Die Vereine freuen sich: Die Linde geht an Walthers

Habstetten

Gemeinderat Markus Walther und seine Frau dürfen die Linde übernehmen. Das Bolliger Stimmvolk hat dazu deutlich Ja gesagt. Doch eventuell ist die Angelegenheit noch nicht ausgestanden: Die Gegner denken über eine Anzeige nach.

Erleichterung vor der Linde Habstetten (v.l): Rudolf Burger, Markus und Erika Walther sowie Leute vom Unterstützungskomitee.

Erleichterung vor der Linde Habstetten (v.l): Rudolf Burger, Markus und Erika Walther sowie Leute vom Unterstützungskomitee.

(Bild: Max Füri)

Die Erleichterung ist gross bei der Gruppe, die am langen Tisch vor der Linde Habstetten sitzt. Rund zwei Dutzend Leute aus verschiedenen Parteien, Anwohner und Mitglieder der Dorfvereine sind gekommen.

Am späten Nachmittag stossen sie auf das Resultat an, das wenige Stunden zuvor verkündet worden ist: Das Stimmvolk der Gemeinde Bolligen hat mit 1541 Ja gegen 1086 Nein entschieden, dass Markus und Erika Walther das Restaurant im Baurecht übernehmen können.58,7 Prozent Ja-Stimmen seien «ein schönes Resultat», freut sich Markus Walther. Er macht aber keinen Hehl daraus, dass ihn die Ereignisse der letzten Wochen belastet haben. «Wenn man als ehrlicher Mensch der Vetternwirtschaft bezichtigt wird, dann trifft einen das», sagt er.

3 Millionen investieren

Ja, die Linde Habstetten sorgte für einige emotionale Zeitungsinserate, Flugblätter und per­sönliche Angriffe. Alles begann im Frühjahr, als der Bolliger Gemeinderat beschloss, das Res­taurant an Gemeinderatskollege Markus Walther (SVP) und seine Frau abzugeben. Walthers besitzen das Gebäude, das direkt an die Linde angebaut ist. Sie können das Restaurant unentgeltlich übernehmen, zahlen einen jähr­lichen Baurechtszins von 16 500 Franken und müssen Auflagen erfüllen. Insbesondere: Die Linde muss als Restaurant mit Saal erhalten bleiben und für 3 Millionen Franken saniert werden.

Die Gemeindeversammlung stimmte dem Handel im März deutlich zu, worauf ein Komitee um Bürger René Décorvet das Referendum ergriff und die gestrige Urnenabstimmung erzwang. Es könne nicht sein, dass die Gemeinde ein solches Gebäude einfach so verschenke, argumentierte Décorvet.

Anzeige? Oder doch nicht?

Der Gemeinderat, die Bolliger Parteien, die Habstetter Vereine: Sie alle haben sich für ein Ja eingesetzt – und können feiern. Ganz anders ist die Gemütslage bei René Décorvet. «Es ist, wie es ist», erklärt er, nachdem er das Abstimmungsresultat erfahren hat. Sein Frust ist allerdings nicht zu überhören, als er sagt: «Ich habe nach wie vor den Verdacht, dass hier Vetternwirtschaft vorliegt.» Er überlegt sich deshalb, den Gemeinderat wegen ungetreuer Geschäftsführung anzuzeigen. «Wir werden sehen. Mehr gibt es dazu im Moment nicht zu sagen.»

Gemeindepräsident Rudolf Burger (Bolligen Parteilos) sieht einer allfälligen Anzeige gelassen entgegen. «Wir haben alles offengelegt, und das Volk hat nun zweimal deutlich Ja gesagt», erklärt er. Von einer Bevorteilung könne da keine Rede sein. «Wir hatten gute Gründe, direkt mit dem Ehepaar Walther zu verhandeln, statt die Linde öffentlich auszuschreiben.» Denn die Lösung mit Walthers garantiere, dass es in der Linde so weiterlaufe, wie es sich der Gemeinderat und die Bevölkerung wünschten. «Mit einer anderen Lösung hätten wir diese Garantie nicht», ist Burger überzeugt.

Resultat: 1541 Ja (58,7 Prozent), 1086 Nein (41,3 Prozent). Stimm­beteiligung 47,0 Prozent.

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