Die Leitung bleibt wohl in der Luft

Die Starkstromleitung Wattenwil–Mühleberg soll zwar nicht ausgebaut werden. Die Gegner bleiben aber skeptisch – denn die BKW wird die Leitung sanieren. Eine Erdverlegung ist praktisch vom Tisch.

Strommast im Garten: An der Neueneggstrasse in Niederwangen verläuft die Starkstromleitung in unmittelbarer Nähe zum Siedlungsgebiet.

Strommast im Garten: An der Neueneggstrasse in Niederwangen verläuft die Starkstromleitung in unmittelbarer Nähe zum Siedlungsgebiet.

(Bild: Urs Baumann)

Lucia Probst

Für die Gegner ist die Sache nicht erledigt. Jahrelang haben sie bis vor Bundesgericht für eine Erdverlegung der Starkstromleitung Wattenwil–Mühleberg gekämpft. Im Mai gab die nationale Stromnetzbetreiberin Swissgrid bekannt, dass sie die Leitung gar nicht mehr verstärken will.

Das freut die Kritiker zwar, doch sie trauen der Sache nicht. Denn die 132 Kilovolt-Hochspannungsleitung Wattenwil–Mühleberg wurde 1942 erbaut und muss saniert werden.

Mit dem Nein der Swissgrid zum Ausbau auf 220 Kilovolt bleibt sie bei der BKW. Sie ist nicht von nationaler Bedeutung, für die Versorgung im BKW-Gebiet aber wichtig, wie diese betont. Die Abklärungen für eine Sanierung laufen. Das bestätigt Sprecherin Murielle Clerc: «Ingenieure prüfen bis Ende Jahr den Zustand der Leitung Meter um Meter.»

«Nichts gewonnen»

«Wenn die BKW die Leitung saniert, wird sie diese auch aufrüsten», ist Hansueli Jakob, technischer Berater der 450 Mitglieder zählenden Interessengemeinschaft (IG) für eine umweltfreundliche Hochspannungsleitung, überzeugt. Zum Beispiel, indem sie dickere Seile montiere, damit mehr Strom fliessen könne.

Die alte Leitung muss zudem nicht den heute gültigen Strahlengrenzwert einhalten. Jakob fürchtet, das würde auch bei einer Sanierung so bleiben. «Wir von der IG sind nicht per se gegen eine stärkere Leitung», sagt er. Doch seine Idealvorstellung wäre, für die Leitung ein anderes Trassee zu finden. Und vor allem: Sie in den Boden zu verlegen.

Auch die Gemeinde Köniz hat sich gegen den Ausbau in der Luft gewehrt. Rund ein Viertel der 32 Kilometer langen Leitung führt über deren Terrain. «Die Erdverlegung ist mir ein grosses Anliegen, doch nun dürfte sie kaum mehr ein Thema sein», befürchtet Gemeinderätin Katrin Sedlmayer (SP).

Man habe durch den jahrelangen Kampf nichts gewonnen. «Jetzt steht die alte Leitung, und was die BKW genau damit vorhat, wissen wir nicht.» Ihr liegt bis jetzt nur ein Schreiben von Ende April vor, indem die BKW festhält, sie werde über ihre Pläne informieren. «Ich möchte nicht nur informiert, sondern involviert sein», sagt Sedlmayer. Menschen, Landschaft und die Ortsbilder sollten künftig weniger beeinträchtigt sein, findet sie.

Weiter mit heutiger Leitung

Wie das Sanierungsprojekt aussehen wird, ist laut Murielle Clerc noch offen. «Wir prüfen unterschiedliche Sanierungsvarianten bis zu einem Eins-zu-eins-Ersatz einzelner Teile.» Dabei zeichne sich bereits ab, dass sich die heutige Leitung mit Instandhaltungsmassnahmen weiter betreiben lasse. Ist dies der Fall, heisst das auch: Sie würde nicht in die Erde verlegt.

Auch Hansueli Jakobs Befürchtung in Bezug auf die Strahlengrenzwerte dürfte sich bewahrheiten: Bei einer solchen Sanierung wären für die BKW weiterhin die älteren, höheren Grenzwerte verpflichtend und nicht jene, die seit 2000 für Neubauten gelten. Wirklich konkretisieren soll sich das Sanierungsprojekt ab 2016. Normalerweise würden Sanierungsvorhaben dieser Grössenordnung innert zwei bis drei Jahren umgesetzt, heisst es seitens der BKW.

Was Clerc schon jetzt betont: Die BKW plane in keiner Art und Weise, die Leitung Wattenwil–Mühleberg auszubauen. Zu Sedlmayers Wunsch, ins Projekt involviert zu sein, sagt sie, man werde darauf achten, «Direktbetroffene und relevante Interessenvertreter über die zuständigen Behörden einzubeziehen» und sei «offen für den Dialog».

Als Lobbyist ins Bundeshaus

Skeptisch macht die Kritiker noch etwas anderes: Auf nationaler Ebene sind Bestrebungen in Gang, via Gesetzgebung den Bau von Hochspannungsleitungen zu erleichtern. Könnte Swissgrid die Leitung dann plötzlich doch wieder als national wichtig erachten und ausbauen wollen? «Nein», sagt Sprecher Andreas Schwander. Die Simulationen zur Stromversorgungssicherheit hätten gezeigt, dass es sie bis 2035 nicht brauche.

Hansueli Jakob bleibt trotzdem auf der Hut. «Es wäre das Dümmste, die IG jetzt aufzulösen», findet er. Er will genau beobachten, was auf nationaler Ebene passiert, und ist fest entschlossen, gegen die Gesetzeserleichterungen zu kämpfen. «Dann geht der Jakob noch als Lobbyist ins Bundeshaus», so der 77-Jährige.

Berner Zeitung

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