Bern

Die SVP will durchstarten, Grüne und BDP müssen zittern

Bern567 Personen buhlen um nur noch 25 Nationalratssitze. Am bedrohlichsten ist diese Ausgangslage für die Grünen. Aber auch die BDP muss bangen.

Erklärtes Ziel von SVP-Kantonalpräsident Werner Salzmann ist die Vergrösserung seiner Delegation auf neun Sitze.

Erklärtes Ziel von SVP-Kantonalpräsident Werner Salzmann ist die Vergrösserung seiner Delegation auf neun Sitze. Bild: Susanne Keller

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Die Hürde für den Nationalrat ist in diesem Jahr für die Berner Kandidatinnen und Kandidaten etwas höher als 2011. Der Kanton Bern verliert wegen seiner unterdurchschnittlichen Bevölkerungsentwicklung einen Sitz. Neu sind am 18. Oktober noch 25 statt 26 zu vergeben. Für einen Sitz braucht es darum einen höheren Wähleranteil als vor vier Jahren.

567 Frauen und Männer stellen sich dieser Herausforderung. Das sind 22 mehr als vor vier Jahren. Am Montag lief die Einreichfrist für die Parteien ab. Die einzige Partei, die zwei Sitze mit Neulingen zu besetzen hat, ist die SVP. Alle anderen können mit dem Bisherigenbonus punkten. Hier finden Sie die Liste aller Kandidierenden.

Allerdings reicht bei der Grünen Christine Häsler und beim abtretenden BDP-Kantonalpräsidenten Heinz Siegenthaler die Bundeshauskarriere nur wenige Monate zurück. Häsler rutschte im Juni 2015 für Alec von Graffenried nach, Siegenthaler im Januar 2015 für Ursula Haller.

SVP muss zwei Lücken füllen

Auch die SVP hat sich um eine bessere Ausgangslage bemüht. Doch die Strategie beim Rücktritt von Hansruedi Wandfluh ging nicht auf: Statt dem SVP-Kantonalpräsidenten Werner Salzmann den Vortritt zu lassen, beharrte Jean-Pierre Graber auf seinem Recht und rutschte nach – ohne jedoch erneut anzutreten. Weil der frühere SVP-Präsident Rudolf Joder wegen einer parteiinternen Amtszeitbeschränkung ebenfalls wegfällt, werden nun gleich zwei Sitze frei.

Positiver Effekt dabei: Die Chancen für Newcomer sind grösser als in anderen Jahren. Das wirkt motivierend. Das erklärte Ziel der grössten Partei des Kantons ist die Vergrösserung ihrer Delegation auf neun Sitze. Salzmann rechnet vor, dass die Partei dazu den Wähleranteil im selben Mass steigern muss wie zwischen 2010 und 2014 bei den kantonalen Wahlen.

Auf eine Listenverbindung kann die SVP dabei nicht zählen. Die FDP geht allein, und die BDP hat mit der EVP, den Grünliberalen und der CVP eine breite Mittekoalition gebildet. Das sei ein Makel, räumt Salzmann ein, ihre Topkandidaten seien aber anderweitig gut vernetzt.

Er selber etwa wirbt als deren Präsident gezielt um die Stimmen der rund 27000 Berner Schützen. Auf eine breite Basis können auch Bauernpräsident Hans Jörg Rüegsegger oder der Thuner Stadtpräsident Rudolf Lanz bauen.

Grüne: Dritter Sitz wackelt

Die SP als zweitstärkste Partei zeichnet sich durch Konstanz aus und kann mit geschlossenen Reihen punkten: Alle sechs Nationalrätinnen und Nationalräte treten wieder an. Parteipräsidentin Ursula Marti ist deshalb zuversichtlich, dass man die Mandate halten kann. Eine Listenverbindung mit den Grünen sollte die nötige Rückendeckung dazu verleihen. «Wir setzen zusätzlich auf eine neuartige Mobilisationskampagne», sagt Marti.

Statt in Plakate investieren die Sozialdemokraten vermehrt in persönliche Gespräche. Das haben auch die Grünen nötig. Das Wahlbarometer des Schweizer Fernsehens attestierte der Partei im März ein Formtief. Da die Grünen Kanton Bern 2011 ein Restmandat holten, ist ihre Herausforderung wohl am grössten, ihre gegenwärtig drei Sitze zu halten.

Ein Berner Novum ist das breite Bündnis in der Mitte. Für die bei den Kantonalwahlen nach einem Bündnis mit der SVP arg zurechtgestutzte BDP soll dies den befürchteten Verlust mildern. Mit vier Sitzen ist sie aktuell die Nummer drei hinter SVP und SP. Während die Grünliberalen ihre zwei Sitze verteidigen wollen, strebt die EVP keck einen zweiten an.

Auf die Gunst der Stunde hofft auch die FDP. Sie ist von den jüngsten kantonalen Wahlresultaten beflügelt, die Erholung ihres Wähleranteils, der 2011 einen historischen Tiefstand erreichte, ist fast schon Pflicht. Die Delegation schrumpfte auf noch zwei Sitze. Ein gewisser Unsicherheitsfaktor ist dabei die Kasachstan-Affäre von Christa Markwalder.

Wobei sich die Nationalrätin damit in guter Gesellschaft befindet: Auch Margret Kiener Nellen von der SP ist nach öffentlichen Auseinandersetzungen um das Steuergebaren ihres Mannes angeschlagen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 04.08.2015, 10:32 Uhr

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