Die orange Stadt

Ein buntes Haus in Biel erregt Aufmerksamkeit. Buntes Stimmmaterial nicht.

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Meine Heimatstadt hat es wieder einmal in die Massenmedien geschafft. Nein, der Grund ist nicht die Sozialhilfequote. Diesmal geht es um ein zweistöckiges Privathaus im Bieler Stadtteil Mett, dessen ver­witterte Fassade der Rentner Willy Zysset für 27'000 Franken orange streichen liess, worauf das Stadtplanungsamt verfügte, die gewählte Farbe sei zu leuchtend und füge sich nicht adäquat in die Umgebung ein. Der Hausbesitzer habe umzustreichen.

Zysset reichte Beschwerde ein. Die kantonale Bau-, Verkehrs- und Energie­direktion aber stützte in einem vierzehnseitigen Gutachten den Entscheid der Stadt. Jetzt werden in Biel Unterschriften für Zysset gesammelt, gegen zweitausend sollen schon zusammengekommen sein. Der Rentner zieht den Fall jetzt an das hohe bernische Ver­waltungsgericht weiter.

«Super Probleme haben wir», brummte der alte Bekannte, mit dem ich mir auf dem Sportplatz Champagne den Zweit­ligaklassiker Azzurri Biel gegen Nidau reinzog.

Am 25. September seien ja städtische Wahlen in Biel, sagte er dann. Er überlege sich, Beschwerde gegen das verschickte Wahlmaterial einzureichen. Der Zettel für die Wahl eines Stadtpräsidenten füge sich nicht adäquat in die grau-weiss-blaue Umgebung der Zettel für die übrigen Wahlen und Abstimmungen ein. Dann schoss Nidau kurz vor Schluss das 0:1, und wir vergassen die Sache.

Am nächsten Tag wählte ich einen Stadtpräsidenten, und mir fiel es wie Schuppen von den Augen. Der Zettel, auf den ich einen Namen schrieb, war leuchtend orange.

Berner Zeitung

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