Bern

Die Poller setzte die Stadt durch, beim Kreisel hat sie gespart

BernDie Stadt habe keine andere Wahl gehabt, als die vier neuen Poller in der Berner Länggasse zu bauen. Das sagt SP-Gemeinderätin Ursula Wyss. Doch der Gemeinderat hätte den Bau und die Standorte der teuren und pannenanfälligen Poller nochmals überdenken können.

Teure  neue Polleranlagen in der Länggasse: Die Wirksamkeit ist bescheiden und die Technik pannenanfällig. Für den Gemeinderat gab es trotzdem keine Alternativen: Volksentscheide seien umzusetzen.

Teure neue Polleranlagen in der Länggasse: Die Wirksamkeit ist bescheiden und die Technik pannenanfällig. Für den Gemeinderat gab es trotzdem keine Alternativen: Volksentscheide seien umzusetzen. Bild: Urs Baumann

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«Wir hatten keinen Spielraum», behauptete SP-Gemeinderätin Ursula Wyss letzte Woche im Interview mit dieser Zeitung. «Wir mussten mit dem Bau der Poller den seinerzeitigen Entscheid des Volkes umsetzen.»

Diese Begründung ist seltsam. Denn in mehreren anderen Punkten hat der Berner Gemeinderat die Beschlüsse der Volksabstimmung von 2002 auch nicht umgesetzt.

So kam die damalige Verkehrsdirektorin Regula Rytz (GB) vor drei Jahren zum Schluss, dass der Verkehr im Kreisel am Ende der Länggassstrasse flüssig unterwegs sei und die Stadt deshalb nicht wie vorgesehen eine Lichtsignalanlage bauen müsse.

Auch auf die ursprünglich vom Stimmvolk beschlossene Verbreiterung der Bremgartenstrasse zugunsten von beidseitigen Velostreifen hat die Stadt verzichtet – und zwar ziemlich gern. Denn damit hat sie viel Geld gespart.

Beim Bau der vier Polleranlagen in der Länggasse ging die heutige Verkehrsdirektorin Ursula Wyss hingegen nicht mehr über die Bücher. In diesem Fall investierte die Stadt grosszügig: Die aufwendigen Pollerbauten kosteten 560'000 Franken, deren Betrieb weitere 40000 Franken pro Jahr. Das macht auf die nächsten zehn Jahre gerechnet eine Million Franken.

Teure Fehlinvestition?

Die Polleranlagen erweisen sich nun aber gleich in zweierlei Hinsicht als Fehlinvestition: Die Feuerwehr umfährt die Poller lieber, weil das Absenken zu viel Zeit bräuchte. Und der Schleichverkehr, den die Poller unterbinden sollten, bahnt sich einfach neue Wege durch bisher ruhige Quartierstrassen und Begegnungszonen.

Ursula Wyss verteidigt den Pollerbau trotzdem: «Liegt ein Volksentscheid vor, dann habe ich den umzusetzen.» Sie geht nach wie vor davon aus, dass die neuen Poller die Quartierbewohner vor dem Durchgangsverkehr schützen und die Autos nicht bloss auf andere Quartierstrassen verteilen, wie dies die ersten Beobachtungen vermuten lassen.

«Sollten die Verkehrszählungen ergeben, dass Verbesserungen nötig sind, werden wir diese umsetzen», stellt sie in Aussicht. Auch auf die teure Lösung mit den versenkbaren Pollern würde sie im Nachhinein nicht verzichten. Sie räumt zwar ein, dass es «an einzelnen Stellen wohl durchaus sinnvoll gewesen wäre», eine billigere und weniger pannenanfällige Sperre zu errichten.

Sie sagt aber: «Ich kann nicht am Ende eines politischen Prozesses, der lange vor meiner Zeit angestossen wurde, einfach alles auf den Kopf stellen.»

Müsste man aber dereinst einen Poller ersetzen, würde der Gemeinderat prüfen, ob andere Lösungen angezeigt seien.

Das dauert unter Umständen gar nicht so lange: Die Polleranlage am Eingang zur Bümplizer Fussgängerzone ist – wie jene an der Aarberger- und an der Neuengasse ? schon nach weniger als neun Jahren veraltet. Seit Wochen funktioniert sie nicht mehr. Der Poller ist derzeit permanent versenkt, und er wird es wohl auch bleiben. (Berner Zeitung)

Erstellt: 18.11.2015, 21:46 Uhr

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