Die Stadtnomaden fahren ein

Bern

Bereits in den nächsten Tagen sollen die Stadtnomaden im Gäbelbachtal ein neues Zuhause erhalten. Die Stadt hat die Eymatt-Bewohner nicht informiert.

Die Idylle wird gestört: Im Gäbelbachtal werden ab Ende nächster Woche die Stadtnomaden wohnen.

Die Idylle wird gestört: Im Gäbelbachtal werden ab Ende nächster Woche die Stadtnomaden wohnen.

(Bild: Markus Ehinger)

Markus Ehinger@ehiBE

Die Idylle in der Eymatt am Wohlensee täuscht, die Aufregung unter den Bewohnern ist gross. Der Grund: Per Zufall haben sie am Mittwochmorgen erfahren, dass die Stadtnomaden demnächst ins beschauliche Gäbelbachtal einfahren werden – mit 60 Wohnwagen, 10 Traktoren, 24 Hunden und viel Gepäck. Die Stadt hat das entschieden – in den Augen der Eymätteler klammheimlich. Walter Langenegger, Infochef der Stadt Bern, bestätigt auf Anfrage den für die Stadtnomaden geplanten Standort für die nächsten drei Monate.

Die Anwohner ärgern sich doppelt: einerseits, dass die Stadtnomaden ihr Idyll überhaupt stören, und anderseits, dass die Stadt bis heute nicht offiziell informiert hat. «Niemand wusste von diesen Plänen. Es sieht so aus, als würde unser Quartier einfach überfallen werden. Wir sind perplex», so die Bewohner.

Bezug Ende nächster Woche

Eigentlich hätten die Stadtnomaden, die jetzt noch auf dem Schermenareal hausen, in den nächsten drei Monaten auf dem Wankdorf-City-Areal wohnen sollen. Wegen der Baustelle mit viel Lärm und Staub sei das nicht möglich, sagt Walter Langenegger.

Kurzfristig entschied man sich nun für den Alternativstandort in der Eymatt, den die Stadt schon vor mehreren Jahren als möglichen Standort für die Stadtnomaden evaluiert hatte. Das Land gehört der Stadt Bern. «Die Liegenschaftsverwaltung sieht vor, die Bevölkerung schriftlich zu orientieren», sagt Langenegger, der übrigens seit vier Wochen selber in der Eymatt wohnt und somit direkter Nachbar der Stadtnomaden wird. Anfang nächster Woche werden die Eymätteler offiziell informiert. Frühestens Ende nächster Woche werden die Stadtnomaden das idyllische Gäbelbachtal in Beschlag nehmen.

«Das ist unzumutbar»

Das Tal zwischen Eymatt und Gäbelbachüberbauung ist per Auto nur über ein kleines Strässchen erreichbar und gilt als beliebtes Naherholungsgebiet. Es sei unzumutbar, dass die Stadtnomaden nun diesen schönen Ort besetzen. «Ausserdem liegt das Gäbelbachtal in der sogenannten Schutzzone A, direkt neben einem kommunalen Naturschutzgebiet», betont Hans Stucki von der Riedligmeinschaft in der Eymatt. Laut Langenegger darf diese Zone für Fahrnisbauten bis zu drei Monate genutzt werden. Alle drei Monate ziehen die Stadtnomaden weiter. Nach dem Gäbelbachtal ist das Viererfeld wieder an der Reihe. Am 22.September stimmt Bern über den Zonenplan Riedbach ab. Die Stadt will hier eine dauerhafte «Zone für Wohnexperimente» schaffen.

Berner Zeitung

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