Worb

Die Kolonnen verlagern sich

WorbDie Eröffnung der Umfahrungsstrasse zeigt: Staus im Berufsverkehr gibt es weiterhin, aber anderswo als früher. Derweil bringt die einseitig gesperrte Ortsdurchfahrt eine bisher nie gekannte Ruhe ins Dorf.

Der Verkehr staut sich gegen Abend beim Kreisel Rubigenstrasse. Zeitweise stehen die Autos bis weit in den Wisletunnel hinein.

Der Verkehr staut sich gegen Abend beim Kreisel Rubigenstrasse. Zeitweise stehen die Autos bis weit in den Wisletunnel hinein. Bild: Andreas Blatter

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Stille. Minutenlang kein Auto. Die Bernstrasse in Worb wirkt am späteren Nachmittag verlassen, wie in einem Provinzdorf in Frankreich. «Es ist fast gespenstisch», sagt Christian Schmutz. Der Velohändler ist mit dem Verkehr vor dem Haus aufgewachsen.

Die Gäste auf der Terrasse der Confiserie Café Berger sind erleichtert. «Es ist viel ruhiger. Sonst fuhr um diese Zeit hier Auto an Auto», sagt eine ältere Frau. Jetzt gibt es aus Richtung Bern keinen Durchgangsverkehr, nur ab und zu rollt ein Fahrzeug in der Gegenrichtung.

Die Eröffnung der Umfahrungsstrasse am Samstag hat Wirkung gezeigt. Vor allem, weil die Bernstrasse wegen Bauarbeiten am Kreisel Worb­boden einseitig gesperrt ist.Ganz anders die Situation auf der Rubigenstrasse. Dort, wo die Umfahrung endet, steht bis zum Migros-Kreisel eine Autoschlange. Und kurz nach 17 Uhr staut sich der Verkehr auch im neuen Wisletunnel auf der Umfahrungsstrasse.

Die langsam fahrende Kolonne ist zeitweise 500 Meter lang, länger als der Tunnel selbst. Kein Wunder, ein Stau auf dieser Strecke wurde vorausgesagt – weil die Autofahrer, die ins Emmental wollen, eine Schlaufe über den Migros-Kreisel machen müssen. Die Worte von Adrian Gygli, Projektleiter vom kantonalen Tiefbauamt, tönen noch in den Ohren: «Das Ziel war nicht, den Verkehr zu reduzieren. Wir wollen ihn aus dem Zentrum an die Peripherie bringen», sagte er letzte Woche.

Kein Wegweiser ins Dorf

Auf der Bernstrasse hat sich die Situation im Zentrum, aber auch ausserorts beruhigt. Bis letzte Woche stauten sich die Fahrzeuge gegen Abend jeweils schon weit vor dem Dorf. Das ist vorbei. Höchstens zehn, zwanzig Autos stehen vor der Einmündung zur Umfahrungsstrasse. Dort zögern immer wieder Autolenker, sind unsicher, wie sie fahren sollen. Die neuen Wegweiser für jede Richtung sind zwar montiert. Doch wenn jemand ins Dorfzen­trum will, sucht er vergebens nach einem Schriftzug.

Morgens brauchen die Fahrzeuglenker von Richigen her Geduld. Der Stau vor dem Migros-Kreisel ist aber weniger ausgeprägt als früher. Etwa drei Viertel der Autos fahren weiterhin durchs Dorf, weil die Bernstrasse einseitig offen ist. Der Rest fährt Richtung Rubigen, ein Teil davon nimmt dann die Umfahrungsstrasse. Gemeindepräsident Nik­laus Gfeller (EVP) hat die Situ­ation beobachtet. Sein erster Eindruck: «Der Verkehr scheint mir flüssiger als vorher. Und mir ist aufgefallen, dass die Spange Nord, der nördliche Umfahrungsteil, gut benützt wird.»

Geschäfte eher zuversichtlich

Die Umfahrungsstrasse hat beim Gewerbe lange vor der Eröffnung Bedenken ausgelöst. Wenn das Zentrum teilweise gesperrt würde, bedeute dies Umsatzverluste. Wie fallen nun die ersten Reaktionen aus? Für wirkliche Erkenntnisse sei es noch zu früh, ­sagen die Befragten. Silvia D’Incau, Geschäftsstellenleiterin der Confiserie Berger, sieht Vor- und Nachteile: «Es ist ruhiger, vor allem draussen. Aber es gibt auch Leute von auswärts, die uns nicht finden und einen Umweg fahren müssen.» D’Incau ist nicht gegen die Verkehrsberuhigung, aber: «Die Poller wollen wir nicht.»

Genau dies sagt auch Clemens Maschek, Wirt im Gasthof Sternen. Die Strasse umzugestalten und das Tempo zu beschränken, sei richtig, «aber man sollte durchfahren können». Daneben ist er zuversichtlich: «Wir haben 18 Hotelzimmer. Für die Gäste ist die ruhige Strasse ein Gewinn.»

Auch Velohändler Schmutz will nicht klagen: «Warum auch jammern, bevor man weiss, wo es wehtut?», sagt er. Für sein Geschäft sieht er Vorteile, weil Velos über die beruhigte Strasse zu ihm fahren könnten. Er werde in die Offensive gehen, so Schmutz. Das Velogeschäft wird er von den Vespas trennen und auf der andern Strassenseite ein zweites Lokal belegen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 22.09.2016, 18:40 Uhr

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