Die letzten Tage von Skywork

Vor den Medien legte Airlinechef Martin Inäbnit am Freitag eine Chronologie der letzten Tage, Wochen und Monate vor. Mehrere Interessenten verzichteten auf ein Engagement. Am Ende zog sich die Schlinge immer mehr zu.

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Es ist 12.45 Uhr. Eine Viertelstunde vor Beginn der Medienkon­ferenz betritt Martin Inäbnit den Raum «London» im Restaurant Piste Süd. Der Skywork-Chef, blauer Anzug, weisses Hemd, stopft sich eine Manner-Napolitanerwaffel in den Mund. Ein Werbegeschenk von Skywork. «Wir wissen nicht,ob die auch zur Konkursmasse gehören», witzelt er. «Aber wir essen sie jetzt.» Davon könne einem zwar schlecht werden. «Aber es ist Zucker.» Den braucht er jetzt. Ihm steht ein Interviewmarathon bevor.

Die Medienkonferenz beginnt. «Darf ich den Kittel ausziehen», fragt Inäbnit und tut es. Heute wolle er ein paar Dinge richtigstellen, Halbwahrheiten korrigieren. «Mit einer gewissen Distanz lassen sich Fakten und Informationen vielleicht besser gewichten», sagt er. Das Herzstück seines Auftritts ist eine Chronologie der Ereignisse. Er legt eine «Zeitschiene» vor, die beim Dreitagegrounding im Oktober 2017 beginnt.

Nach dieser Rettung will Inäbnit das Projekt SX-GO vorantreiben, das die Expansion der Airline in Bern und an anderen Flughäfen zum Ziel hat. Denn Skywork, das betonte Inäbnit stets, sei zu klein, um dauerhaft zu existieren. Im Sommer laufen Gespräche mit drei möglichen Investorengruppen.

Im August intensivieren sich die Gespräche mit der deutschen Logistikgruppe Zeitfracht. «Eine mögliche Übernahme von Skywork wird an­gesprochen.» Am 7. August findet in Belp ein Meeting mit Zeitfracht statt. «Im Fall einer Übernahme durch Zeitfracht hat Skywork eine Zusage für eine Zwischenfinanzierungvon dritter Seite.»

Am 16. August informiert In­äbnit das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) über die «zukünftige Finanzierung von Skywork», über die Verhandlungen mit den Investoren und mit Zeitfracht. Am 20. August fliegt Inäbnit nach Berlin zu einem Meeting mit Zeitfracht. Der Plan für eine Übernahme von Skywork wird erarbeitet. Eine Woche vergeht. Dann kommt der Montag, 27. August. Um 7.53 Uhr erhält Inäbnit die Nachricht: Zeitfracht steigt doch nicht bei Skywork ein.

Am Dienstagmorgen tele­foniert Inäbnit nochmals mit einem Investor und führt «ein abschliessendes Gespräch» mit Zeitfracht. Dann informiert Skywork das Bazl telefonisch über eine mögliche Betriebseinstellung. Um 15 Uhr trommelt Inäbnit die Abteilungs­leiter zusammen und übergibt ihnen die gleiche Botschaft.

Dann kommt der Mittwoch, 29. August. In einem letzten Gespräch wird eine Zwischen­finanzierung als «Tod in Raten» verworfen. Um 13.41 Uhr landet die Mannschaft von YB mit einer Skywork-Maschine in Belp, die Champions-League-Qualifikation wird gefeiert.

Da ist das Aus von Skywork bereits besiegelt. Denn um 12.37 Uhr hat Inäbnit ans Bazl gemailt, dass Skywork die Bilanz deponieren und die Betriebsbewilligung per 23.59 Uhr zurückgeben werde: «Der heutige Flugbetrieb wird bis zur letzten Abendmaschine in Bern durchgeführt. Das Personal wird in seiner Gesamtheit nach dem Eintreffen der letzten Maschine in Bern schriftlich in­formiert. Zeitgleich werdendas Aktionariat und die Presse informiert.»

Abends um 16.45 Uhr betritt Martin Inäbnit das Regional­gericht Bern-Mittelland an der Berner Effingerstrasse. Er hat einen Brief dabei. Darin steht, dass Skywork überschuldet sei. Der Brief wird abgestempelt, dann steht Inäbnit auch schon wieder draussen. Um 22.20 Uhr landet die letzte Maschine in Belp, sie kommt aus Hamburg.

Dies die Chronologie der Ereignisse. «Die Skywork-Airline ist leider Geschichte», sagt Inäbnit. Er spricht noch eine Weile weiter, beantwortet Fragen, dann gibt er Interviews. Die Manner-Waffeln bleiben auf dem Tisch liegen. Darauf steht: «Skywork – eine süsse Ver­suchung.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 14.09.2018, 21:52 Uhr

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