Die Rückkehr der Helden

Die Young Boys sind nach der erstmaligen Qualifikation für die Champions-League-Gruppenphase in Belp von hunderten Fans empfangen worden. Müde, aber glücklich genossen sie das Bad in der Menge.

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Simon Scheidegger@theSimon_S

Am Flughafen Bern-Belp landen gestern Flugzeu­ge aus Wien, Heraklion, Amsterdam, München, Mallorca, Berlin oder Hamburg. Doch der Flug, der am meisten interessiert, ist SX8671 aus Zagreb. Man könnte die Maschine auch in CL2018 umbenennen, denn schliesslich hat sie die Spieler an Bord, welche die Young Boys erstmals in der Vereinsgeschichte in die Champions League geschossen haben.

Am Tower des Flughafens prangt die grosse, gelb-schwarze Fahne, die nach dem Meistertitel im April schon das Berner Münster geschmückt hat. Sie haben es wieder getan, die Young Boys, sie haben «geyoungboyst» – in den letzten vier Monaten zum Synonym geworden für die ganz grossen, historischen Erfolge des BSCYB.

Um 13.39 Uhr ist es so weit. Die Skywork-Maschine setzt auf der Belper Landebahn auf – mit neun Minuten Verspätung zwar, aber diese wird den «Helden von Zagreb» verziehen. Während die Medienschaffenden eifrig die Videokameras zücken, warten in der Eingangshalle des Flughafens Hunderte Fans darauf, dass die Young Boys endlich aus der Maschine steigen.

So stiegen die YB-Helden in Belp aus dem Flugzeug aus. Video: Simon Scheidegger

Als sich die Flugzeugtür öffnet, hängt ein Skywork-Mitarbeiter als Erstes eine YB-Fahne dran. Captain Steve von Bergen steigt dann die Treppe hinunter, gefolgt von Loris Benito, Christian Fassnacht und Leonardo Bertone. Der Grösste kommt zum Schluss, und das ist an diesem Nachmittag für viele wohl nicht nur bezüglich der Körpergrösse zu verstehen. Guillaume Hoarau, der Doppeltorschütze, der die Young Boys in der heissblütigen Atmosphäre des Maksimir-Stadions innert zwei Minuten vom Erneut-an-der-Schwelle-zur-europäischen-Elite-Gescheiterten zum gefeierten Teilnehmer der Königsklasse werden liess. «Wir haben einen Traum verwirklicht», sagt der Franzose wenig später.

Seine Augen strahlen bei diesen Worten, dennoch kann er wie seine Teamkollegen nur schwer verbergen, dass aufgrund der feuchtfröhlichen Feier des Vorabends in den Stadionkatakomben und anschliessend an der Hotelbar der Schlaf etwas zu kurz gekommen sein dürfte. «Ich bin sehr glücklich – und ein bisschen müde», sagt Christian Fassnacht. Die Freude besiegt die Müdigkeit, denn Fassnacht ist in der bemerkenswerten Erfolgsgeschichte der Young Boys eine der erstaunlichsten Komponenten; innert vier Jahren ist aus einem Fussballer aus der 2.-Liga-interregional ein Champions-League-Teilnehmer geworden.

Aus einem Flughafenlautsprecher dröhnt die Champions-League-Hymne, die Airline-Mitarbeiter haben vorgesorgt und hüllen das Belpmoos ein erstes Mal in den Klangteppich des fussballeuropäischen Glanzes. Aber die Young Boys werden dieses Lied noch mindestens sechsmal hören, und es wird ihnen dabei jedes Mal bewusst werden, dass sie zu den 32 besten Teams Europas gehören. Doch welche Gegner wünschen sich die Berner überhaupt? Die Auslosung der Gruppen heute um 18 Uhr in Monaco wird die Mannschaft nach dem Training gemeinsam verfolgen.

«Das sind alles Riesenmannschaften, auf die wir treffen können», sagt Grégory Wüthrich. Doch der Innenverteidiger, ein Freund des körperbetonten Spiels, hätte nichts dagegen, wenn die Young Boys nach England reisen könnten. «Am liebsten zu Manchester United.» Lo­ris Benito würde sich aufgrund seiner Wurzeln derweil über einen spanischen Kontrahenten freuen. «Ob Barcelona oder Real Madrid, spielt absolut keine Rolle.» Leonardo Bertone wünschte sich ein Aufeinandertreffen mit Cristiano Ronaldo und Juventus, währenddem Guillaume Hoarau gerne zu seiner alten Liebe PSG nach Paris zurückkehren würde.

Die Wünsche und Träume der YB-Akteure sind vielfältig. Christian Fassnacht weiss aber auch, gegen wen er lieber nicht spielen möchte. «Donezk und Moskau kennen wir ja schon.» Deshalb hofft der 24-Jährige auf die richtig Grossen des kontinentalen Fussballs. Eine Gruppe mit Real Madrid, Dortmund und Liverpool wäre beispielsweise ganz nach dem Geschmack von Fassnacht. Doch ungeachtet dessen, was die Glücksfee entscheiden wird – eines steht für Loris Benito fest: «Wir werden es einfach geniessen.»

Der 28. August ist genauso wie der 28. April – der Tag des Meistertitels – in die Geschichtsbücher der Young Boys eingegangen. Ein glücklicher Zufall, der bei Christian Fassnacht eine Idee hervorruft. «Vielleicht sollten wir bei der Uefa einen Antrag stellen, dass wir alle Spiele an einem 28. austragen können», sagt er mit einem Augenzwinkern. Immerhin der fünfte Spieltag im November könnte auf einen 28. fallen.

Mit einem warmen Empfang wurden die Young Boys am Mittwochnachmittag am Flughafen in Belp in Empfang genommen. Video: Quentin Schlapbach

Die Kinder nahmen die YB-Stars gleich in Beschlag. Video: Simon Scheidegger

Die «Helden von Zagreb» geniessen in Belp das Bad in der Menge, nehmen sich Zeit für Selfies und Autogramme. «Es ist sehr schön, dass wir diesen Erfolg mit den Leuten teilen können», sagt Benito.

Stefan und Marc freuen sich zwar über die CL-Qualifikation von YB – vom gestrigen Spiel sind sie aber nicht überzeugt. Video: Quentin Schlapbach

Auch ihr Hund ist YB-Fan: Roger und Domi mit dem jungen Elvis. Video: Quentin Schlapbach

Als die Young Boys bereits im Mannschaftsbus verschwunden sind, fragt ein Mädchen seinen Vater auf dem Weg zur Bushaltestelle: «Ist eigentlich Zagreb ein guter Club?» Der Vater antwortet: «Ja, Weltklasse.» – «Aber warum hat dann YB gewonnen?» Der Vater lacht und sagt: «Weil YB auch Weltklasse ist.»

Berner Zeitung

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