Die Pflegeplätze sind gefährdet

Moosseedorf

Die Pflegewohnung hat eine ungewisse Zukunft. Die Domicil AG will die neun Pflegeplätze am Badweg in Moosseedorf nicht weiterführen. Hansruedi Gutknecht (SP) will die Plätze unbedingt erhalten.

Hansruedi Gutknecht kämpft für den Erhalt der Pflegewohnung am Badweg in Moosseedorf. Im Parterre befinden sich die neun Pflegeplätze.<p class='credit'>(Bild: Andreas Blatter)</p>

Hansruedi Gutknecht kämpft für den Erhalt der Pflegewohnung am Badweg in Moosseedorf. Im Parterre befinden sich die neun Pflegeplätze.

(Bild: Andreas Blatter)

Was 1997 ein Zukunftsmodell war, ist heute nicht mehr ren­tabel. So jedenfalls sieht es die Domicil AG, welche die Pflegewohnung am Badweg 5 in Moosseedorf betreibt. Die Pflegewohnung ist somit quasi die Aussenstelle des Altersheims Weiermatt in Münchenbuchsee. «Beispiele von Pflegewohnungen zeigen, dass solche Einrichtungen auch heute wirtschaftlich betrieben werden können», glaubt Hansruedi Gutknecht, der vor fast zwanzig Jahren als Leiter der ­entsprechenden Arbeitsgruppe an der Realisierung der Pflegewohnung beteiligt war. Er will für deren Erhalt kämpfen.

Die Geschichte

In den Neunzigerjahren formierte sich in Moosseedorf eine Wohnbaugenossenschaft, die am Badweg Alterswohnungen erstellte und heute vermietet. Im Parterre des Hauses Badweg 5 wurde damals eine sogenannte Pflegewohnung erstellt. Das sind Zimmer, in denen pflegebedürftige alte Leute aus den Alterswohnungen oder aus der Gemeinde einen Platz finden.

Die ersten sieben Jahre wurde die Pflegewohnung von einer selbstständigen Organisation unter der Trägerschaft des Fürsorgeverbandes Münchenbuchsee geführt. Laut Hansruedi Gutknecht ein Erfolgsmodell. «Es konnte zu dieser Zeit ein kleiner Gewinn erwirtschaftet werden», sagt er. Ihm liegt aber nicht nur des Geldes wegen viel an diesen Pflegeplätzen. Dort könnten Leute ihre Lebenszeit verbringen, die jahrzehntelang in Moosseedorf gelebt und ihre Steuern bezahlt hätten. «Wenn möglich, sollten unsere alten, pflegebedürftigen Mitbewohner nicht irgendwo auswärts gepflegt werden müssen», sagt Gutknecht.

Wende im Jahr 2014

Als 2014 das Heimleiterpaar ­pensioniert wurde, übertrug der ­Fürsorgeverband die Leitung der Pflegewohnung an die Domicil AG, die auch das Altersheim ­Weiermatt in Münchenbuchsee führt. «Und jetzt sagen die Leute der Domicil AG, unsere Pflegewohnung soll geschlossen werden, weil sie rote Zahlen schreibe», sagt Hansruedi Gutknecht.

Zwischen der Domicil AG und Gutknecht steht die Gemeinde. Denn sollten die neun Plätze ­weiterhin bestehen, verlangt die Domicil AG von Moosseedorf eine Defizitgarantie von jährlich 100 000 Franken. Ebenfalls zulasten der Gemeinde gingen die Umbaukosten von 800 000 bis 1,3 Millionen Franken. Denn die Zimmer entsprechen nicht den gegenwärtig diskutierten Normen. 14,5 Quadratmeter gross sollen die Pflegezimmer der Zukunft sein, und pro zwei Zimmer brauche es eine Nasszelle: So stellen sich die Verantwortlichen vom Kanton ein Pflegeheim vor. Beschlossen ist allerdings noch nichts, denn diese Verordnung wird noch im Grossen Rat zu reden geben.

«Der Gemeinderat Moosseedorf hat beschlossen, dass sich die Gemeinde finanziell nicht beteiligt», erklärt Gemeindepräsident Peter Bill (SVP). Zurzeit würden in Moosseedorf 26 altersgerechte Wohnungen gebaut, hier habe sich die Gemeinde mit 440 000 Franken beteiligt. Zudem entrichte Moosseedorf die Fürsorgegelder an den Verband. Peter Bill sagt aber auch, dass er sich für eine andere Lösung sicher einsetzen wird, «eine Alterswohngemeinschaft, welche in die Pflegewohnung einziehen könnte.» ­Zudem sei eine Zonenplanrevision in Arbeit, die vorsehe, im Moosbühl Bauland einzuzonen. «Allerdings ist auch das nicht so einfach, auch weil der Archäologische Dienst dort noch Ansprüche anmeldet», erklärt Bill. In dieser neuen Überbauung könnte vielleicht ein Ärztezentrum entstehen, dem Pflegebetten angegliedert werden könnten «Alles natürlich privat finanziert», so Bill.

Vertrag gekündigt

Urs Egli, Geschäftsleiter der Domicil AG im Altersheim Weiermatt, bestätigt die Absicht, die Moosseedorfer Pflegewohnung zu schliessen. «Gemäss unserer Vollkostenrechnung kann sie nicht kostendeckend geführt werden. Sie wird zurzeit durch den Betrieb Weiermatt quersubventioniert.» Eine weitere finanzielle Belastung des Altersheims Weiermatt sei zu vermeiden.

Darum werde die Domicil AG den Mietvertrag mit der Wohnbaugenossenschaft im April kündigen, «da dieser sonst automatisch um fünf Jahre verlängert würde». Momentan plant Domicil in Münchenbuchsee einen Neubau mit 93 Pflegebetten. «Wenn ab Inbetriebnahme des Neubaus Ende 2018 Dritte zur Defizitdeckung gefunden werden, so werden wir prüfen, die Pflegewohnung weiterzuführen», erklärt Urs Egli. Zwischen Kanton und der Domicil AG sei alles geklärt.

Da hat Gutknecht Einwände. «Domicil behauptet, dass in den 93 Betten unsere 9 enthalten seien. Das ist aber nicht der Fall.» Er bekommt recht. Laut Andrea Hornung, der Abteilungsleiterin Alter im Alters- und Behindertenamt der kantonalen Gesundheitsdirektion, bleiben die neun Plätze dem Standort Moosseedorf zugeteilt. Bloss sei diese Zuteilung immer daran geknüpft, dass ein Standort und eine Trägerschaft vorhanden sind.

Initiative prüfen

Es müsste also eine Übereinkunft mit Domicil abgeschlossen oder eine neue Trägerschaft gefunden werden. «Falls wir mit der Ein­zonung im Moosbühl erfolgreich sind, könnten die Pflegeplätze für Moosseedorf sistiert und später wieder aktiviert werden», hofft Gemeindepräsident Bill.

Sollten alle Varianten für den Erhalt der Pflegewohnung scheitern, spricht Gutknecht davon, zusammen mit der SP eine Gemeindeinitiative zu starten. «So könnten die Stimmbürger entscheiden, ob ihnen die Pflegewohnung etwas wert ist.»

Berner Zeitung

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