Die Parteien rückten weiter auseinander

Bern

Während die Mitte und die FDP liberaler wurden, sind die Parteien an den Polen weiter auseinandergedriftet. SP und GB rückten weiter nach links, die SVP nach rechts. Eine schwierige Entwicklung, findet Politologe Daniel Schwarz.

Grafik: db / Quelle: smartvote.ch

Grafik: db / Quelle: smartvote.ch

Ralph Heiniger

Wir schreiben das Jahr 2012. Eine Mehrheit des Grünen Bündnisses (GB) befürwortet ein härteres Vorgehen gegen Sachbeschädigungen und Vandalismus. Auch bei der SP unterstützt fast die Hälfte der Kandidierenden dieses Anliegen.

Und 2016? Keine Chance. Härtere Strafen fallen bei SP und GB klar durch. Haben sich SP und GB in den letzten vier Jahren nach links bewegt? «Es sieht so aus», sagt Daniel Schwarz, Politikwissenschaftler von Smartvote. Bei den Smartvote-Fragebögen von 2012 und 2016 sind 17 Fragen ganz oder nahezu identisch. Eine Analyse dieser Fragen zeigt, wie sich die Parteien in den letzten vier Jahren verändert haben.

Fazit: Die Polparteien SP, GB und SVP sind weiter nach aussen gerückt, während Mitteparteien und FDP teilweise deutlich liberaler wurden.

Die Analyse sei allerdings mit Vorsicht zu geniessen, warnt Daniel Schwarz. «Die Bewegungen der einzelnen Parteien wurden nur anhand der 17 gleich gebliebenen Fragen analysiert.» Diese Entwicklungen könne man also nur bedingt auf die gesamte Stadtberner Politik beziehen.

Dennoch: Die Polarisierung sei ein längerfristiges Phänomen in der gesamten Schweizer Politik, sagt Schwarz. «Wir haben es für andere Städte nicht direkt ausgewertet, doch dürfte die Entwicklung überall ähnlich sein.»

Als treibende Kraft dieser Entwicklung sieht der Politologe die SVP, die sich über die Jahre nicht nur im Verhältnis zu Links-Grün, sondern noch deutlicher von den ehemaligen bürgerlichen Partnern FDP und CVP abgegrenzt habe. Die Auswirkungen seien auch auf Gemeindeebene spürbar. Die Polarisierung erleichtere den Parlamentsbetrieb keineswegs, findet Schwarz.

Unter Mithilfe der sozialen Medien habe die Polarisierung zu mehr Rechthaberei und Unnachgiebigkeit geführt. «Mass­losigkeit wird als Standhaftigkeit missdeutet, Masshalten als Schwäche.»

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