Die Probleme bleiben

Stephan Künzi, Ressortleiter Region Bern, über die Absage des Informationsabends zu den Fahrenden in Wileroltigen.

Stephan Künzi

Wileroltigen bleibt ein heisser Abend erspart. Und damit ein Medienecho, das nicht mehr die Fahrenden und ihren Transitplatz ins Zentrum stellt, sondern zum Thema macht, wie einander feindlich gesinnte Gruppen in welcher Art auch immer aufeinander losgehen: Der Entscheid, den Infoanlass zum geplanten Transitplatz abzusagen, ist nach den diversen verbalen Entgleisungen in den sozialen Medien mehr als verständlich.

Gelöst ist damit allerdings kein einziges Problem. Die allgemeine Emotionalität mag zwar für den Moment etwas gedämpft und die Erleichterung im Dorf entsprechend gross sein. Besonders, wenn es in den nächsten Tagen auch noch gelingen sollte, die Roma-Gruppen, die das Gelände vor zwei Monaten schon mal in Beschlag genommen haben, tatsächlich zur Abreise zu bewegen.

Doch spätestens wenn nächstes Jahr in der Sommersaison erneut Fahrende aus dem Ausland in die Schweiz einreisen, wird das ganze Hin und Her von neuem losgehen. Wieder werden auf irgendwelchen Feldern plötzlich wilde Wohnwagencamps stehen, und wieder wird die betroffene Bevölkerung mit Ängsten und Ablehnung reagieren. Nur auf einem offiziellen Transitplatz lässt sich ein Zusammenleben in einigermassen geordneten Bahnen organisieren. Dass für dessen Betrieb voll und ganz der Kanton aufkommt, versteht sich von selber.

Keine Option dagegen ist es, die Fahrenden mit einer spe­ziellen Gesetzgebung aus der Schweiz fernhalten zu wollen. In einer Zeit offener Grenzen wäre solches nichts anderes als offene Diskriminierung.

Berner Zeitung

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