensetzung der Wirtschaft im Raum Bern. Knapp ein Viertel der Wertschöpfung (23 Prozent) wird von der Verwaltung und den Bildungsinstitutionen erwirtschaftet. Danach folgen mit 10 Prozent der Finanzsektor, Information und Kommunikation (9 Prozent), das Gesundheits- und Sozialwesen (9 Prozent) sowie der Sektor Verkehr und Logistik (6 Prozent). Das Problem dieser Aufteilung: Verwaltung und Schulen generieren keine Unternehmenssteuern. Das heisst: Vom Beamten, der 120000 Franken verdient und statistisch gesehen eine Wirtschaftsleistung in etwa dieser Grössenordnung erbringt, profitiert der Wirtschaftsraum Bern nicht gleich stark wie die Agglomeration Basel von einem Roche-Manager.

Umzug in die Agglomeration

Die Autoren haben auch untersucht, wie sich die Wirtschaftsleistung in den vergangenen zwölf Jahren entwickelt hat. Ihre Ergebnisse zeigen, dass die Wirtschaft im Wirtschaftsraum Bern in den vergangenen zwölf Jahren stärker gewachsen ist als im Schweizer Durchschnitt (siehe Grafik unten).

«Ein Viertel der Wertschöpfung wird von derVerwaltung und(Hoch-)Schulenerwirtschaftet.»

Eine weitere Hauptaussage der Studie: «Bis 2014 kamen die Wachstumsimpulse hauptsächlich aus den Agglomerationsgemeinden, ab 2015 hingegen aus der Stadt Bern», schreiben die Autoren von BAK Economics. Der Grund hierfür ist schnell gefunden, denn man könnte auch sagen: Bis 2014 ist der restliche Wirtschaftsraum auch auf Kosten der Stadt gewachsen. Um Kosten zu sparen, trieb die Verwaltung nämlich die Umsiedelung von Bundesämtern in die Agglomeration konsequent voran – etwa nach Ittigen oder Zol­likofen. Und die Swisscom zog aus dem Berner Hochhaus an der Ostermundigenstrasse aus und in die neuen Businessparks in Köniz sowie in Worblaufen. Keine Auswirkung auf die Wirtschaftsleistung in der Stadt hatte indes eine Branchenumbuchung: «Die Postfinance hat 2013 eine Bankenlizenz erhalten und ist daher neu nicht mehr dem Sektor Verkehr & Logistik, sondern dem Finanzsektor zuzuordnen», erklärt BAK-Geschäftsleiter Marc Bros de Puechredon.

Wachstumsmotor Pharma

Seit 2015 ist jedoch die Stadt der absolute Wachstumsmotor der Wirtschaftsregion Bern. Hauptverantwortlich für die Wende: die Pharmaunternehmen CSL Behring, Galenica und Janssen Vaccines, die sich in Bern entweder angesiedelt oder ihre Standorte weiter ausgebaut haben. Gerade weil sich die Pharmaindustrie in der Branche mit der höchsten Wertschöpfung überhaupt bewegt, machen sich die neu geschaffenen Stellen deutlich bemerkbar. Doch so erfreulich und wichtig der Ausbau der Pharmaunternehmen auch ist: Die Wertschöpfung im Wirtschaftsraum Bern hängt von der öffentlichen Verwaltung ab. Das ist nicht problematisch, aber für die Kasse der Stadt und des Kantons nur beschränkt einträglich.

Berner Zeitung

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