Die Meister im Jäten und im Melken

Uettligen

Auf dem Biohof Schüpfenried fand eine Meisterschaft der besonderen Art statt. Bio Suisse veranstaltete eine Aktion mit Wettjäten und Kuhmelken. Gegen 160 Personen liessen sich das Spektakel nicht entgehen.

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Das Wetter ist ideal zum Jäten am Sonntag auf dem Biohof Schüpfenried. Und in der Tat, auf dem Rüeblifeld stehen nicht nur die Karotten in Reih und Glied. Schön aufgereiht warten auch Menschen auf ihren Einsatz: Dem Unkraut soll der Garaus ­gemacht werden. Gesprochen wird vorwiegend Rumänisch.

Bis dann plötzlich der Ruf «Drei, zwei, eins» ertönt. Damit wird klar, dass hier nicht Angestellte von Fritz Sahli, dem Betreiber des Biohofs, am Werk sind. Vielmehr messen sich Städter, Landwirte und Hilfsarbeiter im lockeren Wettkampf.

«Hey, Chef, wie viel hast du», ruft ein Mann und wirft einen schrägen Blick in den Plastiksack von Stefan Brunner, dem Leiter des Eichhofs von Spins. Dann ­lächelt er verschmitzt. Sein Chef wird heute nicht gewinnen. Brunner nimmt es gelassen, schliesslich ist er nicht nur wegen des Jätens nach Uettligen ge­kommen. Hier soll der Schweiz gezeigt werden, wie wichtig Handarbeit für Biobauern ist.

Viel Handarbeit

Es ist das dritte Mal, dass der Dachverband Bio Suisse zu einem Wettkampf mit gemütlichem Drumherum eingeladen hat. ­Natürlich könne man es als Gratisarbeit betrachten, sagt Flavia Müller, Projektleiterin Marketing von Bio Suisse. Doch es solle weit mehr als das sein, fügt sie an. «Wir wollen insbesondere den Städtern einen abwechslungs­reichen Erlebnistag auf einem Biohof bieten, ihnen aufzeigen, wie wichtig die Handarbeit auf einem Knospe-Betrieb ist.»

Der Hof der Familie Sahli gilt als Vorzeigeobjekt. In Zusammenarbeit mit einer Berner ­Bäckerei, einer therapeutischen Wohn- und Arbeitsgemeinschaft sowie einem Landschaftsgärtner wird hier ein moderner Bauernhof betrieben, samt Laden und Seminarraum. Es ist diese Vielfalt, welche die Besucher am Sonntag beeindruckt. Die Kinder bestaunen die Muttersau mit ihren Jungen, Einkaufswillige greifen zu, andere probieren die essbaren Blumen auf dem Kartoffelsalat. Dazu spielt die Berner Band Kummerbuben auf.

Vom Rahmenprogramm noch unbeeindruckt zeigt sich die ­rumänische Wettkampfgruppe. Sie zieht weiter zu den nächsten Parcoursposten, schiebt Heuballen über Paletten und neben Pfosten vorbei, balanciert auf einem Seil zwischen den Apfelbäumen, rätselt über Namen und den Nutzen von Pflanzen. Bis Konkurrenz aus der Stadt naht. Dushanti Ramesh, die Frau aus Ittigen mit asiatischen Wurzeln, stellt sich einem Wettmelken.

Was oben in die Plastikkuh hineinfliesst, presst sie unten bei den künstlichen Eutern wieder heraus. Die 36-jährige Büroangestellte brilliert: Ein starker Wasserstrahl spritzt in das Becken. Anstrengend sei das, und es fordere ihre Muskeln heraus, meint sie. Aber so mache ein Rundgang über einen Bauernhof doppelt Spass, ergänzen ihre Kinder.

Gegen Abend zeigt sich, dass die Rumänen im Einzel obenaus schwangen. Bei den Gruppen mussten sie sich mit Rang drei begnügen. 20 Einzelkämpfer und 30 Gruppen haben teilgenommen. 160 Per­sonen haben am Sonntag den Biohof besucht.

Berner Zeitung

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