Die Stapi-Kandidatinnen verkaufen sich gemeinsam

Bern

Es sei «höchste Zeit für eine Stadtpräsidentin», finden Ursula Wyss (SP) und Franziska Teuscher (GB), die beide für das Amt kandidieren. Sie lancieren einen gemeinsamen Wahlkampf – Bündnispartner und ebenfalls Stapi-Kandidat Alec von Graffenried (GFL) musste zuschauen.

Der Erlacherhof gehört in weibliche Hände:?Das finden die Stapi-Kandidatinnen Ursula Wyss (SP) und Franziska Teuscher (GB).

Der Erlacherhof gehört in weibliche Hände:?Das finden die Stapi-Kandidatinnen Ursula Wyss (SP) und Franziska Teuscher (GB).

(Bild: Beat Mathys)

Am Donnerstag musste Alec von Graffenried (GFL) mit der zweiten Reihe vorliebnehmen – und das im wahrsten Sinn des Wortes. Im ­Innenhof des Stadtberner Regierungssitzes lancierten seine beiden Bündnispartnerinnen Ursula Wyss (SP) und Franziska Teuscher (GB) ihre gemeinsame Kampagne «Höchste Zeit für eine Stadtpräsidentin in Bern».

Von Graffenried, selber Stapi-Kandidat, musste zuerst einen Stuhl ­organisieren und sass dann als Zuhörer im Publikum.«Unsere gemeinsame Kampa­gne ist nicht gegen die beiden Männer auf der Rot-Grün-Mitte-Liste gerichtet», betonten Ursula Wyss und Franziska Teuscher unisono. SP und GB hätten der Bündnispartnerin GFL die Aktion zudem angekündigt.

GFL zeigt Verständnis

GFL-Präsidentin Brigitte Hilty bestätigt das. «Ich wurde darüber informiert, dass die beiden Frauen eine gemeinsame Kampagne lancieren und eine Medienorientierung stattfindet.» Aus ihrer Sicht wäre es transparenter gewesen, die drei RGM-Partner hätten vorher einmal alle gemeinsam über diese Möglichkeit diskutiert. Aber grundsätzlich findet es Hilty «nachvollziehbar und richtig, den Genderaspekt zu thematisieren». Zudem müsse es möglich sein, innerhalb von RGM eine Subkampagne zu führen.

Aus Sicht der GFL-Präsidentin wäre es durchaus denkbar, dass bei gewissen Themen nur die ­beiden grünen Kandidierenden zusammen auftreten. «In einem solchen Fall wäre ja dann die SP auch nicht dabei.» Belasten solche Aktionen nicht das RGM-Bündnis? «Nein, nicht, wenn ein vertrauensvolles Verhältnis herrscht», sagt die GFL-Präsidentin. «Es liegt in der Natur der Sache, dass in einem Wahlkampf auch jeder für seine Anliegen kämpft.»

«Eine Stapi ist logisch»

Ihr Anliegen haben die Stapi-Kandidatinnen am Donnerstag klar geäussert: «Das Stadtpräsidium war lange genug in Männerhand – nun muss es zur Chefinnensache erklärt werden», sagte Teuscher. Frauen würden nicht bessere Politik machen als Männer oder besser arbeiten.

Aber: «Politik und Wirtschaft werden besser, wenn auch Frauen etwas zu sagen haben.» Schliesslich sei auch über die Hälfte der Bevölkerung weiblich. Der zentrale Punkt sei aber nicht das Geschlecht, betonte Wyss, sondern die Eignung. Beide Frauen könnten Bern führen. «Wir sind erfahrene Gemeinderätinnen und haben bisher ­gute Arbeit geleistet.»

Der Erlacherhof war am Donnerstag fest in Frauenhand. SP-Präsidentin Edith Siegenthaler und die grüne Stadträtin Leena Schmitter präsentierten die Kampagne, die von viel Prominenz unterstützt wird. «Eine ­Stapi ist die logische Folge rot-grüner Politik», sagte Schmitter.

Die gemeinsame RGM-Wahlkampagne startet nach den Herbstferien. Mit männlicher Beteiligung.

Berner Zeitung

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