Die Leiden einer arbeitslosen Mutter

Das RAV lehnt die Anmeldung einer 33-jährigen Mutter ab, die nach der Geburt ihrer Tochter wieder arbeiten will. Arbeitslosengeld bekommt sie nur mit zugesichertem Kita-Platz. Das Verwaltungsgericht entscheidet zu ihren Gunsten.

Das RAV lehnte die An­meldung einer Mutter ab, weil sie keinen Krippenplatz für ihre Tochter nachweisen konnte. (Symbolbild)

Das RAV lehnte die An­meldung einer Mutter ab, weil sie keinen Krippenplatz für ihre Tochter nachweisen konnte. (Symbolbild) Bild: Keystone

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Seinen Arbeitsplatz zu verlieren oder verlassen zu müssen, ist ­keine angenehme Erfahrung. Je nach möglichem Arbeitspensum gestaltet sich der Wiedereinstieg teilweise nicht ganz einfach. Eine Anmeldung beim regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) kann helfen. Solange sich die arbeitssuchende Person an die Grundlagen hält.

Nicht immer spielt nur der Arbeitswille eine Rolle für die erfolgreiche Vermittlung, sondern auch äussere Umstände. Wie im Falle einer 33-jährigen Mutter einer mittlerweile einjährigen Tochter aus der Region, die um ihren Anspruch auf Arbeitslosengeld kämpfen musste.

Die Frau gab wegen der Geburt ihrer Tochter im Dezember 2016 ihre vorherige Arbeitsstelle im Pflegebereich auf. Anfang April 2017 meldete sie sich beim RAV an, auf der Suche nach einer Beschäftigung im 50-Prozent-Pensum. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Mutter allerdings keinen zugesicherten Betreuungsplatz für ihre Tochter und erschien zum ersten Termin beim Berater des Arbeitsamts mit dem Baby.

Dadurch zweifelte das Beco an der Vermittlungsfähigkeit der Frau, ohne die sie keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld hätte. Die Mutter erklärte, dass der Vater des Kindes seine Schichtarbeit anpassen oder ihr Schwiegervater aus Deutschland zum Hüten anreisen könnte. Der Grossvater würde nötigenfalls sofort aus Deutschland in die Schweiz kommen und sich 24 Stunden täglich um die Enkelin kümmern. Ausserdem stehe die Tochter bei Kindertagesstätten auf der Warteliste.

Kein klarer Obhutsnachweis

Das Beco ging diesen Behauptungen nach: Bei einem Telefonat mit dem Vater ergab sich, dass er eine Vollzeitstelle hat und nicht beabsichtige, sein Pensum zu reduzieren. Er könnte lediglich bei Krankheit des Kindes oder aus­serplanmässigen Arbeitszeiten seiner Frau die Tochter zur Kindertagesstätte bringen oder in Ausnahmefällen zu Hause bleiben. Auch der Schwiegervater könnte wegen der gesetzlich befristeten Aufenthaltsdauer in der Schweiz nicht längerfristig auf das Kind aufpassen.

In einer Mail der Kindertagesstätte wird die Mutter zwar gebeten, Bescheid zu sagen, sobald das gewünschte Eintrittsdatum und das Pensum ihrer neuen Stelle bekannt seien. Dem Beco fehlten hierbei allerdings genauere Angaben bezüglich der Frist zur Anmeldung und zu welchem Pensum ein Platz für das Mädchen bei der Betreuung definitiv garantiert wäre. Folglich erhielt die Frau im Oktober letzten Jahres eine Abmeldung vom RAV, wegen fehlenden Obhutsnachweises. Darauf erhob die Versicherte Beschwerde gegen den Entscheid beim Verwaltungsgericht Bern.

Anmeldung ab August

Als Begründung ihrer Beschwerde nannte die arbeitssuchende Mutter im Januar, dass es, nach Absprache mit ihrem Ehemann, diesem jetzt doch möglich sei, seine Arbeitszeiten auf ihre allfällige Anstellung anzupassen. Und die Krippe könne einen definitiven Betreuungsplatz erst auf bestimmte Wochentage festlegen, wenn es zu einer Anstellung kommt und die gewünschten Arbeitstage feststehen.

Es sei nie so weit gekommen, dass sie eine Stelle hätte ablehnen müssen wegen mangelnder Betreuung. Weiter legte sie dem Gericht eine E-Mail vom August vor, in der der Geschäftsleiter der Kinderkrippe festhält, dass nach aktueller Lage an drei Tagen in der Woche freie Plätze vorhanden seien. Zwei davon sollten mit ziemlicher Sicherheit noch längerfristig frei bleiben.

Für das Gericht genügte der Nachweis der Betreuung an drei Tagen in der Woche und dem Wochenende. Der Vater arbeite am Wochenende nicht und könnte deshalb das Hüten übernehmen. Der Frau kann nicht zugemutet werden, ihre Tochter im Voraus bei der Kinderkrippe anzumelden, solange sie noch keine Stelle hat.

Damit sei der gewünschte Beschäftigungsgrad von 50 Prozent nicht stark beeinträchtigt, zumal sie vor allem Stellen im Pflegebereich sucht, wo Teilzeitpensen häufig sind. Somit wurde die Mutter rückwirkend ab letzten August beim RAV angemeldet. Ihr genauer Anspruch auf Arbeitslosengeld wurde nach dem Urteil nochmals überprüft. (Berner Zeitung)

Erstellt: 14.02.2018, 19:21 Uhr

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