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Die Pläne für den Jugendclub müssen überarbeitet werden

Redaktor Tobias Marti zum geplanten neuen Jugendclub an der Nägeligasse, über dessen Baukredit der Stadtrat heute Donnerstag abstimmt.

Unbestritten: Die Jugend braucht in Bern einen Ort, an dem sie sein kann. Heute sind der Vorplatz der Reitschule und der Gaskessel die einzigen Plätze in der Stadt, an denen sich Jugendliche ohne Konsumzwang aufhalten können.

Der neue Jugendclub an der Nägeligasse – über den Baukredit stimmt der Stadtrat heute ab – soll Entlastung bringen. Eigentlich begrüssenswert. Aber leider sind die Pläne nicht ausgereift und müssen dringend überarbeitet werden. Je früher der Gemeinderat dies einsieht, desto schneller kann er die einstigen Räume der Sanitätspolizei zu einem Club umbauen. Und obendrein erspart er sich Ärger mit der Nachbarschaft.

Um die Anwohner im Altenberg und Rabbental zu verärgern, hat die Stadt rekordverdächtig nur ein einziges Treffen gebraucht. Lange gingen die Nachbarn davon aus, dass der Clubbetrieb lediglich im Innern stattfinden würde. Dem ist nicht so. Auf der Seite Schüttestrasse, Richtung Quartier, ist ein Aussenbereich mit Stühlen geplant.

Weil es im Innern kein Fumoir geben wird, dürfte der Andrang draussen gross werden. Auch soll an dieser Stelle der Eingang zum Club gebaut werden. Störend ist, dass die Anwohner vor vollendete Tatsachen gestellt wurden. Ein unsensibles Vorgehen der Stadt, zumal die Nachbarn gebrannte Kinder sind und sich schon jetzt von Lärm geplagt fühlen.

Aarehang und Wasser tragen den Schall hinüber. Ein Phänomen, das vor allem bei Konzerten vor der Reitschule beobachtet werden kann, und das bereits heute zu Lärmklagen führt.

Wenn die Stadt ihre Pläne so durchboxen will, wird es Widerstand geben. Im Altenberg und Rabbental wohnen viele Eigenheimbesitzer, auch Privatkliniken und Altersheime sind dort angesiedelt. Die finanziellen Ressourcen dafür, zu klagen, sind vorhanden. Der Wille auch.

Bis vor Bundesgericht würden sie gehen, kündigten Quartierbewohner bereits an. Das Projekt dürfte sich damit um Jahre verzögern. Die Stadt ist an der zu erwartenden Einsprachenflut aber selber schuld. Auf die Bedürfnisse des Quartiers ist sie noch nicht eingegangen. Das sollte sie nachholen.

Denn manche Fragen und Forderungen aus dem Quartier leuchten ein: Braucht es unten einen Aussenbereich? Der Eingang zum Club sollte an der Nägeli­gasse liegen. Oder: Warum ist keine Lärmschutzwand Richtung Quartier geplant?

Der Eindruck bleibt, dass das Projekt so nicht ausgereift ist. So haben sich etwa die Kosten mittlerweile fast verdoppelt, auf rund zwei Millionen Franken. Viel Geld für eine Menge Unklarheiten. Werden die Jugendlichen überhaupt hingehen? Wird mit dem Club der Vorplatz der Reitschule entlastet, wie dies die Politik verspricht?

Zumindest widerspricht die Trägerschaft des Clubs bereits jetzt diesem Auftrag der Politiker. Leider war von Anfang an der Wurm drin. Als die Jugend mehr Freiräume forderte und dies in den «Tanz dich frei»-Krawallen endete, wollten der damalige Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP) und Gemeinderat Reto Nause (CVP) mit der Lancierung des Clubs Druck von sich nehmen.

Ein Schnellschuss. Denn auch fast vier Jahre später gibt es die Disco noch nicht. Private Betreiber sprangen ab, die Stadt musste einspringen, die Bürokratie besorgte den Rest. Stillstand. Das ist schade für die Jugend, aber gut für den Gemeinderat, der vom Zustand profitierte: Immer wenn in Bern mehr Freiräume für die Jugend gefordert wurden, konnte er sich mit der Nägeligasse rausreden.

Zum Ende seiner Amtszeit überraschte der Stapi alle. Vielleicht sei die Nägeligasse gar nicht so geeignet, sagte er. Zu wenig Platz, und dann sei da noch die Nachbarschaft. Er lancierte eine neue Idee: Die Disco auf der Grossen Schanze wäre ein perfekter Jugendtreff.

Er hat recht. Die Grosse Schanze wäre optimal. Die Disco besteht, teure Umbauten wären nicht nötig. Auf die einzige offene Seite hin hat es keine Anwohner. Ausserdem ist die Stadt Miteigentümerin der Grosse Schanze AG. Und in jüngster Zeit kam es dort zu Mieterwechseln.

Wenn die Stadt gewollt hätte, hätte sie dort längst ihre Jugenddisco lancieren können. Sie hat diese Gelegenheit verpasst. Der Gemeinderat wurde nicht einmal vorstellig bei der Grosse Schanze AG. Weil der aktuelle Mieter nun einen mehrjährigen Vertrag hat, ist diese Alternative fürs erste passé.

Umso wichtiger ist es nun, dass die Stadt die Pläne für den Jugendclub überarbeitet und den Bedürfnissen der Anwohnern entgegenkommt. Sonst droht wieder Stillstand. Wir sind ja dran, könnten die Politiker für sich reklamieren und den Schwarzen Peter an die «bösen» Anwohner weiterreichen. Das Nachsehen hätte die Jugend.

tobias.marti@bernerzeitung.ch

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