Bern

Die Kunst, Kunst zu sammeln

BernDie Stiftung Kunsthalle Bern kauft seit 30 Jahren Gegenwartskunst an. Beheimatet ist die Sammlung im Kunstmuseum Bern. Zum Jubiläum gibts eine Ausstellung – und von uns fünf Antworten auf drängende Fragen.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Was macht die Stiftung Kunsthalle genau?

Da es sich bei der Kunsthalle Bern um einen Ausstellungsort und nicht um ein klassisches Museum handelt, verfügt sie über keine hauseigene Sammlung. Um Werke von ausgestellten Kunst­schaffenden für Bern zu erhalten, wurde vor 30 Jahren die Stiftung Kunsthalle ins Leben gerufen, unter anderem auf Initiative des Berner Kunstsammlers Bernhard Hahnloser und des Kunsthändlers Eberhard W. Kornfeld.

Durch die von den Stifterinnen und Stiftern zur Verfügung gestellten Mittel – jährlich über 100'000 Franken – können Gemälde, Skulpturen, Grafik, Installationen, Foto- oder Videoarbeiten angekauft werden. Mittlerweile umfasst die Sammlung über 400 Werke von 77 Kunstschaffenden. Die angekauften Arbeiten wandern jeweils als Leihgaben ins Kunstmuseum Bern.

Die Sammlung der Stiftung macht mittlerweile rund 20 Prozent der Gegenwartssammlung des Kunstmuseums aus. Die Institution an der Hodlerstrasse ist für die Konservierung, die Lagerung und das Ausstellen der Werke verantwortlich.

Hat das Kunstmuseum Bern ein Mitspracherecht bei der Werkauswahl?

Je eine Vertreterin des Kunstmuseums und der Kunsthalle sitzen dem vom Berner Unternehmer und Kunstsammler Jobst Wagner präsidierten Stiftungsrat bei. Formell haben sie zwar keine Entscheidungsgewalt, aber immerhin eine beratende Funktion. Über den Ankauf eines Werks entscheidet jeweils der Stif­tungsrat – auf Antrag der Kunsthalle-Direktorin Valérie Knoll und der Museumsdirektorin Nina Zimmer.

Wird über die Auswahl gestritten?

Zumindest offiziell lautet die Antwort: Nein. Gesammelt werden gemäss Statuten Werke, die exemplarisch sind für die aus­gestellten Kunstschaffenden beziehungsweise das Ausstellungsprogramm der Kunsthalle Bern. Entsprechend heterogen fällt die Sammlung aus. Matthias Frehner, Ex-Kunstmuseumsdirektor, sass von 2002 bis diesen Herbst im Sitzungsrat und versichert, dass stets Konsens geherrscht ­habe. Was nicht heisst, dass die Auswahl das Kunstmuseum nie vor Herausforderungen stellt . . .

Die Kunsthalle stellt gerne auch sperrige Werke aus. Brockt die Stiftung Kunsthalle dem Kunstmuseum mit entsprechenden Ankäufen Probleme ein?

Das kommt vor. Beim Gemälde aus Autolack des Südafrikaners Moshekwa Langa löste sich die Farbe langsam vom bemalten Grund ab. Und bei der Wandinstallation «Grabstätten» des Belgiers Jan Vercruysse fiel ein Glaselement runter und zerbrach. Darum untersucht nun vor jedem Ankauf eine Konservatorin des Kunstmuseums das Kunstobjekt der Begierde.

Im Fall von Langas Bild «I Was Once Lonelyness» ging die Geschichte übrigens glimpflich aus: Das Werk konnte restauriert werden und ist zurzeit im «Fenster zur Gegenwart» des Kunstmuseums im Atelierhaus Progr ausgestellt.

Was gibt es in der Jubiläumsausstellung zu sehen?

In der Kunsthalle werden unter anderem angekaufte Werke von Ericka Beckman, Helmut Dorner, Maria Eichhorn, Bethan Huws, Jutta Koether, Josephine Pryde, Denis Savary, Albrecht Schnider, Shimabuku, Shirana Shahbazi und Luc Tuymans gezeigt. Kunstschaffende, die sich kritisch mit dem Weltgeschehen, aber auch der Sprache und dem künstlerischen Ausdruck an sich auseinandersetzen.

Kuratiert wird die Ausstellung, die erstmals einen Sammlungsausschnitt zurück in die Kunsthalle bringt, von der Kunsthalle-Direktorin Valérie Knoll. (Berner Zeitung)

Erstellt: 24.11.2016, 13:05 Uhr

Artikel zum Thema

Sex, Bier und abgeflauter Rock ’n’ Roll

Juliette ­Blightman porträtiert mit einer ­Bilderflut eine Künstlergeneration, die mit ­bohemienischem Lebensstil kokettiert, aber längst im Mainstream angekommen ist. Ist das relevant? Bedingt. Mehr...

Malen gegen den Tod

Ull Hohn starb mit 35 Jahren an Aids. Trotzdem hat der deutsche Gerhard-Richter-Schüler ein beachtliches Werk hinterlassen. Die Kunsthalle präsentiert erstmals in der Schweiz einen Überblick. Mehr...

Wenn Werber die Kunsthalle entern

Unter dem Titel «Secret» zeigte die Berner Werbeagentur Contexta am vergangenen Wochenende grafische, filmische und fotografische Arbeiten aus der «Contexta Collection». Kunst oder Kommerz? Ein bisschen beides. Mehr...

Marktplatz

Immobilien

Kommentare

Blogs

Mamablog Tigerhai-Mama am Beckenrand

Geldblog Teilzeitarbeit wird zur Vorsorgefalle

Die Welt in Bildern

Prinzessin auf der Rose: Während des jährlichen Seerosenfestes in Taipeh posiert ein Mädchen auf einem der gigantischen Exemplare für ein Foto. (16.August 2018)
(Bild: Tyrone Siu) Mehr...