Die rätselhafte Kapitalerhöhung vor dem Grounding

Die Art des Groundings von Skywork ist sonderbar. Nach einer Kapitalerhöhung ist das Unternehmen plötzlich überschuldet. Vermutlich ist es zum Eklat mit einem neuen Investor gekommen.

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Skywork hat am Freitag ein kleines Lebenszeichen ausgesendet: «Der Konkurs ist noch nicht eröffnet», heisst es in einer kurzen Mitteilung. Doch die Hoffnung schwindet sogleich wieder: Der Verwaltungsrat habe die Bilanz beim Regionalgericht Bern-Mittelland deponiert und die Konkurseröffnung beantragt. Mit dem Entscheid sei in der ­kommenden Woche zu rechnen. Dies bestätigt das Gericht.

Eine Alternative wäre gewesen, dass Skywork die Nachlassstundung beantragt. Dabei hätte die Firma für eine beschränkte Zeit Schutz vor ihren Gläubigern, und es würde versucht, das Unternehmen zu sanieren – oder es zumindest schonender als im Konkursverfahren zu liquidieren. «Zum Beispiel, indem Investoren auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten oder doch noch neues Geld einschiessen», sagt Jürgen Brönnimann, Partner bei der Berner Kanzlei Bratschi AG und Honorarprofessor an der Universität Bern.

Auf die harte Tour

Doch der Skywork-Präsident und Firmenchef Martin Inäbnit sieht dafür bei seiner Fluggesellschaft offenbar keine Möglichkeit. Denn gemäss Regionalgericht stellte Skywork keinen Antrag auf Nachlassstundung, sondern nur auf ein Konkursverfahren. Grund sei Überschuldung.

Das Gericht kann doch noch das Nachlassverfahren eröffnen, wenn es eine Sanierung als möglich erachtet. Dann geht das Unternehmen in die Nachlassstundung und erhält Zeit dazu, mit seinen Gläubigern eine Lösung zu finden oder neue Investoren zu suchen. Auch die Übertragung des Flugbetriebs auf eine Auffanggesellschaft ist denkbar – so wurde nach dem Swissair-Grounding der Flugbetrieb auf deren Tochtergesellschaft Crossair übertragen, die heutige Swiss.

In der Nachlassstundung ist das Unternehmen vor Betreibungen geschützt und kann den Betrieb vorläufig weiterführen. Voraussetzung ist allerdings, dass in dieser Zeit die Verluste nicht ­weiter anwachsen. Ein Sachwalter wacht darüber, dass das Unternehmen kein Geld missbräuchlich ausgibt oder Gläubiger bevorzugt.

Bilanz deponiert

Skywork deponierte die Bilanz nach eigenen Angaben am Mittwoch, also am letzten Tag, an dem die Flugzeuge in der Luft waren. Mehrere Personen haben dieser Zeitung und auf sozialen Medien geklagt, sie hätten noch am Mittwoch Tickets bei Skywork gekauft. Um 22.36 Uhr nach der Landung des letzten Flugzeugs aus Hamburg verschickte die ­Airline die Mitteilung, sie habe den Flugbetrieb eingestellt.

Für Rechtsanwalt Brönnimann wäre es heikel, nach dem Deponieren der Bilanz Einzahlungen entgegenzunehmen oder Zahlungen auszulösen. «Das könnte auch strafrechtlich relevant sein, müsste aber noch konkret untersucht werden», sagt er. Er rate seinen Mandanten in solchen Fällen immer: «Hände weg von Zahlungen!»

Kommt hinzu, dass sich die ­Finanzlage von Skywork laut dem Bundesamt für Zivilluftfahrt bereits Anfang Woche schlagartig verändert hat. Weil Investoren ihre Zusagen für eine Beteiligung zurückgezogen ­hätten.

Brönnimann hält der Skywork-Führung zugute, dass sie in einem solchen Fall zuerst etwas Zeit brauche, um über die Perspektiven der Firma zu befinden. Und nach dem Entscheid zum Konkursantrag müsse sie auch noch eine Zwischenbilanz erstellen, um diese beim Konkursrichter deponieren zu können.

Sonderbar ist, dass Skywork wenige Tage nach einer Kapitalerhöhung die Überschuldung anmeldet. Konkret erhöhte die ­Firma am 14. August das Aktienkapital von 13,2 auf 27,7 Millionen Franken. Das wurde am vergangenen Montag im Handelsamtsblatt publiziert.

Aus Schulden wurden Aktien

Demnach wurden Forderungen von 14,5 Millionen Franken in Eigenkapital gewandelt. Anders ausgedrückt: Skywork machte aus Schulden neue Aktien, ohne dass der Gesellschaft neues Geld zufloss. Es könnte sein, dass diese Umwandlung vertraglich abgemacht war und die betreffenden Gläubiger seinerzeit für die neuen Kredite speziell gute Zinskonditionen erhalten hatten.

Immerhin halfen die bisherigen Gläubiger so mit, die Bilanz zu sanieren. Das ist oft eine Bedingung für den Einstieg neuer Investoren.

Nach der Kapitalerhöhung von Skywork ist es anscheinend zum Eklat gekommen. Laut Skywork sind Verhandlungen mit einem möglichen Partner gescheitert. Weshalb und welche Bedingungen dieser gestellt hat, ist weiter unklar. Auskünfte sind nicht erhältlich. Wenn Skywork nun Überschuldung anmeldet, dann müssen die Aktiven der Gesellschaft verbraucht sein.

Alles deutet darauf hin, dass nach der ersten Kapitalerhöhung eine zweite geplant war, mit einem neuen Investor, um frische Mittel zu erhalten. Und dass Skywork und die bisherigen Gläubiger völlig auf dem falschen Fuss erwischt wurden, als sich der erhoffte neue Partner zurückzog. Skywork-Chef Martin Inäbnit sah sich zur Notlandung seines Unternehmens gezwungen. Wie gross der Schaden ist, wird sich nun vor Gericht zeigen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 01.09.2018, 08:02 Uhr

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Gestrandete Passagiere

Wer nach dem Skywork-Grounding im Ausland festsitzt, kann zu einem Spezialtarif mit einer anderen Fluggesellschaft nach Hause fliegen. Aktuell beteiligen sich die vier Fluggesellschaften Swiss, Easy Jet, Helvetic Airways und Germania an solchen Repatriierungsflügen mit sogenannten Rescue Fares, wie Bazl-Sprecher Urs Holderegger sagte. Swiss teilte am Freitag mit, dass die Airline zusammen mit Lufthansa, Austrian Airlines, Edelweiss und Brussels Airlines betroffenen Passagieren Flug­tickets für 50 Franken anbietet. Die Tickets sind gültig auf Flügen von und an Destinationen, die von Skywork bedient wurden; falls nötig, via einen Lufthansa-Hub. (tag/sda)

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