Die Krähen bauen ihre Nester neu

Bern

Im Berner Nordquartier herrscht wieder das grosse Krächzen: Die Krähen bauen ihre kürzlich entfernten Nester wieder auf. Die Stadt wird sie deshalb kurz vor der Brutzeit erneut von den Bäumen herunternehmen.

Die Saatkrähen bauen ihre Nester auf den Bäumen an der Winkelriedstrasse wieder auf.

Die Saatkrähen bauen ihre Nester auf den Bäumen an der Winkelriedstrasse wieder auf.

(Bild: Urs Baumann)

Sandra Rutschi

So einfach lassen sich Saatkrähen offensichtlich nicht vertreiben. Nachdem die Mitarbeiter von Stadtgrün Bern vor wenigen Wochen neunundneunzig alte Krähennester in der Winkelried-, Ostermundigen- und Tellstrasse entfernt hatten, war es massiv ruhiger geworden. Doch nun herrscht wieder das grosse Krächzen im Nordquartier. «‹Nicht mit uns› scheinen die Saatkrähen zu sagen. Und bestücken die Bäume wieder mit Nestern», sagt Peter Geissler, BZ-Leser und Anwohner der Winkelriedstrasse. In der ersten Woche hätten die Tiere ihre alten Nester gesucht, in der zweiten mit dem Wiederaufbau begonnen. Ein neues Nest zu bauen, ist für Krähen eine Sache von wenigen Tagen. «Nun gibt es jeden Tag ein bis zwei Nester mehr», sagt Geissler. Es sei einerseits interessant, die Vögel zu beobachten. Andererseits sei der Lärm gerade frühmorgens schon störend.

Astgabelungen gestutzt

An den drei Strassen im Nordquartier beschweren sich Anwohner seit Jahren wegen Lärm und Kot der Vögel. Nicht nur, dass dort am meisten Krähen leben – sie bauen ihre Nester auch sehr nahe an die Häuser heran. Deshalb hat die Stadt Bern im Februar, bevor die Krähen ihre alten Nester wieder bezogen, etliche dieser Nester weggeräumt. Zudem wurden die Bäume so geschnitten, dass die Astgabelungen als Bauplätze für die Tiere weniger interessant sind. Die Idee dahinter war, die Krähen so zum Umziehen zu bewegen.

Nester erneut entfernen

Diesen Versuch bezeichnet Sabine Tschäppeler jedoch nicht als gescheitert. «Wir haben von Anfang an damit gerechnet, dass einige Krähen zurückkehren werden», sagt die Leiterin der Fachstelle Natur und Ökologie bei Stadtgrün Bern. Ihr Fazit nach zwei Wochen ohne alte Nester: «Wir werden an besonders betroffenen Orten die neu gebauten Nester kurz vor der Brutzeit noch einmal herunternehmen.» Da sich die Brutzeit wegen der Kälte dieses Jahr verzögere, werde das Mitte bis Ende März der Fall sein. Während der Brutzeit darf an den Nestern dann nichts mehr gemacht werden. «Mitte April werden wir noch einmal durchgehen und schauen, was passiert ist», sagt Tschäppeler. Sie gehe davon aus, dass einige Krähen die Nester auch ein zweites Mal wieder aufbauen – doch es sei ein Versuch wert.

Vor etwa einer Woche gingen bei Stadtgrün Bern wieder die ersten Beschwerden wegen Krähenlärms ein. Erfahrungsgemäss würden diese Lärmklagen bis zum Ausflug der Jungvögel Anfang Juni zunehmen. Danach sind die Tiere weg – und mit ihnen die Beschwerden. Doch nicht nur die Vogelgegner haben einiges zu beanstanden. Auch die Tatsache, dass Krähennester weggeräumt worden sind, hat für Kritik gesorgt.

Berner Zeitung

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