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Die Stadt Bern möchte eine Sozialfirma gründen

Die Stadt Bern prüft die Gründung einer Sozialfirma. Diese würde Leute anstellen, die auf dem freien Arbeitsmarkt keine Chance haben, eine Stelle zu finden. Vergleichbar ist die Projektidee mit der Arbeit in den Velostationen.

In der Stadt Bern ist eingetreten, was Fachleute prognostiziert haben: Nach der Revision der Arbeitslosenversicherung sind die Anträge auf Sozialhilfe gestiegen. 50 neue Dossiers mussten allein deswegen beim Sozialdienst der Stadt Bern seit April eröffnet werden. Da in einem Dossier jeweils auch die Familie des Antragstellers berücksichtigt ist, sind rund 100 Bernerinnen und Berner neu auf Sozialhilfe ange-wiesen.

Nun lanciert die Stadt eine Idee, mit der wenigstens ein Teil der Sozialhilfebezüger wieder zurück in den Arbeitsmarkt finden soll: Bern möchte eine Sozialfirma gründen. Felix Wolffers, Leiter des städtischen Sozialdiensts, erläuterte die Idee im Regionaljournal von Radio DRS. Auch im Stadtparlament war das Vorhaben letztes Jahr bereits thematisiert worden.

Noch liege kein Projekt vor, präzisierte Wolffers gestern auf Anfrage, aber bis im Herbst wolle die Stadt die Idee konkretisieren. Sie arbeitet dafür mit der Band-Genossenschaft in Bümpliz zusammen. Anschliessend wird das Projekt beim Kanton eingegeben. Denn für Wolffers ist klar: «Eine solche Sozialfirma kann nicht kostendeckend funktionieren und benötigt öffentliche Gelder.»

Das sah man vor einigen Jahren in Bern noch anders. Damals wurde mit der Job Start AG versucht, jugendliche Stellenlose wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Die Job Start AG sollte kostendeckend wirtschaften und ging Konkurs (siehe Kasten).

Velostationen als Vorbild

Die aktuelle Idee sei vergleichbar mit Arbeitsplätzen wie sie die Stadt Bern zum Beispiel in den drei Velostationen anbiete, erklärte Wolffers gestern. «Dort wird ein Kostendeckungsgrad von ungefähr 50 Prozent erreicht, die andere Hälfte finanziert die öffentliche Hand.» Ein solches Finanzierungsmodell wäre aus seiner Sicht auch für eine neue Sozialfirma realistisch. Diese Firma soll «nahe am Markt» Arbeitsplätze anbieten – 30 bis 50 Stellen sind zu Beginn geplant. Angestrebt wird eine Zusammenarbeit mit der Wirtschaft, keine Konkurrenzierung.

«Das Beispiel von Behindertenwerkstätten zeigt, dass solche Modelle erfolgreich sein können», sagt Wolffers. Vor allem im Dienstleistungsbereich fänden sich Nischen, in denen eine Sozialfirma wirken könnte.

Ein Sprungbrett in den Markt

Das Hauptziel einer Sozialfirma: Sie soll ein Sprungbrett sein, damit Arbeitslose wieder in den freien Stellenmarkt zurückkehren könnten. Denn: «Damit dies klappt, muss man quasi im Training sein. Wer zu lange vom Arbeitsprozess weg ist, hat kaum eine Chance, wieder eine Stelle zu finden», sagt Wolffers.

Wäre eine Sozialfirma nicht einfach ein weiteres Arbeitslosenprogramm? Wolffers verneint: Die meisten Arbeitslosenprogramme seien zeitlich befristet. «Hat sich dort jemand gut eingelebt und fühlt sich wohl, ist der Einsatz auch schon wieder vorbei.»

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