Die ländliche Idylle trügt

Münchenbuchsee

Landwirt und Parlamentarier Kurt Stettler wirft der Gemeinde Untätigkeit vor. Sie nehme das Vandalismusproblem rund um seinen Hof in Münchenbuchsee zu wenig ernst. ­Gemeindepräsident Elsbeth Maring wehrt sich.

Der Hof von Kurt Stettler liegt an der Strasse zwischen Saal- und Freizeitanlagen und den verschiedenen Sportanlagen Hirzenfeld.<p class='credit'>(Bild: Stefan Anderegg)</p>

Der Hof von Kurt Stettler liegt an der Strasse zwischen Saal- und Freizeitanlagen und den verschiedenen Sportanlagen Hirzenfeld.

(Bild: Stefan Anderegg)

Die Worte von Kurt Stettler (SVP) liessen kaum einen Parlamentarier von Münchenbuchsee kalt. Während der Rede am Donnerstagabend stockte Stettlers Stimme zuweilen, er kämpfte mit den Emotionen. Ein Vorfall am letzten Wochenende hatte ihn dazu bewogen, seinen Ratskollegen die schwierige Situation auf seinem landwirtschaftlichen Betrieb zu schildern. In der Nacht auf Sonntag trieb dort offenbar eine Gruppe Jugendliche ihr Unwesen. Sie entwendeten Spezialsaatgut und verstreuten es auf der Strasse, zerschlugen Weissweinflaschen auf einer Kuhweide und zerstörten einen Weidezaun.

Schäden nehmen zu

«Das ist kein Jugendstreich», sagte Stettler. Das seien Hausfriedensbruch, Diebstahl oder Missachtung des Tierschutzgesetzes. Er habe Anzeige erstattet. «Das ist kein Einzelfall. Das kommt jährlich mehrmals vor.» Die Vorkommnisse gebe oft bei Anlässen in der Saal- und Freizeitanlage, auf den Sportanlagen Hirzenfeld oder bei Festen auf dem öffentlichen Grillplatz im nahen Wäldchen (siehe Karte). Ein dauerhaftes Problem ist zudem der Hundekot. Stettlers Hof liegt in einem beliebten Naherholungsgebiet und zieht viele Hundehalter an.

Die Schäden an Tieren, Maschinen und Kulturpflanzen hätten inzwischen die Grenze von 100'000 Franken längst überschritten. «Das Tragische ist», so Stettler, «dass die Schadenhöhe jährlich eher zunimmt.» 10 bis 20 Prozent seines landwirtschaftlichen Lohnes gingen so verloren. «Uns steht das Wasser im Neufeld bis zum Hals», sagte Stettler. Wenn sich nicht bald etwas ändere, bedeute dies das Ende des Vollerwerbsbetriebes.

Der Hof der Familie Stettler wurde in den 1930er-Jahren ausgesiedelt. Bis Anfang 1980 habe es keine Probleme gegeben. Mit der Eröffnung der verschiedenen Freizeitanlagen habe sich die ­Situation komplett verändert. Stettler: «Man kann getrost sagen, dass die Gemeinde das Problem zu uns ausgelagert hat.»

Schon sein Vater habe das befürchtet und Einsprache gegen die Anlagen gemacht. Leider seien die Unterlagen der damaligen Verhandlungen mit der Gemeinde nicht mehr vorhanden. Er selber deponiere seit zehn Jahren die Missstände auf der Gemeinde, sagte Kurt Stettler. Aber: «Geschehen ist praktisch nichts.» Mit seinem Votum im Grossen Gemeinderat hoffe er nun, dass die Botschaft endlich angekommen sei und die Gemeinde ihre Verantwortung übernehme.

Hände sind gebunden

Gemeindepräsidentin Elsbeth Maring-Walther (SP) versteht die schwierige Situation von Kurt Stettler. «Wir machen aber nicht nichts», wehrt sie sich. «Er weiss, was möglich ist.» In den Schulen und den Kommissionen sei das Littering ständig ein Thema. Hundehalter und Bevölkerung würden regelmässig sensibilisiert. Für Kontrollen fehlen die personellen Ressourcen. «Wir können Kurt Stettler finanziell auch nicht entschädigen. Es gibt keine rechtlichen Grundlagen», ergänzt Maring. Das Litteringproblem sei nicht einfach in den Griff zu bekommen, es sei oft eine Frage der gesellschaftlichen Entwicklung.

Berner Zeitung

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