Die Migros Aare lässt es nicht mehr krachen

Nach dem trockenen Sommer mit Feuerverbot hat die Migros Aare entschieden, in Zukunft kein Feuerwerk mehr zu verkaufen. Derweil rechnet Wilfred «Knallfred» Burri für die Neujahrsfeiern mit einen leicht höheren Absatz.

Wilfred «Knallfred» Burri will nach dem «Desaster» im Sommer mit seinem Feuerwerk durchstarten, mit einer Mitbewerberin weniger.

Wilfred «Knallfred» Burri will nach dem «Desaster» im Sommer mit seinem Feuerwerk durchstarten, mit einer Mitbewerberin weniger.

(Bild: Christian Pfander)

Hans Ulrich Schaad

Das Feuerwerk am 1. August flog nicht in die Luft, sondern wurde von der Kundschaft mehrheitlich in die Verkaufsstellen zurückgebracht. Wegen der Trockenheit und der Hitze erliessen die Behörden in vielen Regionen ein absolutes Feuerverbot.

Nun steht der nächste wichtige Termin für die Freunde und Verkäufer des Feuerwerks vor der Tür: der Jahreswechsel. Und am Montag steht einem Feuerzauber am Nachthimmel nichts mehr im Weg. Die Böden sind feucht, und der angekündigte Nebel ist so hoch, dass er die Sicht nicht beeinträchtigen sollte.

Nachholbedarf bei Kunden

Deshalb hofft Wilfred «Knallfred» Burri auf ein gutes Geschäft. Der Verkauf im Laden an der Monbijoustrasse und im Container auf dem Waisenhausplatz hat in den letzten Tagen begonnen. Der Feuerwerksexperte aus Bern ist zuversichtlich, auch wenn er noch keine Zahlen nennen kann: Die Leute haben etwas Nachholbedarf.

«Ich höre von Kunden, dass sie tendenziell etwas mehr Geld für Feuerwerk ausgeben, weil der 1. August ausgefallen ist.» Bereits abgeschlossen sind die Vorbereitungen für die professionellen Feuerwerke, die Burri für Hotels, Verkehrs­vereine oder Gemeinden organisiert. Auch hier ist er mit der Nachfrage zufrieden.

Nach dem «Desaster»

Das ist Balsam für Burri. Er spricht von einem «Desaster», wenn er auf den diesjährigen Nationalfeiertag zurückblickt. Wegen der Trockenheit und des Feuerverbots erzielte er kaum Umsatz. «Das muss ich akzeptieren und versuchen, das Beste daraus zu machen», sagt Burri. Für ihn sind Verbote finanziell einschneidender als für Grossverteiler. Dennoch führt er in diesen Tagen keine speziellen Angebote, um den Verkauf anzukurbeln, denn: «Die Leute kommen zu mir wegen der Qualität und nicht wegen des Preises.»

Eine Mitbewerberin hat Knallfred weniger. Denn wer es in der Silvesternacht krachen lassen will, kann Raketen und Vulkane im Kanton Bern nicht mehr in der Migros beziehen. Die Geschäftsleitung der Genossenschaft Migros Aare habe im Herbst entschieden, in Zukunft kein Feuerwerk mehr zu verkaufen, schreibt die Medienstelle auf Anfrage. Die Klimaentwicklung deute darauf, dass öfter mit heissen und trockenen Sommermonaten wie 2018 zu rechnen sei.

Wilfried «Knallfred» Burri erklärte diesen Sommer, was man beim Zünden von Feuerwerk unbedingt beachten sollte.

Der Umwelt zuliebe

«Wir gehen davon aus, dass es vermehrt zu Feuerwerksverboten kommen wird», erklärt Sprecherin Andrea Bauer. Diesen greife die Migros mit ihrem Entscheid vor. Zudem sei der Aufwand gross. Es brauche spezielle Container und Personal. Nicht jede Filiale eigne sich. Die Geschäftsleitung habe den Beschluss auch aus Rücksicht auf die Umwelt gefasst.

Beim Migros-Genossenschaftsbund in Zürich seien derzeit keine Bestrebungen bekannt, auf nationaler Ebene auf den Verkauf von Feuerwerk zu verzichten, erklärt die Medien­stelle. Eine nicht vollständige Umfrage bei anderen Genossenschaften habe ergeben, dass keine ähnlichen Pläne wie bei der Migros Aare bestünden.

Dass die Migros Aare auf den Verkauf von Feuerwerk verzichtet, ist für Wilfred Burri nachvollziehbar. Der Aufwand für ein paar Tage im Jahr sei unverhältnismässig im Vergleich zu einem Fachgeschäft, das sich jahraus, jahrein mit der Materie befasse. Knallfred kann sich vorstellen, dass noch weitere Grossverteiler dem Beispiel der Migros Aare folgen werden.

Beliebte Vulkane

Mit Coop hat ein anderer Grosser den Verkauf von Feuerwerk gestartet. Am beliebtesten seien Vulkane, schreibt die Medienstelle von Coop. Aber auch die klassischen Raketen und vermehrt Feuerwerksbatterien seien gefragte Artikel.

Der Grossverteiler wirbt in der Stadt damit, dass Feuerwerk mit Superpunkten bezahlt werden kann. Coop wolle den Kunden möglichst «viele attraktive Gelegenheiten» bieten, ihre Punkte einzulösen.

Zurück an den Lieferanten

Verkauft Knallfred nun jenes Feuerwerk, das im Sommer liegen geblieben ist? Im Prinzip wäre dies möglich, sagt der Fachmann. Bei trockenen Bedingungen könnten die Produkte ein paar Jahre lang gelagert werden. Auch von den Artikeln her gelangen etwa die gleichen Produkte in den Verkauf. Einzig bei den Farben gebe es Nuancen.

Im Sommer seien eher goldfarbige Effekte gefragt, im Winter silberne. Doch Wilfred Burri hat seine nicht verkaufte Ware im August an den langjährigen Lieferanten zurückgegeben, die Bugano AG aus Neudorf LU. Für ihn allein lohne sich ein grosses Lager nicht, ergänzt Knallfred. Auch Coop und Migros führen übrigens keine eigenen Depots für Feuerwerk.

Berner Zeitung

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