Die «Republik» der Zukunft

Bern

Im Progr enthüllte die Crew um den Zürcher Starjournalisten Constantin Seibt am Mittwoch den Namen des digitalen Politmagazins, das ab 2018 erscheinen soll: «Republik» will leidenschaftlichen, aufklärerischen, freien Journalismus garantieren.

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Jürg Steiner@Guegi

Am 12. April 1798 rief man in der damaligen Hauptstadt Aarau die Helvetische Republik aus, die zu einem kurzen, wilden, mutigen Experiment für eine moderne Schweiz – inklusive Pressefreiheit – wurde.

Am 12. April 2017 rief man in Bern, der heutigen Bundesstadt, die «Republik» aus, ein politisches Magazin für das Digitalzeitalter. Das, so seine Initianten, dem Journalismus seine zentrale Rolle für eine freiheit­liche Gesellschaft, die von den Verlagen gerade geopfert werde, zurückgeben soll.

Himmelfahrtskommando?

Ob so viel staatstragender Mission konnten einem am Mittwoch bei der Namensenthüllung in der mit etwa 100 Interessierten gefüllten Progr-Aula schon kurz die Socken in die Schuhe hinunterrutschen.

Wollte man nicht fröhlich ein im Entstehen begriffenes Magazin feiern, das dem wankenden Geschäftsmodell der Verlage etwas völlig Neues entgegensetzt? Das sich der himmelfahrtskommandomässigen Herausforderung stellt, mit qualitativ hochstehendem Journalismus erfolgreich zu geschäften?

Genau das wollen Constantin Seibt, bis Ende 2016 Journalist beim «Tages-Anzeiger», und der gebürtige Emmentaler Christof Moser, zuvor Redaktor bei «Schweiz am Sonntag». Die beiden Hauptinitianten haben ein Projektteam aus Start-up-erprobten IT- und Businessspezialisten zusammengestellt. Seit ­Anfang 2017 hat die Crew in den «Republik»-Büros im Hotel ­Rothaus an der Zürcher Langstrasse ihren kommerziellen und intellektuellen Schlachtplan verfeinert.

Der kommerzielle Plan geht so: Am 26. April beginnt das «Republik»-Crowdfunding. Wenn sich bis Ende Mai mindestens 3000 Personen finden, die 250 Franken einzahlen, insgesamt also 750 000 Franken zusammenkommen, wird ein von Investoren zugesicherter Betrag von 3,5 Millionen Franken ausgelöst, der «Republik» für die kommenden zweieinhalb Jahre die Existenz sichert.

Scheitert das Crowdfunding, ist «Republik» schon vor der Geburt tot. Die florierende niederländische Website «Corres­pondent», eines der «Republik»-Vorbilder, hatte damit allerdings guten Erfolg.

Um mittelfristig zu überleben, braucht «Republik» 22 000 zahlende Abonnenten (Abopreis wohl gut 200 Franken im Jahr), was ambitiös ist. Die linke Wochenzeitung WOZ etwa hat deutlich unter 20 000 Abos.

Die Identität der Investoren werde vor dem Crowdfunding ­offengelegt, sagt Christof Moser. Bekannt ist bisher, dass sich die drei Söhne von Ernst Meili beteiligen, der den automatischen Brandmelder erfand und reich wurde. Es sei klar geregelt, dass die Investoren auf die Inhalte von «Republik» keinen Einfluss nehmen könnten. «Wir werden nicht einfach eine linke Weltwoche.»

Ernst und fröhlich

Womit wir beim intellektuellen Schlachtplan wären. Seibt, Moser und Co. sehen es so: Die Verlage verlegen ihr Business auf lukra­tive Verkaufsplattformen für Autos, Schuhe und Tierfutter. Die schwer finanzierbare Publizistik rückt an den Rand – und droht zum Übernahmeobjekt für Milliardäre wie Christoph Blocher (SVP) zu werden, was das Ende des freien Journalismus und einen irreparablen Schaden für die Demokratie bedeuten würde. «Mit Leidenschaft, Können und Ernsthaftigkeit» will «Republik» diesem Zerfall entgegentreten.

Natürlich gebe es in der Schweiz viele gute Journalisten, die unklaren Verlagsstrategien hinderten sie aber mitunter daran, sich zu entfalten. Die Zahl der Interessierten an «Republik» sei beträchtlich, bestätigt Moser, Anstellungsgespräche fänden aber erst ab etwa Juni statt – wenn alles gut gehe. Moser lacht. «Wir meinen es sehr ernst», sagt er, «und manchmal merkt man uns das vielleicht fast zu stark an. Aber was wir da tun, macht sehr viel Spass.»

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