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Die Verpackungsdruckerei Zeiler baut erneut Arbeitsplätze ab

Die zur deutschen RLC-Gruppe gehörende Druckerei Zeiler verlagert weitere Teile der Produktion. Viele der 80 Angestellten fürchten um ihren Job.

Statt in Köniz künftig in Spreitenbach AG: Die RLC-Tochter Zeiler verlagert erneut Stellen weg.
Statt in Köniz künftig in Spreitenbach AG: Die RLC-Tochter Zeiler verlagert erneut Stellen weg.
Christian Pfander

Die Druckerei Zeiler in Köniz war einst ein stolzes Familienunternehmen und wurde bekannt durch das Sponsoring der lokalen Volleyball-Schweizer-Meisterinnen. Doch diese Zeiten sind jetzt vorbei. Die Volleyballerinnen sind abgestiegen, und die Druckerei wurde zuerst von der Migros-Tochter Limmatdruck, dann im Jahr 2011 von der deutschen RLC Packaging Group übernommen.

«Wir suchen für die Mitarbeitenden nach individuellen und sozial ­verträglichen Lösungen.»

Thomas Neth, Chef von Limmatdruck Zeiler

Nach mehreren Abbaurunden verkleinert RLC den Standort Köniz weiter. Lediglich einzelne, spezifische Verpackungen sollen in Zukunft am Zeiler-Standort hergestellt werden. Daneben ist ein Innovations- und Servicezentrum für die Verpackungs- und Designentwicklung geplant.

Details zu den verbleibenden Produkten nennt das Unternehmen nicht, denn es liefen aktuell Gespräche mit den Kunden, sagt Thomas Neth, Geschäftsführer der RLC-Tochter Limmatdruck Zeiler AG. Laut einem Mitarbeiter zählen die Verpackungsschachteln für Nespresso-Kapseln zu den Grossaufträgen.

Kündigungswelle rollt

Wie viele der rund 80 Angestellten in der Produktion ihren Arbeitsplatz in Köniz verlieren, steht noch nicht fest. Die Restrukturierung soll im Laufe des Jahres 2019 abgeschlossen sein. Ein Mitarbeiter der Gruppe hat dieser Zeitung berichtet, dass bereits 25 Kündigungen in Köniz und bei Limmatdruck in Spreitenbach ausgesprochen worden seien. Die Gewerkschaft Syndicom bestätigt, dass RLC eine Massenentlassung angekündigt habe.

Geschäftsführer Neth sagt dazu, die Leitung von Limmatdruck Zeiler sei im Dialog mit den ­Mitarbeitenden und suche nach individuellen und sozial verträglichen Lösungen. «Da diese Gespräche noch nicht abgeschlossen sind, ist es derzeit nicht möglich, die Zahl der Kündigungen zu definieren.»

Die Gewerkschaft Syndicom steht Betroffenen und der Betriebskommission zwar zur Verfügung. Allerdings sind nicht ­viele Beschäftigte Mitglied, und ­Syndicom ist von Limmatdruck Zeiler nicht als Sozialpartner anerkannt, der für die Belegschaft Verhandlungen führen darf.

Massenprodukte im Ausland

Limmatdruck Zeiler will künftig einerseits Spreitenbach zum leistungsfähigen Produktionszentrum ausbauen und weiter investieren. Es ist spezialisiert auf Pharmaverpackungen, Backschalen und Kartonschalen für Obst und Gemüse.

Andererseits verliert auch Spreitenbach intern Aufträge an andere Standorte: Die RLC-Gruppe verlagert die grossvolumige Produktion von Verpackungen für den internationalen Markt in ausländische Werke, die hierfür besser ausgerichtet seien. RLC mit Sitz in Hannover verfügt über mehrere Standorte in Deutschland und in Polen. Die Präsenz in der Schweiz werde mit der Spezialisierung gestärkt, heisst es.

Die Angestellten in Köniz werden es sich wegen der Verlagerung ins Ausland umso mehr überlegen, ob sie ihre Arbeit in Spreitenbach fortführen wollen. Das Unternehmen bietet ihnen einen Shuttlebus zum Standort vor den Toren von Zürich an. Um zu Schichtbeginn am Morgen dort zu sein, müsste man aber um etwa 4 Uhr losfahren, beklagen Betroffene.

Ferner sind auch Investitionen kein Garant für einen langfristigen Fortbestand eines Werkes. Laut dem Branchenportal Viscomedia hat RLC in Köniz noch Anfang 2014 in den Bogenoffsetdruck investiert und eine Achtfarbenmaschine in Betrieb genommen. Allerdings entwickelt die Firma in Köniz nicht nur Verpackungen, sondern auch Verpackungsmaschinen.

Die frei werdenden Produktionsflächen an der Gartenstadtstrasse in Köniz will das Unternehmen anders nutzen oder vermarkten. 2011 hatte Zeiler bereits den zweiten Könizer Standort an der Sägestrasse geschlossen und 53 Stellen nach Spreitenbach verlagert. Dies kurz nach der Übernahme durch RLC.

2014 folgte eine weitere Abbaurunde. Die vormalige Besitzerin Migros hatte den Verkauf noch als optimale Lösung für die Mitarbeitenden bezeichnet.

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