Die Rinder nehmen das Gurtenfestival gelassen

Bern

Sie gehören zum Gurtenfestival wie die Musik: Warum die Hochlandrinder von Bauer Ruedi Balsiger den Trubel auf ihrer Wiese neben der Gurtenbahn gelassen nehmen.

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Sibylle Hartmann@sibelhartmann

Egal ob mit dem Bähnli oder zu Fuss, an ihnen kommt kein Gurtenfestivalbesucher vorbei: Die schottischen Hochlandrinder, die stets auf der Wiese in der letzten Kurve auf dem Fussweg nach oben gemütlich grasen.

Obwohl die Tiere rund um die Uhr dem Festivaltrubel ausgesetzt sind, lassen sie sich weder von den betrunkenen und johlenden Festivalgänger noch von der Beschallung auf dem Gelände beeindrucken. Im Gegenteil: «Die Rinder finden das spannend, wenn etwas läuft», sagt der Besitzer Ruedi Balsiger, der seinen Hof zwischen Bergstation und Gurtendörfli hat. Kaum beginne der Aufbau, stünden die Tiere am Zaun, um zu beobachten, was da vor sich geht. Und umgekehrt erfreuen sich die Gurtengänger ob den Rindern.

Betrunkener rannte nackt Muni nach

So soll es sogar welche geben, die Wetten abschliessen, wer sich traut, auf einem der Tiere zu reiten. Ist es diesbezüglich jemals zu einem Zwischenfall gekommen? «Einmal ist ein Betrunkener nackt einem Muni nachgerannt», erzählt Balsiger und lacht. Aber den Muni habe das nicht gross interessiert, er sei davon gerannt.

Dass auf dieser Wiese direkt am Festivalgelände nur Munis weiden, ist eine bewusste Entscheidung des Bauern. Die Jungtiere der Hochlandrinder sind wegen ihrem flauschigen Fell besonders putzig und deshalb verlockend für Wanderer, diese streicheln zu wollen. «Kälbchen anzufassen ist sehr gefährlich. Da kommt sofort die Mutter und hornt oder schmeisst einen zu Boden», sagt Balsiger.

Hochlandrinder als Markenzeichen des Hofs

Da seine Tiere bei ihm auf dem Hof in grossen Freiheit leben, seien diese Instinkte zurück gekommen. Seit 15 Jahren beherbergt Balsiger diese Rasse. Was neben der Milchkuhwirtschaft mit einem Hobby anfing, ist mittlerweile zum Markenzeichen des Familienbetriebes geworden. So werden in der umgebauten Maschinenhalle auf dem Highland-Gurten jährlich bis zu 100 Anlässe durchgeführt - mit Verköstigung ausschliesslich aus Hofprodukten.

Das Konzept sei wegen der Grösse des Saales für über 200 Personen eine Marktlücke und vorallem bei Firmen beliebt - nicht zuletzt, weil der Hof nur via Gurtenbahn und zu Fuss zu erreichen ist. «Hier kann man nicht einfach weg wie in einem Restaurant. Und die Distanz zur Stadt ist zwar nicht allzu gross, aber doch ausreichend, um abzuschalten.»

Am Eventkonzept vom Highland-Gurten ist das Festival nicht ganz unschuldig. «Ich bin mit dem Festival aufgewachsen und war jahrelang als Helfer dabei.» Dadurch habe er die Connection zur Eventbranche. Ein grosser Gurtengänger sei er aber nie gewesen. Und so bleibt es auch während des Festivals auf dem Hof eher ruhig. «Wir haben Ferienzeit, es finden keine Anlässe statt und auf der Bühne im Festsaal übernachten lediglich die Catering-Crew der Helfer und ein paar Freunde von uns.»

Berner Zeitung

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