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«Die Neuen können sich in ein gemachtes Bett legen»

Am Freitag­ zelebriert das Neustadt-Lab seinen Abschluss. Juerg Luedi, der die rund 100 Projekte ­koordinierte, blickt zurück und vorwärts.

Letzte Tage als Platzwart auf der Schütz: Juerg Luedi.
Letzte Tage als Platzwart auf der Schütz: Juerg Luedi.
Raphael Moser

Eine leichte Rauchwolke zieht über die Schützenmatte, es riecht nach Fleisch. Sechs Stunden lang dreht das Spanferkel über der Holzkohle seine Runden, angetrieben von einem Scheibenwischermotor. Nebenan spielen Asyl­suchende und ein Mann namens Tibet Basketball. Unter der Brücke skaten Väter und Söhne, alte Junggebliebene und Profis. Beim Tischfussballtisch spielt Ybraihm gegen Leute, die er gerade kennen gelernt hat.

So sah ein sonniger Sommertag auf der Schütz aus. Seit August läuft das Neustadt-Lab, und nächste ­Woche lässt es noch den Betrieb ausklingen. Juerg Luedi und sein Verein, dem 30 Organisationen angehängt sind, blicken auf eine sonnige 4. Ausgabe zurück, mit etwa 50 000 Besuchern und rund 100 realisierten Projekten. Für Luedi ist richtig Schluss, er und sein Verein Neustadt-Lab müssen sich von der Schützenmatte zurückziehen.

Die Stadt hat die Betreuung der ganzjährigen Zwischennutzung der Schütz für die nächsten drei Jahre dem Verein Platzkultur übergeben (wir berichteten). «Vielleicht ­haben wir beim Einreichen konzeptionelle Fehler gemacht. Fakt ist, dass ­alles, was wir erreicht haben, nicht berücksichtigt wurde», sagt Luedi mit Bedauern. Man ­habe viel aufgebaut, sich gut vernetzt, und die Neuen könnten sich in ein gemachtes Bett legen, sagt Luedi.

Zum vierten Mal war er als Platzwart daran beteiligt, die Schützenmatte als partizipatives Kunst- und Kulturprojekt zu verwandeln. Seine Lieblingsausgabe? «Die allererste, weil wir nicht wussten, was dabei rauskommen kann.» Sein liebstes Erlebnis? «Das Abschlussfest 2015, weil ich eine kollektive ­Euphorie spürte. Niemand kannte sich, aber es fühlte sich an wie Flower-Power.»

Was geht und was bleibt

Am Donnerstag bewilligte der Stadtrat den Kredit von 450 000 Franken für die nächsten drei Jahre. Einige der bestehenden Projekte werden wohl vom Verein Platzkultur übernommen, abgebaut würden hingegen der Infoturm, das Kiesfeld, die Landzunge mit dem Rasen und die Bühne, so Luedi. «Mir gefällt die diesjährige Gestaltung, weil es nicht wie ein Festival, sondern wie ein Kunstprojekt aussieht», schwärmt er.

Das Sammelsurium habe viele angezogen, auch ältere Interessierte. Ordnung solle die Zwischennutzung auf die Schütz bringen, sagte Stadtpräsident Alec von Graffenried kürzlich. Dem widerspricht Luedi: «Die Ordnung eines Freiraums sollte eine kreative sein.»

Freier Kopf, letztes Fest

Juerg Luedi studierte Kunst in Genf und erwarb einen Master in Kunst im öffentlichen Raum in Luzern. «Ich brauche ein Pilotprojekt, damit meine Leidenschaft entfacht wird», sagt der Künstler. Nicht nur auf der Schütz wirkte er mit, auch in der Alten Feuerwehr Viktoria ist er ein Teil des Vereins.

Seine Enttäuschung, dass er die Zwischennutzung nicht weiterführen darf, spürt man: «Ich habe alles andere auf Eis gelegt, um hier wirken zu können», sagt er. Mit einem anderen Projekt gehe es erst weiter, wenn sein Kopf ­wieder frei sei. Doch zuerst wird noch einmal gefeiert.

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