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Die malerischen Kirchen sind immer noch beliebt für Trauungen

Im Mai beginnt die Hochzeitssaison. Bei den Brautpaaren besonders beliebt sind idyllische Kirchen wie Wahlern, Ligerz oder Würzbrunnen. Früher fanden hier bis zu sechs Trauungen an einem Samstag statt.

37 Jahre nach der Hochzeit kehren Therese und Otto Henzer zur Kirche Wahlern zurück. Genau hier schritten sie damals durch das Spalier ihrer Vereinskolleginnen und -kollegen.
37 Jahre nach der Hochzeit kehren Therese und Otto Henzer zur Kirche Wahlern zurück. Genau hier schritten sie damals durch das Spalier ihrer Vereinskolleginnen und -kollegen.
Raphael Moser
Therese und Otto Henzer: Der entscheidende Hinweis kam von der Mutter. «Heiratet doch in der Kirche Wahlern, so wie dein Vater und ich», sagte sie. Therese Henzer erzählte es ihrem Bräutigam, der war einverstanden. Man rief bei der Kirchgemeinde an, und tatsächlich war noch ein Termin frei. So traten Therese und Otto Henzer am 27.?September 1980 vor den Traualtar. Gleichentags gaben sich in Wahlern noch drei weitere Paare das Ja-Wort.Heute ist Therese Henzer  60-jährig, ihr Mann wird 65. Sie führen in Kriechenwil einen Bauernhof, den sie bald dem Sohn übergeben. Insgesamt vier Kinder und sechs Grosskinder haben sie. Die Familie fuhr oft hinauf zur Kirche Wahlern, zum Friedhof, wo Therese Henzers Grosseltern und andere Bekannte beerdigt sind. Der jüngsten Tochter von Henzers, die heute 30-jährig ist, gefiel die Kirche oben auf dem Hügel ganz besonders. Als sie und ihr heutiger Mann beschlossen, zu heiraten, war bald klar, wo die Trauung stattfinden soll.Die Tochter hat 2009 in der Kirche Wahlern geheiratet. Wie 29 Jahre zuvor ihre Eltern und 57 Jahre zuvor die Grosseltern.
Therese und Otto Henzer: Der entscheidende Hinweis kam von der Mutter. «Heiratet doch in der Kirche Wahlern, so wie dein Vater und ich», sagte sie. Therese Henzer erzählte es ihrem Bräutigam, der war einverstanden. Man rief bei der Kirchgemeinde an, und tatsächlich war noch ein Termin frei. So traten Therese und Otto Henzer am 27.?September 1980 vor den Traualtar. Gleichentags gaben sich in Wahlern noch drei weitere Paare das Ja-Wort.Heute ist Therese Henzer 60-jährig, ihr Mann wird 65. Sie führen in Kriechenwil einen Bauernhof, den sie bald dem Sohn übergeben. Insgesamt vier Kinder und sechs Grosskinder haben sie. Die Familie fuhr oft hinauf zur Kirche Wahlern, zum Friedhof, wo Therese Henzers Grosseltern und andere Bekannte beerdigt sind. Der jüngsten Tochter von Henzers, die heute 30-jährig ist, gefiel die Kirche oben auf dem Hügel ganz besonders. Als sie und ihr heutiger Mann beschlossen, zu heiraten, war bald klar, wo die Trauung stattfinden soll.Die Tochter hat 2009 in der Kirche Wahlern geheiratet. Wie 29 Jahre zuvor ihre Eltern und 57 Jahre zuvor die Grosseltern.
zvg
Inmitten der Rebberge: Die Kirche Ligerz.
Inmitten der Rebberge: Die Kirche Ligerz.
Urs Baumann
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Vor 37 Jahren standen Therese und Otto Henzer auch schon hier. Sie im klassischen weissen Hochzeitskleid mit Schleier, in der Hand einen bunten Blumenstrauss. Er im Anzug: hellgraues Hemd, gestreifte Krawatte, beige Hose und dunkelbraunes Jackett. Die beiden schmunzeln, wenn sie die Fotos von damals anschauen. «Jesses, ist das lange her!», sagt sie. «Als wir in die Kirche hineingingen, war es regnerisch», erzählt er.

«Als wir herauskamen, schien die Sonne. Wir waren also offenbar brav gewesen.»Für den Zeitungsfotografen sind Therese und Otto Henzer an den Ort zurückgekehrt, an dem sie 1980 Ja zueinander gesagt hatten. Zur Kirche Wahlern. Beim Seitenausgang bleiben die beiden stehen. «Hier war das Spalier», sagt Therese Henzer. Die Kolleginnen vom Turnverein Niederscherli und die Kollegen vom Eishockeyklub Kriechenwil hatten sich aufgestellt. Die Hockeyler gaben mit Knallfixpistolen ein paar Freudenschüsse in die Luft ab. «Uiuiui, das hat dem damaligen Sigristen gar nicht gepasst», erzählt sie. «Jänu. Uns hat es jedenfalls gefallen», sagt er.

Die Lage als Plus

Wahlern gehört zu den beliebtesten Hochzeitskirchen im Kanton Bern, zusammen mit Ligerz, Würzbrunnen, Spiez, Amsoldingen und anderen. Ihnen allen gemeinsam ist die Postkartenidylle. In Wahlern, auf dem Hügel nordöstlich von Schwarzenburg, reicht die Aussicht an schönen Tagen von den Alpen über den Gantrisch bis zum Chasseral.

«Ausser aus Genf hatten wir schon Brautpaare aus allen Kantonen.»

Madlen LangeneggerWürzbrunnenkirche

Rund um die Kirche blühen Bäume, es hat einen grossen Rasen und diverse Sitzbänke. «Diese Lage und die Ruhe hier – das gefällt vielen Paaren», sagt Mirjam Zurbrügg. Seit 20 Jahren ist die Schwarzenburgerin als Fotografin tätig. Wie viele Hochzeiten sie bereits in Wahlern fotografiert hat, weiss sie nicht genau. 20 bis 30 waren es aber bestimmt.

Laut der Kirchgemeinde finden in Wahlern pro Saison – also zwischen Mai und September – 15 bis 25 Hochzeiten statt. Das ist im Schnitt mehr als eine Hochzeit pro Samstag. Viele Paare kommen von auswärts. Sie bringen den eigenen Pfarrer mit, zahlen 230 Franken als Pauschale für den Blumenschmuck plus 500 Franken für Sigristen- und Organistendienste.

Um die Jahrtausendwende heirateten pro Saison gegen 40 Paare in Wahlern. Früher waren es sogar noch mehr. Die eine Hochzeitsgesellschaft verliess die Kirche durch den Seiteneingang, während die nächste durch den Haupteingang hereinkam: Das war an den Samstagen im Frühling an der Tagesordnung.

1000 Jahre alt

Andreas Zeller kennt die beliebten Heiratskirchen im Bernbiet bestens. In allen hat er bereits Paare getraut. Heute ist er Synodalratspräsident der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn, zuvor war er Pfarrer in Flamatt und Münsingen. Den Konfirmanden pflegte er zu sagen: «Wenn ihr mal einen Pfarrer zum Heiraten braucht – ich komme gern.» 254 Paare hat Zeller bisher getraut; die Fotos, Einladungs- und Dankeskarten füllen ein Dutzend Fotoalben. «Viele Paare heiraten heute nicht mehr kirchlich. Doch die, die sich dazu entschliessen, wählen die Kirche ganz bewusst aus», sagt er.

Für zahlreiche Paare ist Würzbrunnen, das 1000-jährige Kirchlein im Emmental, erste Wahl. «Ausser aus Genf hatten wir schon Brautpaare aus allen Kantonen», sagt Madlen Langenegger, welche die Reservationen koordiniert. Bekannt wurde die Kirche dank den schwarzweissen Gotthelf-Verfilmungen: In Würzbrunnen heiratete Uli der Knecht sein Vreneli. Anne Bäbi Jowäger ging hier ein und aus. Und der Pfarrer aus der «Käserei in der Vehfreude» predigte so langfädig, dass der junge Felix einschlief und im Traum schmachtete: «Änneli, gib mer es Müntschi!»

Obergrenze: Drei pro Tag

Ja, sagt Madlen Langenegger, die Gotthelf-Filme sowie die idyllische Lage seien die Hauptgründe für die Beliebtheit der Würzbrunnenkirche. Einst fanden hier locker hundert Trauungen pro Saison statt – bis zu sechs an einem Samstag, jede Stunde eine. Das war nicht in jedem Fall angenehm. Pfarrer Andreas Zeller erinnert sich noch gut, wie es im Kirchlein einmal ziemlich laut wurde.

«Viele heiraten heute nicht mehr kirchlich. Doch die, die sich dazu entschliessen, ­wählen die Kirche ganz bewusst aus.»

Andreas ZellerSynodalratspräsiden

«Wir waren mitten in der Trauung, als auf der Matte neben der Kirche der Helikopter mit dem nächsten Brautpaar landete.» Das eigene Wort habe man nicht mehr verstanden. Weil sich die Hochzeitsgesellschaften immer mehr in die Quere kamen und vor allem die Parkplatzsituation immer prekärer wurde, sind in Würzbrunnen heute noch maximal drei Hochzeiten pro Samstag möglich. Das mache Sinn, wie Andreas Zeller sagt. «Eine Trauung ist ein feierlicher Akt, ein Moment, in dem man innehalten können soll.»

Kirchensuche im Internet

Heute finden in Würzbrunnen pro Saison noch gut dreissig Trauungen statt. Etwa gleich viele sind es in der Kirche Ligerz. Auf unzähligen Hochzeitsratgeberseiten im Internet ist sie als Tipp aufgeführt. Die Paare schauen sich die Fotos an, kommen die Kirche persönlich besichtigen – «und viele sind sich sofort einig: Hier wollen wir heiraten», erzählt Kirchgemeindepräsident Hans Jürg Ritter. Denn die Kirche ist traumhaft gelegen, inmitten der Rebberge hoch über dem Bielersee. Zudem bietet sie auch für grössere Hochzeitsgesellschaften genügend Platz.

Die Gesellschaft von Therese und Otto Henzer hatte damals., vor 37 Jahren, in einem Reisecar Platz. Die beiden überlegen, auf welcher Route der Car zum Apéro fuhr. Die Frau hat es so in Erinnerung, der Mann andersrum. «Wir sind uns halt nicht immer einig, haben Hochs und Tiefs erlebt», sagt Therese Henzer. Aber wenn sie nochmals die Wahl hätte: Sie würde wieder in der Kirche Wah­lern heiraten – und wieder den gleichen Mann. «Oder was meinst du?», fragt sie. «Momou», antwortet Otto Henzer schmunzelnd, «auch ich würde wieder Ja sagen.»

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