Die Sense soll wieder wie früher fliessen

Sense Die Kantone Bern und Freiburg nehmen ihren Grenzfluss unter die Lupe. In einem Konzept schlagen sie Massnahmen für Hochwasserschutz, Ökologie und touristische Aspekte vor.

Mehr Raum für Mensch und Tier, aber auch für das Wasser will das Konzept Sense21 erreichen.

Mehr Raum für Mensch und Tier, aber auch für das Wasser will das Konzept Sense21 erreichen.

(Bild: Adriana Bella)

Wie viele Flüsse in der Schweiz wurde die Sense ab Thörishaus bis zum Zusammenfluss mit der Saane bei Laupen begradigt und kanalisiert. Dabei wurde Land gewonnen, was den Bauern diente und den Bau der Sensetalbahn ­erlaubte. Das war noch vor 1900. Was damals als Fortschritt betrachtet wurde, wird heute anders beurteilt.

An einer Informationsveranstaltung in Flamatt stellten Tom Wüthrich und Jean-Claude Raemy als Vertreter der Tiefbauämter Bern und Freiburg mit Lukas Hunzinger vom Ingenieurbüro Flussbau AG das Gewässerentwicklungskonzept (GEK) Sense 21 vor. Es schlägt 47 Massnahmen und Eingriffe vor, mit denen der Hochwasserschutz, die Ökologie und nicht zuletzt die Gewinnung von Trinkwasser im Lauf der nächsten Jahrzehnte verbessert werden können.

Das GEK betrifft die Sense über eine Länge von 13 Kilometern. Vom Zusammenfluss mit dem Schwarzwasser im Sensegraben bis nach Laupen, wo der Fluss in die Saane fliesst.

Reicher Lebensraum

Vor 150 Jahren nahm der Fluss im Sensetal viel Platz ein. Weil es immer wieder zu Überschwemmungen kam, wurden beidseitig des Ufers Hochwasserdämme ­gebaut. Heute ist unklar, wie stabil diese nach über 100 Jahren noch sind und ob sie einem Hochwasser standhalten würden. Deshalb sollen die Dämme im Rahmen des GEK geprüft werden.

Das ist eine der geplanten Massnahmen. Eine weitere betrifft den Lebensraum Sense. Dieser soll nicht nur er­halten, sondern auch verbessert werden. Etwa für Tiere, die gern in Flussnähe leben, wie etwa die Wasserspitzmaus, Ringelnattern, Frösche und Unken. Der Fluss selber soll wieder freier fliessen können, Sand- und Kiesbänke sollen für mehr Dynamik sorgen.

Lukas Hunzinger betonte, dass aber auch der Mensch und dessen Aktivitäten ihren Platz behalten sollen. Dies zum Beispiel mit der Landwirtschaft zwischen Neuenegg und Laupen. Auch die beliebten Badeplätze zwischen Thörishaus und Neuenegg sollen bleiben. Dagegen soll der obere Teil vom Sensegraben bis Thörishaus mehrheitlich der Natur vorbehalten bleiben.

2 Kantone, 6 Gemeinden

Am GEK haben die Kantone Bern und Freiburg sowie die sechs Gemeinden mitgearbeitet, die an die Sense grenzen (siehe Kasten). So viele Beteiligte erschweren es, zügig voranzukommen. Einzelne Massnahmen können die Gemeinden in eigener Regie direkt umsetzen. Andere sollen in neue Richtpläne einfliessen, welche die Raumplanung steuern. «Die beiden Kantone sind bereit, die Richtplanung zusammen mit den Gemeinden schon 2016 zu beginnen», sagte Lukas Hunzinger.

Bleibt die Frage: Wer bezahlt? Da bis jetzt noch keine Kostenschätzung gemacht wurde, ist es für diese Frage noch zu früh. Das Ausarbeiten des GEK hat 600'000 Franken gekostet. Davon bezahlten die Kantone Bern und Freiburg je 100'000 Franken. Den Rest von 400'000 Franken berappte der Renaturierungsfonds des Kantons Bern.

Mehr auf: www.sense21.ch

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt