Bern

Die leere Millionenvilla

BernSie ist derzeit die teuerste Immobilie, die man in Bern erwerben kann: die Villa des schwedischen Botschafters im Kirchenfeldquartier. Aber der Verkauf gestaltet sich schwierig.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Das Metallschild mit den drei Kronen am Eingang ist abmontiert. Auch die gelb-blaue Flagge hängt nicht mehr über dem Vorplatz. Und die teuren Gemälde im Innern des Gebäudes sind bereits vor Monaten zurück nach Stockholm verfrachtet worden.

Die Villa an der Thunstrasse 67 war einst Schwedens repräsentativste Immobilie in der Schweiz. Über 70 Jahre lang war sie das Zuhause des amtierenden schwedischen Botschafters in Bern. Und noch immer gehört das Haus im Berner Kirchenfeld dem skandinavischen Königreich. Aber heute steht es leer. Und die Frage ist: Wie lange noch?

Schwierige Verhandlungen

Seit einigen Monaten steht die «Stadtvilla mit Gästehaus» schon zum Verkauf. 7,1 Millionen Franken will das schwedische Finanzministerium für das 1962 Quadratmeter grosse Anwesen. Es ist damit auf allen gängigen Schweizer Immobilienportalen das mit Abstand teuerste Objekt, das man in der Stadt Bern heute erwerben kann. Aber dieser Verkauf gestaltet sich anspruchsvoll.

Laut der schwedischen Botschaft bekundeten bereits mehrere Nationen Interesse am Gebäude. In der Berner Diplomatenszene sind repräsentative Villen heiss begehrt.

Während in den Botschaften meist nur der alltägliche Bürokram erledigt wird, finden die vertraulichen Gespräche und Verhandlungen jeweils in den Salons und Wohnzimmer der Spitzendiplomaten statt. Es gilt: Anspruch und Haltung vermittelt man in der subtilen Welt der Botschafter nicht nur über Worte, sondern auch über Äusserlichkeiten.

Aber: Wenn zwei Länder mit­einander verhandeln, ist nichts einfach – nicht einmal ein simpler Immobiliendeal. Immer wieder mussten die Verhandlungspartner in den letzten Monaten Rücksprache mit ihren Regierungen und Parlamenten nehmen. Der Verkauf verzögerte sich deshalb immer wieder, die Verhandlungen laufen noch.

Neue Residenz in Muri

Initiiert hatte den Verkauf Magnus Hartog-Holm, der heutige schwedische Botschafter. Er kam 2014 in die Schweiz und wünschte sich mit seiner Familie bald ein Haus, das etwas bescheidener ist als die Villa mit 532 Quadratmeter Wohnfläche. Er wurde fündig in Muri, auch in einem Botschafterviertel. Die Familie zog 2015 um. Mit der Folge, dass die alte Residenz seit 2015 leer steht.

Die Villa, die sich seit 1930 im Besitz des Königreichs Schweden befindet, soll jetzt auch fürs breite Publikum ausserhalb der Botschafterszene ein Thema werden. Das schwedische Finanzministerium hat eine Immobilienagentur aus Liebefeld mit dem Verkauf beauftragt. Anscheinend verspricht sie sich mehr Verhandlungserfolg mit einer Privatperson als mit einer anderen ­Nation. (Berner Zeitung)

Erstellt: 27.06.2018, 09:50 Uhr

Artikel zum Thema

Auch im Villenquartier wird verdichtet

Muri Es geht ohne Ausnahmebewilligung: Ein Neubauprojekt am Mettlenhölzliweg zeigt, dass sich mit den bestehenden Vorschriften auch Villenquartiere verdichten lassen. Zuvor diente das ­alte Landhaus sogar als Filmkulisse. Mehr...

Marktplatz

Immobilien

Kommentare

Die Welt in Bildern

Letzte Zuflucht: Gartenmaschinen stehen zusammengepfercht auf einem Fleckchen Golfplatz-Rasen, das vom Flutwasser in Longs, South Carolina, noch nicht überdeckt wird. (24. September 2018)
(Bild: Jason Lee/Sun News) Mehr...